Baubiologie und Oekologie

Gesundes Wohnen und Arbeiten


Bayreuth, 21.05.2024

 

Ozonbehandlung der Raumluft als Wundermittel bei schlechten Gerüchen

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Hersteller versprechen schnelle Hilfe -

Eine Ozonbehandlung der Raumluft verspricht schnelle Abhilfe bei allen Arten von unangenehmen Gerüchen in der Wohnung. So kann es beispielsweise nach einem Schmorbrand, bei Schimmelwachstum oder im Falle einer Raucherwohnung beträchtlich stinken. In den Suchmaschinen finden sich zahlreiche Anbieter, die eine Problemlösung durch die Verwendung von Ozongeneratoren versprechen. Der nachfolgende Artikel untersucht Vor- und Nachteile der Ozonbehandlung, beleuchtet die chemischen Vorgänge und wertet Meinungen von Anwendern dieser Geräte aus. Das Thema scheint zu interessieren. Die Webseite von Baubiologie Regional kann auf hunderte Suchbegriffe verweisen, die mit dem Begriff "Ozonbehandlung" in Zusammenhang stehen.

Welche chemischen Prozesse finden bei der Luftreinigung mit Ozon statt

Beim Oxidieren mit Ozon finden chemische Reaktionen statt, bei denen Ozon (O₃) als Oxidationsmittel dient, um Elektronen von anderen Substanzen zu übernehmen. Dies führt in industriellen Prozessen zur Bildung von neuen Produkten oder im Bereich der Luftreinigung zum Abbau von Substanzen. Ozon ist ein besonders starkes Oxidationsmittel und kann effektiv organische Verbindungen, Geruchsmoleküle und einige anorganische Stoffe abbauen. Diese Verbindungen können natürlichen Ursprungs sein oder von menschlichen Aktivitäten stammen, wie z. B. Lösungsmittel, Benzol, Formaldehyd und andere flüchtige organische Verbindungen (VOCs). Die Oxidation dieser Verbindungen durch Ozon führt häufig zu einer Zerlegung in kleinere Moleküle, die weniger schädlich oder geruchsintensiv sind. Ozon kann auch wirksam Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Pilze abtöten. Dies erfolgt durch direkte Oxidation der Zellwände oder der äußeren Membranen, was zum Zelltod führt.

Einsatz von Ozongeräten im Wohnungsbereich

Ein Ozongenerator saugt Umgebungsluft an und leitet diese in das Gerät. Durch die Anwendung von elektrischen Entladungen (Koronaentladung) oder UV-Licht wird Sauerstoff (O2) in der Luft in Ozon umgewandelt. Bei der Koronaentladungsmethode werden die Sauerstoffmoleküle durch eine elektrische Entladung aufgebrochen, wodurch einzelne Sauerstoffatome freigesetzt werden, die sich dann mit anderen Sauerstoffmolekülen zu Ozon verbinden. Die UV-Licht-Methode verwendet eine spezifische Wellenlänge des UV-Lichts, die Sauerstoffmoleküle in einzelne Atome aufspaltet, die sich dann ebenfalls zu Ozon verbinden. Das erzeugte Ozon gelangt dann in den Raum oder in die zu behandelnde Umgebung und oxidiert dann die vorhandenen Substanzen. Nach der Oxidation zerfällt das Ozon schließlich wieder in Sauerstoff. Soweit die Theorie – welche praktischen Probleme auftreten können, lesen Sie weiter unten.

Richtlinien oder Normen für die Anwendung von Ozonierung in der Raumluft

In Deutschland gibt es spezifische Grenzwerte für die Konzentration von Ozon in der Luft, die vom Umweltbundesamt festgelegt werden. Für Ozon liegt der maximale 8-Stunden-Wert bei 120 Mikrogramm je Kubikmeter (µg/m³), welcher an höchstens 25 Tagen pro Jahr überschritten werden darf, mit der Empfehlung, dass Überschreitungen möglichst ganz vermieden werden sollten. Es gibt eine Informationsschwelle bei einem 1-Stunden-Mittelwert von 180 µg/m³ und einen Alarmwert bei 240 µg/m³. Bei der Verwendung von Ozongeneratoren in Innenräumen müssen diese Grenzwerte berücksichtigt werden, um sicherzustellen, dass die Ozonkonzentration nicht gesundheitsschädliche Werte erreicht. Im Bereich des Arbeitsschutzes wurden Schleimhautreizungen, Geruchsbelästigung und Lungenfunktionsveränderungen erst bei Konzentrationen von größer 400 µg/m³ festgestellt. Zur Sicherheit sollte die Ozonkonzentration in der Raumluft messtechnisch überprüft werden. Die auf dem Markt befindlichen Geräte nutzen elektrochemische Sensoren, um Ozonmoleküle in der Luft zu messen, wobei eine Änderung des elektrischen Stroms im Sensor ein Indikator für die Ozonkonzentration ist.

Welche schädlichen Wirkungen von Ozon auf die Gesundheit sind bekannt?

Ozon wird ausschließlich über die Schleimhäute des Atemtraktes (Mund, Nase und Rachen) sowie der Augen aufgenommen. Eine Resorption über die Haut ist unter praxisrelevanten Bedingungen augenscheinlich vernachlässigbar. Akute Hauptwirkungsweisen bei höheren Konzentrationen im Arbeitsprozess sind somit eine Reizung bzw. Schädigung der Schleimhäute der Augen und des Atemtraktes, Lungenfunktionsveränderung und eine Störung der körperlichen Leistungsfähigkeit. In hohen Konzentrationen können eine Lungenschädigung und eine Störung des Allgemeinbefindens in Form von Kopfschmerzen, Übelkeit oder Konzentrationsschwäche ausgelöst werden.

Wie lange dauert der Vorgang einer Ozonierung und wann kann man den Raum danach wieder benutzen?

Die Dauer einer Ozonbehandlung und die Zeit, die man warten sollte, bevor man den Raum wieder betritt, hängen von verschiedenen Faktoren ab, unter anderen der Dauer und Intensität der Ozonbehandlung, Raumgröße und Belüftung oder der ursprünglichen Verschmutzung. Die Herstellerangaben sind dringend zu beachten. In Privatwohnungen sind Ozonierungsvorgänge von 30 Minuten bis zu einer Stunde die Regel. Nach einer durchschnittlichen Ozonbehandlung wird empfohlen, mindestens 1 bis 2 Stunden zu warten, bevor der Raum wieder betreten werden kann. Anschließend sollte gründlich gelüftet werden, um eventuell verbliebenes Ozon zu entfernen. Das austretende Ozon darf auf keinen Fall eingeatmet werden, ebenso sollten Zimmerpflanzen und Lebensmittel aus den Räumen entfernt werden.

Welche praktischen Probleme können bei der Anwendung einer Ozongehandlung auftreten?

Das Ozongerät sollte zeitgesteuert arbeiten, damit die Anwender kein Ozon einatmen müssen. Gegebenenfalls kann eine externe Zeitschaltuhr vorgeschaltet werden. Die Dosierung sollte regelbar sein, um auf die Raumgröße zu reagieren. Probleme ergeben sich dann, wenn der Ozon-Geruch trotz permanentem Lüften über mehrere Tage im Raum verbleibt. Entweder kann es nach "Höhensonne" oder nach Chlor riechen. Immer wieder wird auch berichtet, dass schlechte Gerüche nach der Ozonierung wieder zurückkehren, beispielsweise in Raucherwohnungen oder im Auto. In einem anderen Fall stand zu lesen, dass sich der Ozongeruch in der Matratze und im Bettzeug festgesetzt hatte.

Welche Alternativen gibt es zu einer Ozonbehandlung?

Auf jeden Fall sind die Ursachen der Geruchsbelästigung zu ergründen. Falls es im Zimmer muffig riecht, könnten Bakterien oder Pilze die Ursache sein. Dann liegt im Raum ein Feuchteproblem vor. Auf keinen Fall sollten Schimmel und Bakterien vorsorglich bekämpft werden, ohne dass Warnsignale dafür vorhanden sind. Bei Raucherwohnungen müssen die Tapeten entsorgt werden und gegebenenfalls ist der Putz zu erneuen. Bei teerhaltigen Gerüchen sind oft alte Kleber die Ursache. In diesen Fällen sollte der Bodenbelag samt Kleber entfernt werden. In Fertighäusern der siebziger Jahre sind Chloranisole für den schlechten Geruch verantwortlich. Eine Ozonierung wäre nur kurzfristig wirksam, da die Chemikalien in der Bausubstanz immer wieder neue Gerüche produzieren. Falls keine Sanierung möglich ist, käme eine kontrollierte Be- und Entlüftung in Frage.

Weitere Informationen

gestis.dguv.de/data

www.vergleich.org/ozongenerator/

moclean24.de/wann-kann-ich-den-raum-wieder-betreten-nach-ozonreinigung

www.baubiologie-regional.de/news/sollten-innenraeume-mit-ozon-behandelt-werden-720.html






 


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