Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 09.08.2022

 

Das Fenster hat sich zum Hightech-Produkt entwickelt

Share on Facebook Share on Twitter

Ein hoher Dämmstandard als wichtiger Baustein der Energiewende -

Kaum ein Bauteil im Gebäude hat so rasante Fortschritte im Bereich der Wärmedämmung gemacht wie das Fenster. Innerhalb von zwanzig Jahren hat sich die U-Wert von 2,6 auf kleiner 1,0 verbessert. Die Industrie drehte dabei an vielen Stellschrauben und hat dadurch jedes Fensterelement für sich optimiert. Für ein hochgedämmtes Haus ist die Dreifachverglasung inzwischen Standard. Dazu gesellen sich integrierte Dämmstoffeinlagen aus extrudiertem Polystyrol (XPS) oder Kork im Fensterrahmen, Edelgasfüllungen in den Scheibenzwischenräumen und thermisch optimierte Randverbünde.

Edelgasfüllung ersetzt die Luftfüllung

Bis zum Jahr 1995 bestand die Füllung zwischen zwei Scheiben aus Luft. In Laborversuchen hat sich gezeigt, dass das Edelgas Argon eine um ein Drittel geringere Wärmeleitfähigkeit (λ-Wert) aufweist als Luft. Dazu kommt, dass Argon den U-Wert 0,7 bereits bei einem Scheibenzwischenraum (SZR) von 13 bis 14 Millimeter erreicht, während Luft einen SZR zwischen 18 und 20 Millimeter benötigt. Noch günstigere Eigenschaften hinsichtlich Wärmeleitfähigkeit haben Krypton und Xenon. Doch sind diese beiden Edelgase wesentlich teurer als Argon.

Low-ε-Beschichtungen und ein thermisch optimierter Randverbund

Wärmeschutzverglasungen kommen ohne eine hauchdünne metallische Beschichtung an der Scheibeninnenseite nicht mehr aus. Diese sogenannte Low-ε-Beschichtung verbessert bei sonst gleichen Bedingungen den U-Wert der Verglasung von 2,4 auf 1,2. Die Beschichtung hat die Aufgabe, das langwellige Infrarotlicht nicht nach außen zu lassen. Beschichtungen verbessern die Fensterqualität nicht nur von Dreifach-verglasten Fenstern, sondern auch bei der Zweifach-Verglasung. Ein thermisch optimierter Randverbund sorgt dafür, dass die Scheibenzwischenräume absolut dicht sind. Seitlich wird der Randverbund mit Butyl abgedichtet, horizontal mit Polysulfid. Dazwischen enthält der Randverbund ein Trocknungsmittel mit zwei Diffusionsöffnungen am oberen Rand.

Auch Holzrahmen mit Dämmelementen bieten einen guten Wärmeschutz

Fensterrahmen aus Kunststoff bestehen aus einem relativ weichen Material. Ihre hohe Dämmwirkung erreichen sie durch 5 bis 7 Kammerprofile, die allerdings einen stabilisierenden Kern benötigen. Zusätzlich können Dämmelemente in die Kammern eingebaut werden. Das Einbringen von Dämmelementen ist inzwischen auch bei Holzfenstern möglich. Dadurch werden U-Werte für den Rahmen von kleiner 1 erreicht. Weiches Holz wie Kiefer oder Lärche dämmt etwas besser als Hartholz wie Eiche oder Meranti. Die Wärmedämmung von einem Holz-Alu-Verbund lässt sich ebenfalls durch Dämmelemente verbessern.

Schallschutzfenster erfordern noch mehr Aufwand bei der Verglasung

Für eine gute Wärmedämmeigenschaft würde ein vier Millimeter dickes Floatglas ausreichen. Damit erreicht man im Bereich des Schallschutzes aber nur die unterste Schallschutzklasse mit etwa 30 Dezibel (dB). Für eine um 4 dB höhere Schalldämmung müsste die Scheibendicke beim Zweifach-verglasten Fenster sechs Millimeter betragen. Eine weitere Steigerung auf 37 dB erreicht man durch die Anordnung unterschiedlicher Scheibendicken. So könnte eine Zweifach-Verglasung die Kombination 8/16/4 aufweisen, anstelle von 6/16/6. Bei einem Dreifach-verglasten Fenster würde beispielsweise die Kombination 8/12/4/12/4 ein Schalldämmmaß von 37 dB ergeben. Einen Nebeneffekt gilt es noch zu bedenken: das Gewicht eines Fensters der Schallschutzklasse 3 ist um rund 10 Kilogramm je Quadratmeter höher als bei Schallschutzklasse 1.

Fenster fachgerecht einbauen

Die beste Fensterqualität verpufft, wenn der Einbau in die Gebäudeöffnung nicht fachgerecht erfolgt. Rund um das Fenster sollte umlaufend eine zehn Millimeter breite Anschlussfuge vorgesehen sein. Die Fuge muss dann schlagregendicht und luftdicht verschlossen werden. Dazu bieten sich vorkomprimierte Dichtungsbinder oder geprüfte Montageschäume an. Das private Institut für Fenstertechnik in Rosenheim zeigt in zahlreichen Tutorials auf, worauf beim Einbau von Fenstern besonders zu achten ist. Die Gütegemeinschaft Fenster, Fassaden und Haustüren vergibt das RAL-Gütesiegel, mit dem Fachbetriebe ihre Kompetenz beim Fenstereinbau nachweisen können.

Weitere Informationen

www.ift-rosenheim.de/montage
www.window.de/windowde/guetegemeinschaft-fenster/meta/kontakt-impressum/
www.iwu.de/forschung/gebaeudebestand/
www.staedtebauliche-laermfibel.de/
www.baubiologie-regional.de/news/widerstandsklassen-sind-ein-qualitaetsmerkmal-fuer-fenster-892.html





 


Teilen auf Social Media