Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 01.10.2022

 

Pellets im eigenen Haus sicher lagern

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Die VDI-Richtlinie 3464 wird mit Stand September 2022 überarbeitet -

Die Richtlinie beschreibt Maßnahmen zur Vermeidung oder Minderung von Emissionen bei Anlieferung und Lagerung von Holzpellets. Das Papier liegt im Entwurf vor und soll dazu beitragen, den Umgang mit Pellets sicherer zu machen. Gerade Privathaushalte haben oft nicht das Knowhow, um gefährliche Emissionen richtig einzuschätzen. Die Vorsorge beginnt schon bei der Auswahl von Produkten. Als wichtiges Kriterium für den Bezug hochwertiger Pellets gilt die Einhaltung der Klasse A1-Bewertung der DIN EN ISO 17225-2. Diese Norm spezifiziert Holzpellets für die Verwendung im gewerblichen und häuslichen Bereich. Die Klassen unterscheiden sich bereits in den Rohstoffen, die zur Herstellung verwendet werden dürfen. So kommen bei der hochwertigsten Klasse A1 ausschließlich Rundhölzer und chemisch unbehandelte Holzrückstände in der Produktion zum Einsatz.

Kohlenmonoxid ist geruchlos und unsichtbar

Sowohl bei der Lagerung von Holzpellets als auch von Holzhackschnitzeln kann sich das hochgiftige Kohlenmonoxid bilden. Grund dafür sind Autooxidationsprozesse bei bestimmten Holzbestandteilen, die im Rahmen der Herstellung durch Zerkleinern, Erwärmen und Trocknen des Holzes in Gang gesetzt werden. Aus den ungesättigten Fettsäuren entstehen neben Kohlenmonoxid (CO) geruchsintensive Aldehyde. CO ist besonders tückisch, da es farb- und geruchlos ist. Gefährdet sind nicht nur die Bewohner, sondern auch das Wartungspersonal von Heizungsanlagen. Deshalb dürfen Pellets- und Holzhackschnitzellager nicht luftdicht abgeschlossen sein. Es sollte eine kontinuierliche Be- und Entlüftung ins Freie erfolgen. Ein Luftkanal zu bewohnten Räumen aller Art sollte auf keinen Fall bestehen. Schließlich ist es wichtig, CO-Melder in Augenhöhe raummittig zu installieren. Diese sind bereits für fünfzig Euro erhältlich. Das Anbringen eines Warnschildes ist nicht ausreichend.

Die richtige Größe des Lagerraums wählen

Für die Errichtung eines Pelletlagers sind sowohl individuelle Konstruktionen als auch fertige Lösungen denkbar. Für den kostengünstigen Betrieb der Anlage sollte das Lagervolumen ausreichen, um den Jahresbedarf zu decken. Diese Kennzahl ist abhängig vom Wärmebedarf der Wohnung. Bei einem energetisch ungünstigen Gebäude mit einem Wärmebedarf von 30.000 Kilowattstunden beträgt der Jahresbedarf mindestens sechs Tonnen. Bei einem energetisch sanierten Gebäude kann man bereits mit zwei Tonnen Pellet pro Jahr auskommen. Zur Umrechnung von Gewicht zu Raumvolumen sind noch zwei weitere Faktoren wichtig. Die Schüttdichte gibt an, wieviel Kilogramm Pellets bei freier Schüttung in einen Kubikmeter Lagerraum passen. Die Kenngröße hängt von der Längenverteilung, dem Wassergehalt und der Rohdichte des Materials ab. Der Branchenverband DEPV (Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband) geht von einer Schüttdichte von 600 bis 750 kg/m3 für hochwertige Pellets aus. Somit würden für sechs Tonnen Pellets acht bis neun Kubikmeter Rauminhalt benötigt. Der Verband empfiehlt weiterhin, einen Sicherheitsfaktor von 1,2 einzuplanen. Somit sollte der Lagerraum bei einem Gewicht von sechs Tonnen mindestens zehn Kubikmeter betragen.

Pro und Kontra für die Verwendung von Pellets

Holz erfüllt seinen Zweck als erneuerbarer Energieträger, wenn der Rohstoff in absehbarer Zeit wieder nachwächst. Die in Deutschland verwendeten Holzpellets stammen größtenteils aus Säge-Abfälle. Sobald Bäume jedoch abgeholzt werden und keine kompensierende Neupflanzung erfolgt, ist Holz nicht mehr als erneuerbar einzustufen. Holzpellets haben gegenüber Scheitholz der verschiedensten Baumarten mit circa 5 kWh/kg einen um 0,5 bis 1 kWh/kg höheren Brennwert. Der Aufwand an Energie, der für die Bereitstellung von Holzpellets notwendig ist, fällt mit nur 2,7 Prozent im Vergleich mit Erdgas und Heizöl geringer aus. Das CO2-Äquivalent als Kennwert für den Treibhauseffekt fällt bei Pellets mit 0,58 Gramm je Kilowattstunde (g/kWh), verglichen mit den Emissionen von Heizöl mit 267 g/kWh und Erdgas mit 202 g/kWh, wesentlich günstiger aus.
Ein gravierender Nachteil sind die Emissionen von Staub. Bei der Verbrennung von Holzpellets entstehen mit Stand 2017 0,12 g/kWh Staub, während der Wert bei Heizöl oder Erdgas bei weniger als 0,01 g/kWh liegt. Der ermittelte Durchschnittswert von 0,12 g/kWh ist aber nur bei optimaler Verbrennung zu erreichen. Verbrennen die Pellets nur unvollständig, können die Staub-Emissionen weit höher sein. Dies ist üblicherweise dann der Fall, wenn der Heizkessel hoch- oder runterfährt.
Etwas unbehaglich könnte dem Anwender werden, wenn er an die fehlende Transparenz bei der Herkunft von Holzpellets denkt. Holz gilt nur dann als erneuerbar, wenn es durch Aufforstung wieder nachwachsen kann. Ansonsten fiele die CO2 Bilanz negativ aus. In den riesigen Waldgebieten Nord- und Osteuropas sowie in Nordamerika ist die Lage alles andere als transparent, so dass durch unkontrollierte Abholzung ein CO2-Defizit entstehen könnte.

Foto: Hargassner

Weitere Informationen

www.vdi.de/richtlinien/details/vdi-3464-blatt-1-emissionsminderung-lagerung-und-umschlag-von-holzpellets-beim-verbraucher-anforderungen-unter-umwelt-gesundheits-und-sicherheitsaspekten

enplus-pellets.de/p/Broschure-Lagerung-von-Holzpellets-ENplus-konforme-Lagersysteme-hienxHo3uXFMhgnQNTNyMc

www.holzpellets.net/pellet-qualitaet/

repos.hcu-hamburg.de/handle/hcu/160





 


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