Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 23.11.2017

 

Warum nicht ein Gründach ? Die Vorteile sind vielversprechend !

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Warum nicht ein Gründach ?  Die Vorteile sind vielversprechend !
16.03.2004 - Baubiologie Regional hat den Plauener Architekten Stephan Romahn zur fachgerechten Planung und Ausführung von Gründächern befragt. Für den Experten liegen die Vorteile der umweltgerechten "extensiven Dachbegrünung" auf der Hand:

Gründächer ...

· sind optisch ansprechend
· können das Kleinklima verbessern
· Schadstoffe und Stäube binden
· bieten sommerlichen Wärmeschutz
· verlängern die Lebensdauer der Dachabdichtung auf das Doppelte
· halten große Teile des Niederschlages zurück
· sparen damit unter Umständen Abwasser- und Versiegelungsgebühren
· bieten trockenverträglichen Pflanzen und Kleintieren neue Lebensräume
· helfen Elektrosmog von Mobilunksendern abzuschirmen
· sind besonders geeignet für Flach- und Pultdächer, aber auch Steildächer können begrünt werden

Lesen Sie nun die wichtigsten Hinweise zum Dachaufbau, zur Bepflanzung und zur Pflege:

Statik

Jedes Dach, das bekiest werden kann, ist von der statischen Belastbarkeit auch begrünbar. Mit leichten Sonderbauweisen sind Dächer ab einer Dachlast von ca. 40 kg begrünbar. Eine zusätzliche Belastung von 60 bis 120 kg/m2 (im wassergesättigten Zustand) ist jedoch besser.

Dachabdichtung

Die Dachabdichtung muß mit wurzelfesten Dachabdichtungsmaterialien abgedichtet werden. Dabei sollte Wert auf umweltverträgliche Materialien gelegt werden. PVC-Dachabdichtungen sollten aufgrund der Gehalte an umweltschädlichen Weichmachern und an Chloriden nicht verwendet werden.

Schutzlage

Die Dachabdichtung muss zum Schutz vor mechanischen Beschädigungen mit einer Schutzlage von min. 300g/m2 Flächengewicht geschützt werden. Bevorzugt sollten dickere synthetische Schutzvliese verwendet. Diese schützen preiswert besser und speichern zudem relativ viel Wasser. Schutzlagen müssen in mit ausreichender Überlappung von mind. 10, besser 20 cm verlegt werden.

Dränageschicht

Überschusswasser muss zügig und sicher abgeführt werden. Die Dränschicht sollte durchwurzelbar sein und möglichst viel pflanzenverfügbares Wasser speichern können. Geeignetes Material sind offenporige natürliche leichte Mineralsotffe wie Lava und Bims. Energieaufwendig künstlich geblähte Materialien wie Blähton und Blächschiefer sollten nur in Ausnahmefällen, bei denen es auf starke Gewichtsersparnis ankommt, eingebaut werden. Kies als Dränage ist schwer und speichert kaum Wasser. Strukturierte Schutzvliese können ebenfalls Funktion der Dränageschicht übernehmen und zusätzliches Wasser speichern.

Filterschicht

Die Filterschicht verhindert, dass Feinteile aus der Vegetationstragschicht in die Dränschicht und in die Entwässerungsleitungen ausgewaschen werden. Synthetische Filtervliese mit einer Stärke von 80-150 g/m2 erfüllen diese Aufgaben. Die Filtermatten müssen an den Stössen 10 bis 20 cm überlappen. Bei sogenannten Einschichtbegrünungen (dränagefähiges Einschichtsubstrat mit wenig organischen Anteilen, aber auch rel. geringer Wasserspeicherfähigkeit) entfällt die Filterschicht.

Vegetationstragschicht

Für die Vegetationstragschicht sind herkömmlicher Gartenboden und Blumenerden im Regelfall ungeeignet. Dachbegrünungssubstrate bestehen aus überwiegend mineralischen Schüttstoffen mit geringen Anteilen an organischer Substanz. Substrate auf Basis natürlicher Mineralien (z. B. Lava und Bims) mit möglichst hoher Wasseerspeicherfähigkeit sind aus ökologischen Gründen anderen Materialien vorzuziehen. Als organischer Anteil soll keinesfalls Torf, sondern Kompost oder Rindenhumus beigefügt sein. haben sich Mineralstoffe aus Lava 0-8 mm bzw. gebrochener Blähton 0-8 mm mit einem Zusatz von 10 bis 20% Einheitserde.

Vegetation

Die Vegetation auf extensiv begrünten Dächern besteht aus "Durst- und Hungerkünstlern", die an die extremen Verhältnisse auf dem Dach angepasst sind. Die Art der Vegetation hängt von der Schichtdicke der Dachbegrünung, der Güte des Substrates und damit letztendlich vom Wasserdargebot ab. Je dicker die Schichtdicke, desto anspruchsvollere Pflanzen können etabliert werden. Faustregeln: Moos-Sedum-Begrünungen 6-8 cm, Sedum-Moos-Kraut-Begrünungen 8-10 cm, Sedum-Gras-kraut-Begrünungen 10-15 cm, Gras-Kraut-Begrünungen (Trockenrasen, "Grasdächer") ab 15 cm.

Vegetationsansiedlung

Die Vegetation kann durch Samen, durch Ansaat von Sedumsprossen, durch Pflanzung von in Mineralsubstrat vorkultivierten Stauden oder durch Verlegung vorkultivierter Vegetationsmatten angesiedelt werden. Letztendlich ist dies eine Frage des Geldbeutels und der Zeit: Ansaaten sind billig, brauchen aber bis zu 2-3 Vegetationsperioden Zeit zum einwachsen. Pflanzung ist teurer und Vegetationsmatten sind die teuerste, aber auch "direkt fertige" Variante. Bei Schrägdächern sind Vegetationsmatten wegen dem sofortigen Erosionschutz und der Lagesicherheit erste Wahl.

Pflege

Bis die Vegetation eingewachsen ist, ist in trockenen Zeiten evtl. Beregung empfehlenswert. Zuviel des Guten verweichlicht die Pflanzen. Danach ist nur ab und an bei Nährstoffmangel – die Sedumpflanzen zeigen diesen bei guter Wasserversorgung ducht rote Blattfärbung an – die vorsichtige Düngung mit nachhaltigen Düngern nötig. Ein- bis zweimal im Jahr muss Gehölzanflug ausgerissen und die Funktionsfähigkeit der Entwässerung geprüft werden.

Sagen Sie uns nun Ihre Meinung im Forum von Baubiologie Regional. Wir freuen uns auf eine lebhafte Diskussion.

Joachim Weise, Baubiologe (IBN)