Baubiologie und Oekologie

Gesundes Wohnen und Arbeiten


Bayreuth, 21.01.2026

 

Einen PCP-belasteten Dachstuhl gegenüber dem Wohnbereich abschotten

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Ein Haus aus den fünfziger Jahren ist mit Holzschutzmitteln belastet -

Kurt Fritz hatte von seinen Großeltern ein Wohnhaus aus den fünfziger Jahren geerbt. Aus Gesprächen mit ihnen wusste er, dass die Bretter im Dachstuhlbereich nachträglich mit einem Farbanstrich behandelt wurden. Vorsorglich ließ Kurt Fritz Materialproben im Labor analytisch auf Holzschutzmittel untersuchen. Das Laborergebnis hatte der junge Bauherr so nicht erwartet, denn in den Holzproben wurden 1000 Milligramm je Kubikmeter der Chemikalie Pentachlorphenol (PCP) gefunden. Eine Sanierung oder mindestens eine Abschottung des Dachstuhls zum Wohnraum war somit unumgänglich. Der folgende Maßnahmenkatalog zeigt einige Möglichkeiten auf.

Oberflächenkapselung durch Beschichtungsmaterial

Ziel ist es, den Kontakt von Luft mit der Holzoberfläche zu verhindern. In diesem Fall bringt man einen mehrschichtigen Sperr- bzw. Isolieranstrich auf. Dafür gibt es Spezialprodukte zur Sanierung belasteter Hölzer, z.B. Isoliergrund, Sperrfarben, 2K-Beschichtungen. Wichtig zu beachten ist dabei: die Produkte müssen diffusionshemmend sein und eine dicke, geschlossene Schicht bilden. Für PCP sollten nur Produkte verwendet werden, die explizit für schadstoffbelastete Hölzer geeignet sind.

Mechanische Kapselung der Oberflächen

Bei dieser Vorgehensweise bringt man Plattenmaterial auf den Balken an. OSB-, Gipsfaser- oder Gipskartonplatten werden auf Balken oder Brettern aufgeschraubt. Wichtig ist, die Fugen mit Acryl oder Fugenkleber abzudichten und die Schraubenlöcher zu verspachteln. Ebenfalls eignen sich luftdichte Folien als Dampfbremse bzw. Dampfsperre. Die Folien müssen korrekt verklebt werden und alle Stöße sind zu überlappen und mit Systemklebebändern abzudichten. Nicht zu vergessen sind die Anschlüsse an das Mauerwerk.

Was man auf keinen Fall tun sollte

"Normale" Farbe dichtet nicht genug ab und bringt deshalb keinen positiven Effekt. Ebenfalls sind lose Folien oder schlecht verklebte Dampfbremsen nicht geeignet. Auf jeden Fall ist Schleifen, Abbrennen oder Arbeiten mit Hochdruckreinigen zu vermeiden, da sich sonst das Holzschutzmittel in der Luft oder im Wasser verteilt. Besonders zu beachten sind Spalten zwischen Deckenbalken und Mauerwerk. Diese müssen vollständig geschlossen werden, sonst gelangt Raumluft durch Druckunterschiede in den Dachbereich und zurück.

Wichtige Hinweise zur Verwendung von Sperrlacken

Nicht alle Holzschutz- oder Grundiermittel sind grundsätzlich für PCP-belastetes Holz geeignet, denn viele Standardprodukte sind auf optischen Holzschutz oder Witterungsschutz ausgelegt, nicht auf Schadstoffkapselung. Der Hersteller eines "Absperrlacks" sollte idealerweise ausdrücklich angeben, dass sein Produkt für belastete Altlast-Hölzer (PCP, Lindan etc.) geeignet ist. Produkte aus dem Bereich "Sanierung kontaminierter Baustoffe" sind hier meist passender als herkömmliche Holzfarben. Sperrlacke selbst könnten wiederum Schadstoffe enthalten, welche die Raumluft belasten. Nach dem Aufbringen ist auf gutes Lüften der Räume zu achten. Sperrlacke sind auch nicht für "die Ewigkeit bestimmt". Der Anstrich sollte nach etwa zehn Jahren erneuert werden.

Weitere Informationen

www.fraunhofer.de/en/press/research-news/2024/january-2024/remediation-of-contaminated-wooden-structures.html

www.dibt.de/fileadmin/dibt-website/Dokumente/Referat/II4/PCP-Richtlinie.pdf





 


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