Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 28.11.2021

 

Verdächtige Löcher im Gebälk

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- Eva Lohmüller ist seit einem Monat stolze Besitzerin einer kleinen Eigentumswohnung im Stadtzentrum von Coburg. Das Haus stammt aus dem Jahr 1780 und enthält viel Holz als Baumaterial. Als Eva zum ersten Mal den Dachboden betrat, fuhr ihr der Schreck in die Glieder. Die Holzbalken sind übersät mit vielen kleinen runden Löchern und auch ein Fraßgang zeichnet sich deutlich auf dem Holz ab. Sollte hier der Holzwurm oder ein anderer Schädling frisch am Werk sein? Sollte sie ihr Geld in ein schadhaftes Wohnobjekt investiert haben? Frau Lohmüller will so schnell wie möglich Gewissheit haben und informiert die Hausverwaltung von ihrer Entdeckung. Gleichzeitig recherchiert sie selbst zu dem Schadensbild – denn die neue Eigentümerin will auf jeden Fall vermeiden, dass ein Kammerjäger mit der Giftspritze den Holzschädling austreiben will.

Der Holzwurm ist der bekannteste Holzschädling

In manchen Fällen halten sich Begriffe hartnäckig im Sprachgebrauch, auch wenn sie offensichtlich nicht die Realität beschreiben. So ist denn auch der Holzwurm im biologischen Sinne ein Käfer mit einer bekannten Metamorphose: der weibliche Käfer, genauer bezeichnet als "gemeiner Nagekäfer", legt zwanzig bis dreißig Eier in den Rissen oder Spalten des Holzes ab. Nach zwei bis vier Wochen schlüpfen aus den Eiern kleine Larven, die sich in einem Zeitraum von bis zu acht Jahren mehrmals häuten und schließlich eine Größe von drei bis vier Millimeter erreichen. Während dieser langen Entwicklungsphase fressen sich die Larven durch das Holz. Die Verpuppungszeit ist mit drei bis vier Wochen relativ kurz. In seiner fertigen Gestalt frisst der Käfer kein Holz mehr. Er verlässt den alten Standort und sucht nach der Paarung einen neuen Platz für die Eierablage. Die Larven mögen es warm, aber nicht zu heiß. Die bevorzugte Temperatur liegt bei etwa 22 Grad Celsius und die relative Holzfeuchte bei 30 Prozent. Bei einer Temperatur von größer 50 Grad Celsius verklumpt das Eiweiß in der Larve und führt zum Absterben des Lebewesens.

Anzeichen für einen aktiven Befall von Holzschädlingen

Zwei wichtige Fragen beschäftigen sowohl Fachleute als auch Laien im Zusammenhang mit Holzschädlingen: in welchem Maße ist der Holzwurm noch aktiv und wie weit sind die Balken bereits geschädigt? An zahlreichen Tipps in den Fachzeitschriften mangelt es nicht. Aber sie können auch in Irre führen. Als häufigster Indikator für einen aktiven Befall gelten Mehlhäufchen vor dem Bohrloch. Doch Vorsicht! Larven können sich tief in das Holz einfressen. Deshalb kann es oft Wochen dauern, bis das Holzmehl nach außen transportiert und für den Beobachter sichtbar wird. Auch bei der akustischen Beurteilung treten Widersprüche auf. So wurden von Sachverständigen nagende oder kratzende Geräusche berichtet. Andere Beobachter weisen darauf hin, dass die Larve des gemeinen Nagekäfers fast geräuschlos frisst. Ein weiterer Tipp zum Auffinden eines aktiven Befalls orientiert sich an den Fressgewohnheiten des Holzwurms. Frische Eicheln schmecken der Larve besser als trockenes Bauholz. Folglich sollten etwa fünf Eicheln auf einem Teller unterhalb des Bohrlochs platziert werden. Durch eine Fotodokumentation lässt sich überprüfen, ob Nagespuren auf den Eicheln zu finden sind. Den Grad der Schädigung von Holzbalken hingegen kann man durch Klopfen überprüfen. Je hohler das Klopfgeräusch klingt, desto größer ist das Ausmaß der Schädigung.

Den Holzschädling ohne Gift vertreiben

Lutz Parisek aus Walsdorf (Unterfranken) ist ein erfahrener Sachverständiger für Schäden an Bauholz. Er weiß zu berichten, dass die Larven des Nagekäfers eine Umgebungstemperatur von größer fünfzig Grad Celsius nicht überleben und empfiehlt deshalb das Heißluftverfahren. Bei dieser Methode wird das gesamte Dachgeschoss über mehrere Stunden auf mindestens achtzig Grad Celsius erhitzt, bis das Kernholz mindestens fünfzig Grad Celsius erreicht hat. Bei der Behandlung mittels Heißluft sollten Probestücke zur Qualitätskontrolle mit in das Gebäude eingebracht werden. Das sind Hölzer mit größeren Querschnitten, die mit Larven geimpft worden sind. Mit Hilfe von Temperaturfühlern lassen sich die Wärmegrade im Holz messen. Lutz Parisek erklärt in einem Lernvideo, dass die Kaltluftzufuhr über die Traufen vermieden werden muss, um die geforderten Wärmegrade zu erreichen. Aber aufgepasst: Die Lufttemperatur darf auch nicht zu hoch werden, denn sonst schmilzt der Kunststoff von Stromleitungen. Die WTA-Merkblätter widmen dem Heißluftverfahren ein eigenes Kapitel (siehe Link unten).

Weitere Holzschädlinge im Überblick

Der bunte Nagekäfer ist etwa fünf bis sieben Millimeter groß und hat sich auf Holz spezialisiert, welches bereits von einer Pilzinfektion beschädigt oder geschwächt wurde. Der große Splintholzkäfer kam durch Importhölzer nach Europa und greift das Holz von einheimischen Laubbäume an. Ein weiterer gefräßiger Einwanderer ist der asiatischen Bambuskäfer. Bei einer Größe von zwei bis vier Millimeter frisst er vorwiegend Bambus und Maniokhölzer. Mit acht bis 25 Millimeter ist der Hausbock etwas größer als der gemeine Nagekäfer und frisst vorwiegend trockenes Holz.

Weitere Informationen

www.parisek-saniert.de/
www.baufachinformation.de/paket-wta-referat-1/mb/221151
www.fachwerk.de/fachwerkhaus/sitemap/Heissluftverfahren.html
www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/heissluftverfahren-pfette-47381.html
de.wikipedia.org/wiki/Holzsch%C3%A4dlingsbek%C3%A4mpfung
www.hausjournal.net/holzwurm-bekaempfen-hausmittel
schaedlingebekaempfen.de/holzwurmloecher-fuellen-reparieren/
www.dhbv.de/FirmenDB/





 


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