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Bayreuth, 24.10.2017

 

Weshalb diese Mobilfunkstudie aus den USA beunruhigt

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Weshalb diese Mobilfunkstudie aus den USA beunruhigt
12.06.2016 - Die Ergebnisse der Mobilfunkstudie mit Ratten sind für die Verantwortlichen der US-Regierungsabteilung National Toxicology Program (NTP) offensichtlich so brisant, dass sie Teilergebnisse sofort veröffentlichte. Grund für die Besorgnis sind zwei Tumorarten, die nur bei den befeldeten Versuchstieren auftraten: bösartige Gehirntumore (Gliome) und Schwannome des Herzens. Weiterhin stellten die Forscher ein vermehrtes Auftreten von Hyperplasien bei den Versuchstieren fest. Diese außerordentliche Erhöhung der Zellanzahl innerhalb eines Gewebes gilt als Krebsvorstufe. Entsprechend hoch war das Echo der internationalen Presse auf die Forschungsergebnisse. Jedoch schließen sich nicht alle Kommentatoren der NTP-Einschätzung an. Vielmehr kommt es zu den üblichen Verharmlosungen im Zusammenhang mit kritischen Mobilfunkstudien.

So gingen die Forscher vor

Neunzig Harlan-Ratten je Gruppe wurden in üblichen Käfigen gehalten und abwechselnd mit der Mobilfunktechnik GSM oder CDMA bei einer Frequenz von 900 MHz über insgesamt 18 Stunden pro Tag befeldet. GSM wird vorwiegend in Europa verwendet, CDMA in Amerika. Jeweils zehn Minuten war der Sender angeschaltet, anschließend zehn Minuten abgeschaltet. Der SAR-Wert variierte folgendermaßen: 1,5 W/kg, 3 W/kg oder 6 W/kg. Die Kontrollgruppe wurde nicht mit Funktechnik befeldet. Das Projekt verlief über einen Zeitraum von zwei Jahren, wobei die Ratten bereits im Mutterleib den Mobilfunkfeldern ausgesetzt wurden.

Statistisch auffällige Tumorerkrankungen

Bei den männlichen Ratten entwickelten 3,3% aller Versuchstiere einen bösartigen Gehirntumor (malignes Gliom) und zusätzlich 2% bis 3% eine Hyperplasie von Gehirnzellen (siehe Grafik unten).


Weibliche Ratten sprachen auf die Befeldung mit GSM-900 nicht an. Bei CDMA-Befeldung mit einem SAR-Wert von 1,5 W/kg entwickelten 2,2% der weiblichen Tiere ein malignes Gliom und 1% eine Hyperplasie.
Schwannome des Herzens entwickelten 2,2% der männlichen Raten sowohl bei GSM- als auch bei CDMA-Technik. Eine Schwannzellen-Hyperplasie zeigte sich bei 1% der männlichen Versuchstiere. Bei weiblichen Ratten ergaben sich statistische Auffälligkeiten nur bei der CDMA-Mobilfunktechnik.

Reaktionen auf die Ergebnisse der Studie

Offizielle Stellen der USA betitelten die NTP-Studie mit Bezeichnungen wie "gute Wissenschaft" oder "nachvollziehbarer Versuchsaufbau". Der Vorsitzende der amerikanischen Krebsgesellschaft ACS, Otis Brawley, sieht in den Studienergebnissen einen "Paradigmenwechsel im Zusammenhang zwischen Mobilfunkbefeldung und Tumorentstehung". Die Forscherin Fiorella Belpoggi vom Ramazzine Institut in Bologna verweist darauf, dass in die Diskussion nicht nur die Tumorzellen sondern auch die Hyperplasien einbezogen werden sollten. Dann wäre die prozentuale Auffälligkeit bei den Forschungsergebnissen noch größer.
Journalisten von nichtwissenschaftlichen Zeitungen sehen die Angelegenheit etwas lockerer. Unter der Headline "Handystrahlung könnte Tumore wachsen lassen" sieht "Die Welt" lediglich "einen schwachen Zusammenhang" zwischen Tumorentstehung und Handystrahlen. Gina Kolata, eine Wissenschaftsreporterin der "New York Times" hält gar nichts von den Studienergebnissen. Sie verweist darauf, dass sich die Krebsraten seit 1992 kaum nach oben entwickelt hätten, obwohl es inzwischen Milliarden von Mobiltelefonen gäbe.
Martin Schramm von der Wissenschaftsredaktion des Radiosenders Bayern2 empfahl als Konsequenz aus der US-Mobilfunkstudie die Anzahl der Basisstationen zu erhöhen, um die Sendeleistung des Handys am Kopf zu verringern. Diesen Vorschlag wiederum lehnen Mobilfunkkritiker ab. Denn die Mobilfunkantennen senden Tag und Nacht und belasten auch Menschen, die nicht mobil telefonieren wollen.

Links

Originalstudie: Report of Partial findings
Microwave News Kommentar und Hintergründe
"Die Welt" zur US-Regierungsstudie
Beitrag in IQ-Forschung und Wissenschaft