
Vorstellung von zwei gängigen Trocknungsverfahren in Wohnhäusern -
Die Trocknung von Hohlräumen und Dämmschichten stellt eine besondere Herausforderung dar, da sich Feuchtigkeit dort nur sehr langsam über Diffusion abbaut und gleichzeitig ein hohes Risiko für mikrobiellen Befall besteht. Besonders Estrichkonstruktionen mit einer darunterliegenden Dämmschichtsind problematisch. Sobald Wasser in die Dämmschicht eindringt, kann es ohne gezielte technische Maßnahmen über Monate hinweg verbleiben und sekundäre Schäden verursachen. Für die Trocknung von Hohlräumen und Dämmschichten kommen zwei Hauptmethoden zum Einsatz und dazu noch Kombinationsformen.Im folgenden Text werden deshalb das Überdruckverfahren und das Unterdruckverfahren und eine Kombination von Unterdrucktrocknung mit vorgeschalteter Adsorptionstrocknung vorgestellt.
Trocknung mit Überdruck
Bei diesem Verfahren wird trockene, erwärmte Luft in den Hohlraum eingeblasen. Der Überdruck verdrängt die feuchte Luft, die über Fugen, Randbereiche oder gezielte Austrittsöffnungen entweichen kann. Die Vorteile des Verfahrens liegen im schnelleren Trocknungsfortschritt und einer relativ einfachen Geräteaufstellung. Das Risiko besteht darin, dass Schimmelsporen und Staubpartikel unkontrolliert in angrenzende Räume gelangen können und somit ein hygienisches Problem darstellen. Eine begleitende Luftreinigung ist deshalb notwendig.Hierzu ein Beispiel: Die Dämmschicht einer Leichtbauhalle war großflächig durchfeuchtet. Aufgrund des geringen Risikos für Personennutzung und des hohen Flächenumfangs entschied man sich für das Überdruckverfahren. Trockene Prozessluft wurde großflächig eingeblasen; die feuchte Luft entwich über Fugen und Öffnungen im Wandanschluss. Als Ergebnis ergab sich eine schnelle Absenkung der Feuchtigkeit, jedoch eine erhöhte Partikelbelastung im Innenraum. Somit war eine begleitende Luftreinigung erforderlich.
Trocknung im Unterdruckverfahren
Hierbei wird feuchte Luft aktiv aus dem Hohlraum abgesaugt. Der notwendige Luftnachstrom wird über definierte Einblasöffnungen, z. B. in den Estrichrandfugen, gesteuert. Vor dem Austritt in den Raum durchläuft die abgesaugte Luft leistungsfähige HEPA- und Aktivkohlefilter. Folgende Vorteile: kontrollierte Luftführung, hohe hygienische Sicherheit durch Filtration und keine unkontrollierte Sporenfreisetzung. Als Nachteile steht ein höherer Energieverbrauch, eine komplexere Gerätekonfiguration und längere Laufzeiten gegenüber.Auch hier ein Fallbeispiel: In einem Mehrfamilienhaus kam es zu einem Leitungswasserschaden mit Durchfeuchtung der Estrichdämmschicht in mehreren Wohnungen. Aufgrund des hohen Risikos von Schimmelbildung wurde das Unterdruckverfahren eingesetzt. Mehrere Absaugstellen wurden in den Estrich gebohrt, die Prozessluft über Adsorptionstrockner vorentfeuchtet und anschließend über HEPA- und Aktivkohlefilter geführt. Die Trocknungsdauer betrug ca. vier Wochen. Die abschließende Raumluftmessung ergab keine Hinweise auf riskante Schimmelsporen in den Wohnräumen.
Kombinationsverfahren
In der Praxis werden auch Mischformen eingesetzt, etwa die Kombination von Unterdrucktrocknung mit vorgeschalteter Adsorptionstrocknung, um die Prozessluft gezielt zu entfeuchten. Dies erlaubt eine effiziente Absenkung der Restfeuchte auch bei schwierigen klimatischen Bedingungen. Bei folgenden Anwendungsgebieten ist das Verfahren sinnvoll: Trocknung von Estrichdämmschichten nach Leitungswasserschäden, Trocknung von Leichtbauwände mit Hohlräumen oder Holzbalkendecken mit Ausfachungen.Folgendes Beispiel: In einem denkmalgeschützten Gebäude wurde eine Hybridlösung realisiert. Ein Adsorptionstrockner erzeugte extrem trockene Prozessluft, die in ein Unterdrucksystem eingespeist wurde. So konnten empfindliche Holzbalkendecken mit einer Lehmausfachung schonend und dennoch effizient getrocknet werden. Mit dem Verfahren wurde neben einer Minimierung der Trocknungszeit ein rissefreies Ergebnis erzielt.
Zusammenfassung
Diese Beispiele zeigen, dass die Auswahl eines geeigneten Verfahrens maßgeblich vom Gebäudetyp, den hygienischen Anforderungen und den Umgebungsbedingungen abhängt. Eine pauschale Lösung gibt es nicht – vielmehr ist eine objektspezifische Analyse unerlässlich.Literaturhinweise
- VdS 3150 "Richtlinien zur Leitungswasserschaden-Sanierung"- Leitfaden zur technischen Bauteiltrocknung (Österreich, BMLUK, 2019)
- DIN 18560 "Estriche im Bauwesen" (insbesondere Teil 2: "Estriche und Heizestriche auf Dämmschichten")
Weitere Informationen
www.wir-machen-trocken.de/ratgeber-estrichtrocknung/www.groba-online.com/trocknung/estrichtrocknung
www.deutsche-thermo.de/wiki/estrichtrocknung-nach-wasserschaden
doelco.de/de/endkunden/daemmschichttrocknung-estrichtrocknung-hohlraumtrocknunng
de.wikipedia.org/wiki/Bautrocknung









