Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 25.09.2017

 

Was hat die Bürger 2013 auf die Palme gebracht?

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Was hat die Bürger 2013 auf die Palme gebracht?
30.12.2013 - Die Anzahl und Neugründungen von Bürgerinitiativen aller Art gelten als Indikator für Unmut in der Bevölkerung. Für die meisten Menschen sind Bürgerinitiativen Ausdruck von lebendiger Demokratie, für Kommunalpolitiker zuweilen ein Ärgernis. Betreiber von Anlagen oder Investoren wünschen sich umweltkritische Bürgerbewegungen regelmäßig zum Teufel. Welchen Trend konnte man 2013 in Deutschland erkennen? Dazu ist die Auswertung von Google-Alerts unter dem Stichwort "Bürgerinitiative" ein gutes Hilfsmittel.

Windkraftanlagen sind das neue Feindbild

Das Einläuten der Energiewende hat die Investoren von Windparks auf den Plan gebracht. Viele Bürger sehen das Durchdrücken der Windkraftpläne in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung und in sensiblen Naturschutzgebieten als sehr kritisch an. Kritiker bemängeln, dass es durch eine fehlgeleitete Windenergiepolitik zu einer Euphorie in vielen Gemeinden gekommen ist, die dazu führt, dass Windkraftanlagen, auf Biegen und Brechen auch an unwirtschaftlichen Standorten gebaut werden. Die Forderung lautet: der Ausbau der Windkraft soll sinnvoll mit dem Erhalt der dörflichen Struktur und der Gesundheit abgewogen werden. Windkraftgegner organisieren sich mittlerweile überregional: "Gegenwind" und "Windwahn" sind gängige Bezeichnungen für Gruppierungen der Windkraftgegner.

Proteste gegen Neuansiedlung von Massentierhaltungen

Wer bietet mehr? 100.000 Schweine? 150.000 Hühner? 250.000 Hähnchen? Das sind gängige Stückzahlen für die neuen "Agrarfabriken". Viele Betreiber sehen einen wirtschaftlichen Zwang hinter dem Vorhaben. Zitat in einer Tageszeitung: "Mit der Größe der Anlagen richten wir uns nach den Markterfordernissen. Der Verbraucher wünscht sich preiswertes Hähnchenfleisch. Nur ab einer bestimmten Größe kann dem Preisdruck des Lebensmitteleinzelhandels entsprochen werden ..." und schließlich das übliche Totschlagargument "… diese Region Deutschlands braucht dringend Arbeitsplätze". Die Menschen in unmittelbarer Nähe der Anlagen sehen dies anders: Geruchsbelästigung in der Anlage selbst und durch Ausbringung des Mistes auf die Felder, Verkehrslärm durch An- und Abfahrten von Transportfahrzeugen und last but not least tierschutzrechtliche Bedenken. Es wird bereits von den Bürgerinitiativen im Ansatz versucht, Druck auf die Genehmigungsbehörden auszuüben. Sofern man von dem Projekt rechtzeitig Kenntnis erhält …

Widerstand gegen Höchstspannungstrassen

Mittlerweile sind die Pläne für die Nord-Süd-Starkstromtrassen in allen deutschen Kommunen bekannt geworden. Mit den geplanten Gleichstromautobahnen soll die in der Nordsee erzeugte Energie in den Süden Deutschlands transportiert und dort weiter verteilt werden. Niemand will die Monstermasten mit einer Höhe von hundert Metern in der Kommune haben. Im Rahmen der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung wurde zwar festgelegt, dass Stromtrassen mit einer Spannung von größer 380 Kilovolt nicht über Wohnbebauung geleitet werden dürfen, eine konkrete Abstandsregelung ist in der Verordnung aber nicht enthalten. Kommunalvertreter und Bürgerinitiativen handeln deshalb nach dem Grundsatz: "Wer nicht protestiert, hat die Stromleitung als erstes am Hals".

Flug- und Eisenbahnlärm

Der Protest gegen die Belästigung von Verkehrslärm ist 2013 auf gleich hohem Niveau geblieben. Insbesondere im Mittelrheingebiet sind Bürgerinitiativen gegen den Bahnlärm weiter zusammengerückt. Zeitung und Fernsehen berichten regelmäßig. Rund ein Drittel der Bevölkerung klagt über Fluglärm – das zeigen repräsentative Umfragen des Umweltbundesamtes (UBA). Hochgradig belästigt fühlen sich fünf Millionen Bürgerinnen und Bürger. Die Klagen der Bevölkerung sind begründet, wie auch die neue UBA-Studie "Risikofaktor nächtlicher Fluglärm" von Prof. Greiser zeigt. Für Herz- und Kreislauferkrankungen ist nachgewiesen: Im Vergleich zu Personen, die keinem Fluglärm ausgesetzt sind, steigt das Erkrankungsrisiko betroffener Personen mit zunehmender Fluglärmbelastung. Dennoch ist der Lärmschutz kein Selbstläufer. Flughafenbetreiber sitzen der Politik mit Forderungen nach Ausweitung der Flugzeiten im Nacken und suchen ständig nach einer Ausweitung des Rollfeldes.

Sonstige Anlässe für Bürgerprotest

Neben den oben genannten Hauptthemen, gab es folgende Anlass zur Gründung von Bürgerinitiativen:
• Straßenlärm
• Fracking
• Pumpspeicher
• Atommüllentsorgung
• Abgase von Müllverbrennungsanlagen
• Digitaler Behördenfunk
• Diverse Bebauungspläne in den Kommunen
• Rechtsextremismus

Baubiologie Regional bietet interaktives Verzeichnis an

Baubiologie Regional führt seit kurzem ein Verzeichnis für Bürgerinitiativen. Dabei ist die Zuordnung nach Kategorien möglich, z.B. Strom, Windkraft, Mobilfunk. Weitere Suchbegriffe sind möglich. Die Webseite bietet eine weitere Auswahl nach Bundesländern. So kann der Benutzer selbst bei einem großen Datenbestand die Übersicht behalten. So erreicht man die Webseite der Bürgerinitiativen buergerinitiative_eintragen.php

Joachim Weise