Baubiologie und Oekologie

Gesundes Wohnen und Arbeiten


Bayreuth, 14.12.2025

 

Papierfischchen als moderne Plagegeister

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Die Krabbler wurden im Versandkarton mitgeliefert -

Ariane Holzner staunte nicht schlecht. Erst vorgestern hatte sie von ihrem Versandhändler eine Lieferung mit zwei Paar neuen Schuhen erhalten. Plötzlich krabbelten in ihrem Wohnzimmer kleine, silbergraue Tierchen am Boden entlang. Offensichtlich waren die Krabbeltiere in dem oben erwähnten Versandkarton mitgeliefert worden. Bisher kannte Ariane das Phänomen noch nicht. Deshalb war die junge Frau zunächst ratlos, was sie gegen die "Invasoren" tun sollte.

Lästige Krabbler, aber nicht gesundheitsschädlich

Die Krabbeltiere heißen Papierfischchen, mit lateinischem Namen Ctenolepisma longicaudata. Sie sind verwandt mit Silberfischchen, die besonders in feuchten Kellerräumen häufiger anzutreffen sind. Im Gegensatz zu ihren Verwandten sind Papierfischchen mit 1 bis 1,5 Zentimetern etwas größer und mögen eher eine warme und trockene Umgebung. Sie sind dämmerungs- und nachtaktiv und meiden das Licht. Ihre Nahrung besteht aus stärkehaltigen, zuckerhaltigen oder zellulosehaltigen Materialien, wie zum Beispiel Papier, Karton, Bucheinbänden, Tapeten, Textilien, aber auch Hautschuppen und Haaren. Die Krabbler können monatelang ohne Nahrung auskommen. Papierfischchen übertragen keine Krankheiten und befallen keine Lebensmittel direkt. Materialschäden sind durch Fraß an Papier, Pappe, Büchern, Tapeten, Dokumenten oder Fotos möglich. Problematisch kann ihr Vorkommen in Archiven oder Bibliotheken sein.

Unerwünschte Untermieter möchte niemand gerne haben

In Innenräumen können Papierfischchen bei hoher Population zur Verschlechterung der Luftqualität beitragen. Ihr Vorkommen kann als unhygienisch empfunden werden und Stress oder Ekel auslösen. In seltenen Fällen lösen Häutungsreste oder Kot bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen aus, ähnlich wie dies bei Hausstaubmilben der Fall ist. Zur Beseitigung ist professioneller Rat zu empfehlen. Bewährt haben sich sogenannte Klebefallen. Diese bestehen aus Pappstreifen mit einer Klebeschicht, die mit Lockstoffen, z. B. Stärke, Zucker, manchmal auch mit synthetischen Pheromonen versehen sind. Die Tiere werden angelockt und bleiben auf der Oberfläche kleben. Diese Fallen sollten mehrere Wochen liegen bleiben und an unauffälligen, warmen, dunklen Stellen platziert werden, beispielsweise hinter Regalen, unter Möbeln, in Kellern oder Archiven.

Chemische und professionelle Bekämpfung, wenn einfache Maßnahmen nicht ausreichen

Wenn ein deutlicher Befall besteht und einfache Maßnahmen nicht ausreichen, sollte eine fachkundige Schädlingsbekämpfung beauftragt werden. Bei professionellen Verfahren werden Insektizid-Gele oder Fraßköder eingesetzt. Diese enthalten Wirkstoffe z. B. Pyrethroide, Insektizid-Gele auf Silikatbasis oder Kieselgur, die in Spalten und entlang von Laufwegen ausgebracht werden Kieselgur (Diatomeenerde) ist ein natürliches Silikatpulver, welches die Wachsschicht der Insektenkörper zerstört und zur Austrocknung führt. Das Verfahren ist besonders für empfindliche Bereiche wie Bibliotheken geeignet. Bei Eigenanwendung von Sprays ist Vorsicht geboten. Handelsübliche Insektensprays wirken meist nur oberflächlich und erreichen die Tiere in Ritzen oder Hohlräumen kaum und sind daher selten nachhaltig. Nicht ganz ernst gemeint ist der Ratschlag, sich zur Bekämpfung von Papierfischchen einen Gecko anzuschaffen. Ein Gecko frisst zwar gelegentlich Insekten, also auch Papierfischchen. Dies ist aber keine kontrollierbare oder geeignete biologische Bekämpfungsmaßnahme, auch aus Sicht des Tierschutzes und aus hygienischen Gründen.

Vorbeugende Maßnahmen

Neu gelieferte Kartons sollten nicht im Wohnraum geöffnet werden, sondern besser im Freien oder im Keller. Das Verpackungsmaterial ist zeitnah zu entsorgen und sollte nicht in der Wohnung lagern - dies gilt generell für Papiervorräte. Die Wohnräume sollten regelmäßig gesaugt werden, besonders hinter Regalen und in Ritzen. Auch in Secondhand-Ware, in gebrauchten Möbeln oder in Lagerware können Papierfischchen in die Wohnung eingebracht werden. Deshalb wird empfohlen, alle Gegenstände, die ins Haus kommen, gründlich zu kontrollieren und gegebenenfalls zeitnah zu entsorgen.

Weitere Informationen

www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/120/Infoblatt_Papier-und_Silberfischchen.pdf

www.landesarchiv-bw.de/sixcms/media.php/120/Papierfischchen_Behoerdeninformation.pdf

afz.lvr.de/media/archive_im_rheinland/technisches/konservieren_und_restaurieren/integrated_pest_management__ipm_/12_Papierfischchen_Steckbrief.pdf

afz.lvr.de/media/archive_im_rheinland/afz_handreichungen/2023_Handreichung_IPM_AFZ_Bestandserhaltung.pdf

blog.archiv.ekir.de/2021/07/14/intergriertes-pestmanagement-zwischen-theorie-und-praxis

de.wikipedia.org/wiki/Papierfischchen






 


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