Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 24.07.2021

 

Elektrosmog im Auto messen

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- Die Diskussion um Elektrosmog in Kraftfahrzeugen nimmt durch den zunehmenden Einsatz von Elektroautos an Fahrt auf. Baubiologen beschäftigen sich schon weit länger mit dem Thema. Denn auch in benzin- oder dieselbetriebenen Fahrzeugen treten elektromagnetische Felder in unterschiedlicher Stärke auf. Der Verband Deutscher Baubiologen (VDB) lädt nun Mitglieder und andere Baubiologen dazu ein, an einem Forschungsprojekt mitzuarbeiten. Magnetische Wechselfelder sollen nach einem vorgegebenen Fahrplan im Ruhezustand und während einer kurzen Fahrt von rund zwanzig Minuten Dauer aufgezeichnet werden. Ziel ist es, vergleichbare Messdaten aus möglichst vielen unterschiedlichen Fahrzeugtypen zu gewinnen. Bei der Aufzeichnung sollen unterschiedliche Frequenzen von fünfzig Hertz (Hz) bis ein Megahertz (MHz) beleuchtet werden. Deshalb empfiehlt der VDB, für die Datenaufnahme das frequenzselektive Messgerät NFA-1000 von Gigahertz Solutions zu verwenden, welches von vielen Baubiologen auch zur Untersuchung von Schlafplätzen eingesetzt wird.

Musterformulare und ein Video beschreiben die Elektrosmogmessung

Dr. Dietrich Moldan hat die Projektleitung für den VDB übernommen. In einer exakt beschriebenen Handlungsanweisung hat Moldan vorgegeben, wie zu messen ist. Da ein Bild meistens mehr als Worte sagt, ergänzt ein kleines Video die schriftliche Vorgabe. Die Testfahrt von etwa drei Kilometern Länge sollte einmal bergauf und bergab gehen, eine Beschleunigung auf 100 Stundenkilometer enthalten sowie eine 180-Grad-Wendung. Zur Zuordnung der Messergebnisse braucht es während der Fahrt eine exakte zeitliche Mitschrift, die entweder ein Beifahrer durchführt oder der Fahrer selbst in ein Diktiergerät oder ein Schallaufnahmegerät spricht. Fremdeinwirkungen wie Hochspannungsleitungen oder Trafostationen sollten vermieden werden. Das Messgerät klemmt der Fahrer auf der Fahrtstrecke zwischen die Beine. Nach der Fahrt werden die magnetischen Wechselfelder zusätzlich im Leerlauf an allen vier Sitzgelegenheiten im Auto und an drei verschiedenen Körperpositionen gemessen. Der Baubiologe erfasst somit im Stand 12 Messwerte (Sitz, Lehne, Kopf jeweils auf dem Fahrer- und Beifahrersitz sowie links und rechts auf der Rückbank). Die detaillierte Handlungsanweisung findet sich auf der Webseite des VDB https://baubiologie.net/mwf-im-pkw/

Rund einhundert Komponenten sorgen für Elektrosmog im Auto

Vor dreißig Jahren musste man in einem PKW die Scheiben noch mit der Hand hochkurbeln, funktionierte die Handbremse und die Einstellung des Außenspiegels mechanisch und arbeitete der Blinker mit einem Blinkerrelais, welches im Sicherungskasten untergebracht war. In einem modernen Fahrzeug der Oberklasse sorgen etwa 100 Elektromotoren und Steuerungssysteme nicht nur für größtmöglichen Bedienungskomfort, sondern auch für zusätzlichen Elektrosmog. Sogenannte Bussysteme vernetzen die einzelnen elektronischen Komponenten. Aktueller Standard ist das Bussystem Controller-Area-Network, bekannt unter der Kurzbezeichnung CAN-Bus. Bei älteren Benzinern sorgt die Zündspule im Frontbereich für erhöhte magnetische Wechselfelder. Dieselfahrzeuge zeigen dieses Problem nicht. In modernen Autos ist ausrechnet der Blinker für kurzfristig erhöhte Elektrosmogwerte verantwortlich, da dieses Aggregat impulsförmig angesteuert werden. Sitzheizungen sorgen für extrem hohe Werte. Am besten verzichtet man auf diese Bequemlichkeit während der Fahrt. Die bisher untersuchten Elektrofahrzeuge zeigen im Frontbereich keine wesentlich erhöhten Werte gegenüber Fahrzeugen mit Ottomotoren (siehe Tagungsband EMF-Tagung 2017). Auf den Rücksitzen von Elektrofahrzeugen kommt es aber zu heftigen Ausschlägen, da sich unterhalb dieses Sitzbereichs die Batterien und meistens auch die Motoren angebracht sind. Die bisher stattgefunden Messungen aller Fahrzeugtypen zeigen an, dass im Bereich der Sitzfläche die höchsten Werte zu finden sind. Auf dem Weg vom Gesäß in Richtung Kopf nehmen die magnetischen Wechselfelder mehr oder weniger stark ab. Ein dreißig Jahre alter Mercedes zeigte bei der oben genannten Testreihe eine relativ geringe Elektrosmogbelastung an.
Bildquelle: Video VDB, siehe Link unten

Weitere Informationen

baubiologie.net/mwf-im-pkw/
baubiologie.net/publikationen/tagungsband-9-emv-tagung-2017/192/





 


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