Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 25.05.2022

 

Immer mehr Funksender im Haus sorgen für Elektrosmog

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WLAN in Kaffeemaschinen und Bilderrahmen versteckt

Marlene Klein aus Höchstadt hat Lehramt studiert und ist nicht auf den Kopf gefallen. Dennoch überrascht es sie immer wieder, wieviel Funktechnik inzwischen in unscheinbaren Geräten des Haushalts verborgen ist. Kürzlich entdeckte Frau Klein in einem IKEA-Werbeprospekt einen Bilderrahmen mit integriertem WLAN-Lautsprecher. Die Motive der Front sind austauschbar und fallen auf der Kommode oder an der Wand nicht groß auf. Wer denkt bei diesem harmlosen Möbelstück schon an Hochfrequenzstrahlung? In einem Elektrofachmarkt ist Marlene Klein vor Weihnachten eine Kaffeemaschine mit WLAN angeboten worden. "Damit können Sie das Gerät vom Wohnzimmer aus in Gang setzen", erklärte ihr stolz der Verkäufer. Auch der Kochherd oder die Waschmaschine lassen sich bequem von der Ferne aus in Betrieb nehmen. Die Funktechnik macht es möglich. Die Bequemlichkeit hat aber ihren Preis. Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt generell, die Funkstrahlung zu minimieren, um mögliche gesundheitliche Risiken gering zu halten.

Fachberater gibt praktische Tipps im Umgang mit elektronischen Geräten

Michael Mumm aus Hamburg stellt immer wieder fest, wie wenig die Menschen über versteckte Sender wissen. In einem von Diagnose Funk organisierten Webinar am 14.1.22 gab der Fachberater für Elektrosmog einige wertvolle Tipps im Umgang mit funkenden Geräten. "Fragen Sie den Verkäufer, ob ein Funkmodul in diesem Haushaltsgerät enthalten ist oder informieren Sie sich vorab im Internet über das gewünschte Produkt", rät Mumm den Zuhörern. "Geräte mit Funkmodul gehören nicht in den Haushalt."

LAN-Kabel anstatt Funk verwenden

Der WLAN-Router neben dem Schreibtisch sorgt über mehrere Stunden für hochgradigen Elektrosmog. Michael Mumm ist dadurch selbst elektrosensibel geworden. Dabei wäre es leicht, den Laptop und den Router mit einem Netzwerkkabel zu verbinden. Die Kabellängen sind sehr variabel und lassen sich durch Verbindungsstücke noch verlängern. Jedoch ist die Strahlung durch diese Maßnahme noch nicht beseitigt, denn am Router und am Laptop muss die Funkverbindung jeweils getrennt abgeschaltet werden. Die Fritz-Box besitzt einen Knopf zum Abschalten. Falls diese Möglichkeit nicht gegeben ist, muss man die WLAN-Funktion des Routers über die Softwareeinstellungen deaktivieren, ebenso am PC oder Laptop.

"Gehen Sie davon aus, dass die WLAN-Funktion werksseitig aktiviert ist"

Wer ein modernes Gerät für den Haushalt kauft, sollte vorsorglich davon ausgehen, dass die WLAN-Funktion aktiviert ist, weiß Michael Mumm aus Erfahrung. Besonders bei Fernsehapparaten ist das WLAN-Modul bald Standard. Ein Blick in die Gebrauchsanweisung ist unerlässlich, um die Funktion für die Abschaltung ausfindig zu machen. "Normalerweise ist WLAN tot, wenn der Fernsehapparat von Strom getrennt ist", erklärt Michael Mumm. "Aber ich habe schon erlebt, dass das Gerät eine Pufferbatterie hatte und WLAN weiter aktiv war". Eher selten spielen Softwarefehler in elektronischen Geräten eine Rolle. Dennoch kann die Funkverbindung aufgrund einer fehlerhaften Einstellung noch aktiv sein. "Wer sicher gehen will, sollte sich ein einfaches Messgerät für Hochfrequenz zulegen und selbst messen", rät Michael Mumm.

Die Funktechnik schleicht sich in jedes Kinderzimmer

Kleine Kinder hören gerne Musik. Das ging bisher ganz gut mit Hilfe eines CD- oder MP3-Players. Moderne, aber hinsichtlich Elektrosmog unwissende Eltern lassen sich jetzt die "Toniebox" von der Werbung aufschwatzen. Der Baubiologe Dr. Martin H. Virnich beschreibt das Funktionsprinzip der Toniebox sehr anschaulich in seinem Fachartikel im Baubiologie-Magazin (siehe Link unten). Um den Service des Anbieters zu nutzen, braucht man eben dieses besondere Gerät in Form eines farbigen Würfels und dazu lustige Figuren. Jeder einzelne "Toni" gehört zu einem Lied aus der Cloud des Anbieters. Per Internetverbindung und WLAN wird der Song in das Kinderzimmer geholt. Zusätzlich zum WLAN-Sender nutzt die Konstruktion eine weitere Funktechnik, welche die Bezeichnung "Near Field Communication" (NFC) trägt. Der "Toni" und die Box kommunizieren über diese NFC- Schnittstelle. Dr. Virnich gibt in seinem Artikel auch einen wichtigen Tipp für baubiologische Messtechniker: die NFC-Schnittstelle nutzt die Frequenz von 13,56 MHz, welche mit einem üblichen Breitbandmessgerät nicht gemessen werden kann.

Weitere Informationen

Webinar Nr. 12: Die eigene Strahlenbelastung senken – praktische Tipps und Sofortmaßnahmen
baubiologie-magazin.de/tonies-wuerfelfunk-langfassung.pdf
ikea.com/de/de/search/products/?q=symfonisk%20im%20bilderrahmen




 


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