Baubiologie und Oekologie

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Bayreuth, 25.09.2021

 

Wie Mobilfunk auf Bienen wirkt

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- Alain Thill ist selbst elektrohochsensibel. Der junge Wissenschaftler aus Luxemburg hat deshalb auch im eigenen Interesse akribisch alle Studien untersucht, die einen Zusammenhang zwischen Insektensterben und elektromagnetischen Feldern gefunden haben. Aus einer Gesamtmenge von 190 Veröffentlichungen hat er diejenigen ausgeschlossen, die nicht brauchbar waren. Schließlich wurden 83 Studien in die Bewertung einbezogen und davon beschäftigten sich 55 Studien ausschließlich mit Einflüssen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf Insekten. Die am häufigsten untersuchten Insektenarten waren die Honigbiene und die Fruchtfliege (Drosophila). Von den 55 untersuchten Hochfrequenzstudien wiesen nur etwa zwölf Studien verlässliche statistische Werte auf, obwohl die Erhebung nach Einschätzung des Autors möglich gewesen wäre. Trotz gewisser Mängel im Studiendesign liefern die Arbeiten wichtige Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Elektrosmog und Verhaltensänderungen bei Insekten.

Oxidativer Stress in den Eierstöcken von Insekten

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Die Hochfrequenzfelder bei den Laborversuchen wurden zu 45% durch DECT-Telefone, zu 24% durch Signalgeneratoren und zu 15 % durch Mobilfunksender erzeugt. Die Strahlungsdichten wiesen eine große Spannweite von wenigen hundert bis zu 250.000 Mikrowatt je Quadratmeter (µW/m²) auf. Über einen kurzen Beobachtungszeitraum gesehen, waren die Wirkungen von Mobilfunkbasisstationen zu schwach, um gesundheitliche Effekte zu zeigen. Einige Experimente offenbarten dennoch nach mehreren Monaten schädliche Auswirkungen. Der griechischer Forscher Panagopoulos untersuchte zehn Jahre lang die Auswirkungen von Hochfrequenzfelder auf die befruchteten Eier der Fruchtfliege. Bei einer Strahlungsdichte von 100.000 Mikrowatt je Quadratmeter (6 Volt je Meter) stellte er DNA-Strangbrüche fest. Anhand von 280 Experimenten mit Fruchtfliegen erkannten Margaritis und Manta eine Erhöhung von reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) in den Eierstöcken der Insekten nach der Befeldung mit DECT-Telefonen, WLAN-Sendern und Babyphonen. Eine Studie von Favre (2017) zeigte auf, dass die Bienen in einem Stock bereits bei einer geringen Befeldung von kleiner 1.000 µW/m² Pfeiftöne abgaben, was wiederum als Gefahrensignal gewertet wurde. Geronikolou (2014) bestrahlte Drosophila-Eier im Nahfeld mit dem Handy und stellte anschließend eine abnehmende Fruchtbarkeit fest.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Reviews über Mobilfunk und Insekten

1) Es gibt Effekte bereits unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte in Deutschland
2) Es zeigten sich negative Einflüsse auf Orientierung, Fortpflanzung und Nahrungssuche
3) Insekten, die in Bewegung waren, zeigten geringere Effekte als Larven oder Eier
4) die Effekte sind im frühen Entwicklungsstadium von Ei, Larve oder Puppe stärker als bei erwachsenen Insekten.
Zusammenfassend gesehen sieht Alain Thill einen ernstzunehmenden Einfluss von elektromagnetischen Feldern auf die Vitalität von Insektenpopulationen.
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Gemischte Reaktionen in der Presse

Herausgegeben wurde die Studienübersicht von der Aktionsgruppe für Umwelttoxikologie Akut in Luxemburg mit einer Co-Finanzierung von Diagnose Funk und NaBu Baden-Württemberg. In der Presse gab es ein unterschiedliches Echo. Der Tagespiegel in Berlin beschäftigte sich ausführlich mit der Untersuchung und fragte Pascal Malkemper vom Bonner Forschungszentrum Caesar nach seiner Meinung. Dieser hat Jahr 2018 einen Bericht mitverfasst, in dem 39 Studien bewertet wurden, die auch Thill in seine Publikation einbezogen hat. Malkemper kritisiert Alain Thills Darstellung der Wirkmechanismen: "Man kann das als Hypothese aufstellen, aber es ist in keiner Weise belegt." Der Forderung nach mehr Forschung stimmt er aber zu. Man müsse hier Labor- und Feldforschende zusammenbringen. Der MDR zitierte den baden-württembergischen Nabu-Landeschef Johannes Enssle. Nach dessen Meinung werde die Wirkung von Mobilfunkstrahlung auf die Umwelt häufig unterschätzt.

Mehr Forschung im Zusammenhand mit 5G gefordert

Diagnose Funk verlangt weitere staatlich geförderte Studien zu Wirkungen von Mobilfunk auf Insekten. Dies gelte besonders mit Blick auf die inzwischen eingeführte 5G-Technik. Forum Mobilkommunikation ist das Sprachrohr der Mobilfunkindustrie in Österreich. Der Verband behauptet indessen, "es sei bekannt, dass Mobilfunk mit dem Insektensterben nichts zu tun habe, sondern andere Ursachen dafür vorliegen". Der Wiener Umweltmediziner Hans-Peter Hutter widerspricht der Mobilfunklobby: "Bei dem Review von Alain Thill handelt es sich um eine gute und mühevoll zusammengestellte Übersichtsarbeit", sagte Hutter gegenüber science.ORF.at. "Dass sich elektromagnetische Felder auf Lebewesen auswirken, ist lange bekannt." Weiterhin fordert der Umweltmediziner, besonders Effekte auf Lebewesen zu untersuchen, die wesentliche Säulen der Ökosysteme darstellen.

Weitere Informationen

baden-wuerttemberg.nabu.de/news/2020/september/28682.html
www.tagesspiegel.de/wissen/das-handy-als-insektenfalle-forscher-und-naturschuetzer-uneins-ueber-einfluss-von-handystrahlung-auf-insekten/26209156.html
science.orf.at/stories/3201814





 


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