Hochwasserschutz auf natürlichem Weg

Handbuch Hochwasserschutz RUB

Neues Handbuch der Ruhr-Universität Bochum (RUB)

Professor Christian Albert forscht der Ruhr-Universität Bochum. Er ist überzeugt, dass natürliche Lösungen beim Hochwasserschutz nachhaltiger sind als oftmals teure technische Lösungen. Sein Lehrauftrag umfasst Projekte zur Umweltanalyse und -planung in metropolitanen Räumen und dazu gehört auch der Hochwasserschutz. In einem aktuellen Handbuch der RUB zeigt Professor Albert Beispiele für naturbasierte Lösungen auf.

Auch einfache Maßnahmen sind wirksam

So könnten bei landwirtschaftlich genutzten Flächen breitere Randstreifen angelegt werden. Durch mehr Rauigkeit wird die Bodenerosion verringert und erleichtert es dem Wasser, einfacher zu versickern. Kleinräumige Maßnahmen beinhalten beispielsweise die Verwendung von wenige Zentimeter dicken Kokosrollen als Schutzschicht von Uferböschungen gegen erosive Wirkungen von Wellen und Strömung. Großräumige Maßnahmen sind unter anderem die Wiederanbindung von vielen Quadratkilometer großen Altwasserarmen an den Hauptstrom des Flusses, um Habitate zu bewahren. Selbst einfache Maßnahmen, wie das Anlegen von Gründächer, helfen mit, den Regen festzuhalten.
Da naturbasierte Lösungen in der Regel vielfältige Auswirkungen haben, können diese auch mehreren Schlüsseltypen zugeordnet werden. Tabelle 2 des Handbuchs weist beispielhaft Zuordnungen auf, wie die Anlage von Gewässerrandstreifen und Hecken, welche zum Schlüsseltyp „Maßnahmen zum Rückhalt und Abbau von Nährstoff und Pestizidbelastungen“ gehört. Eine gute Übersicht über bereits umgesetzte Maßnahmen bieten unter anderem vorhandene Onlinedatenbanken wie der „Urban Nature Atlas von Naturvation24“, die Datenbank von „Naturally Resilient Communities“ oder der „Nature-based Solutions Initiative“. Das Handbuch von Professor Albert umfasst 120 Seiten und ist kostenlos als Download verfügbar.

Hürden für den natürlichen Hochwasserschutz

Eine Analyse der Risikomanagementpläne zum Hochwasserschutz aus den Jahren von 2012 bis 2015 zeigt, dass naturbasierte Lösungen nur neun Prozent der darin vorgeschlagenen Maßnahmen ausmachten. Zum einen benötigen naturbasierte Lösungen mehr Platz als technische und auch mehr Zeit für die Umsetzung. Albert sieht auch psychologische Hürden bei den Planern und Behörden. „Naturbasierte Lösungen entsprechen nicht den bisherigen Gewohnheiten!“, so der Umweltplaner. Oft sind die Leute dann positiv überrascht, wenn eine solche Maßnahme einmal umgesetzt ist und sich als richtig erweist.

Links

https://news.rub.de/wissenschaft/2021-07-13-hochwasserschutz-die-stadt-als-schwamm
https://www.oekom.de/buch/planung-naturbasierter-loesungen-in-flusslandschaften-9783962383091
https://naturvation.eu/atlas
http://nrcsolutions.org/strategies/#solutions
https://www.naturebasedsolutionsevidence.info/

Bildquelle: https://news.rub.de/wissenschaft/2021-07-19-hochwasserschutz-die-stadt-als-schwamm

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