Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 25.05.2022

 

Der Fußbodenaufbau im Visier des Baubiologen

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So kommt man Wohngiften auf die Spur

Bei der Quellensuche von Schadstoffen in der Raumluft nimmt Oliver Zenkel immer erst den Fußboden ins Visier. Der Baubiologe greift auf mehrjährige Erfahrung zurück und liefert auch eine simple Begründung. Zwar haben Wände den größeren Flächenanteil an einer Wohnung, aber Fußböden sind in der Regel mehrschichtig aufgebaut und somit wesentlich anfälliger für Schadstoffeinträge in die Raumluft. Zenkel betrachtet den Fußboden als System, bei dem nicht nur das einzelne Material eine Rolle spielt, sondern auch das Zusammenspiel der Komponenten.

Jede Schicht im Fußboden kann Wohngifte enthalten

Der Bodenaufbau hängt von der Materialwahl und der Art des Estrichs ab. Der klassische Bodenaufbau sieht folgendermaßen aus: Auf die Rohbetondecke kommt eine Ausgleichschicht, die Wärmedämmung, eine Trennlage und der Estrich. Anschließend besteht die Wahl zwischen schwimmend verlegten Aufbauten, z.B. als Parkettboden oder verklebten Bodenbelägen. Jede einzelne Komponente könnte ein Problem darstellen. So wurden in den sechziger und siebziger Jahren teerhaltige Trennschichten unter dem Estrich verwendet, die jahrzehntelang PAK-haltige Substanzen abgeben können. Estrichbeschleuniger sorgen für kürzere Einbauzeiten, aber unter Umständen auch für VOC-haltige Lösemittel in der Raumluft. Ein eigenes Kapitel kann man den Klebern und letztlich den sichtbaren Oberbelägen widmen. Auch hier können Altlasten zum Problem werden. So enthalten Fliesen aus den sechziger Jahren möglicherweise asbesthaltige Kleber oder sogar die sehr giftigen polychlorierten Biphenyle (PCB).

Schritt für Schritt den Schadstoffen auf die Spur kommen

"Bei einer unbekannten Geruchsquelle gehe ich nach dem Ausschlussverfahren vor", erläutert Oliver Zenkel. Mit einer dampfdichten Folie und passenden Klebebändern dichtet er zunächst den Fußboden ab. Nach einigen Tagen bei geschlossenen Fenstern zeigt sich, ob der Geruch unter der Folienabdeckung deutlich hervortritt. Bei positivem Ergebnis folgt der nächste Schritt. Mit einem Kernbohrer wird ein kompletter Querschnitt des Bodens herausgenommen und im Labor auf Schadstoffe untersucht. Bis das Laborergebnis eintrifft, steckt der Baubiologe die einzelnen Schichten des Bohrkerns in getrennte Schraubgläser und erwärmt sie dann auf der Heizung. Nach 24 Stunden erfolgen erste Geruchproben. Materialproben und Laborergebnis zusammen liefern ein schlüssiges Ergebnis und geben den Fahrplan für die Sanierung vor. "Kommt bei der eingangs besprochenen Absperrmethode kein Befund zu Tage, dann untersuche ich im nächsten Schritt den Wandaufbau", erläutert der Baubiologe seinen Plan.

Weitere Informationen

Karzinogene, mutagene, reproduktionstoxische (CMR)und andere problematische Stoffe in Produkten




 


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