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Bayreuth, 19.11.2017

 

Viel Handy - wenig Entscheidung

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Viel Handy - wenig Entscheidung
23.07.2006 - Handys können nach Auffassung von Fachleuten das Sozial- und Lernverhalten von Kindern und Jugendlichen empfindlich beeinträchtigen. Immer mehr junge Leute greifen wegen banalster Dinge zum mobilen Telefon.

Viele Jugendliche bemühten sich nicht mehr, Abmachungen einzuhalten, sagte die Biologin, Autorin und Dozentin Heike-Solweig Bleuel (Tübingen) jetzt auf einer Informationsveranstaltung der Grünen im Bayerischen Landtag am 7.7.06.

Die Beliebigkeit wachse, weil das Handy jederzeit das Verschieben, Abändern und Abblasen von Vereinbarungen ermögliche.

Die Handy-Kultur führe auch dazu, dass Entscheidungen immer mehr Jugendlichen schwer fielen, so Bleuel. „Hilfe, wenn ich mich nicht entscheiden kann“ ist der Dozentin zufolge einer der wichtigsten Gründe, die Jugendliche für Besitz und Gebrauch eines Handys nennen.
Mit einem Anruf bei Freunden und Eltern werde nicht selten Hilfe für die banalsten Entscheidungen eingeholt, etwa „ob man Kartoffeln oder Nudel essen soll“. Das Erlernen von Entscheidungen aber sei für die Entwicklung des Selbstbewusstseins von Jugendlichen von großer Bedeutung.

Der Hauptschullehrer und Umweltfachberater Hans Schütz (Peiting) unterstützte diese Beobachtungen. Der Handy-Gebrauch lasse Zuverlässigkeit und Entscheidungsfreundigkeit unter Jugendlichen spürbar sinken. In der Schule hätten die Mobiltelefone zur Folge, dass deren Nutzer nicht wirklich bei der Sache seien. An Schulen, in denen ein striktes-Handy-Verbot herrsche, spielten und redeten die Kinder wieder miteinander, so Schütz.

Inzwischen besitzen nach Studien der Münchener Marketing- und Kommunikationsforschungseinrichtung „Synovate Kids + Teens“ (früher „Institut für Jugendforschung“) bereits 37 Prozent der Neun- und Zehnjährigen ein eigenes Handy. In der Altersgruppe der 13- und 14-Jährigen steige dieser Anteil auf knapp 90 Prozent, sagte Geschäftsführerin Karin Fries.

Sie widersprach der These, dass Handy die „Schuldenfalle Nummer eins“ bei Kindern und Jugendlichen seien. Nur 14 Prozent der Zehn- bis 17-Jährigen geben nach den Erkenntnissen des Instituts mehr aus als sie über Taschengeld einnehmen. Bei den Gründen für die Verschuldung stünden Aufwendungen für das Handy nach Fast Food, Ausgehen, Kleidung, Computer-Software und anderem erst an achter Stelle.

Besonders hoch ist nach den Erkenntnissen von Heike-Solweig Bleuel die Handy-Dichte in Hauptschulen. Hier liege sie nach eigenen Recherchen in den höheren Klassen bei 106 Prozent, da etliche Schüler über mehrere Mobiltelefone verfügten. Es komme immer wieder vor, dass ihr von einem einzigen Schüler bis zu zehn Handys vorgelegt würde, berichtete Bleuel.

Die Messung der elektromagnetischen Feldstärke in einem Klassenzimmer habe ergeben, dass sich diese versiebenfache, wenn die in den Taschen der Schüler vorhandenen Mobiltelefone lediglich auf „Stand by“ geschaltet würden.

Der emiritierte Berliner Medizin-Professor und Schlafforscher Karl Hecht forderte aus gesundheitlichen Gründen ein generelles Handy-Verbot für Kinder an Schulen und Kindergärten. Auch sonst sollten Handy-Telefonate so kurz wie möglich sein. Anwohner von Mobilfunk-Sendeanlagen sollten einmal im Jahr auf Kosten der Mobilfunkbetreiber untersucht werden.

Quelle: Frankenpost Hof, 10.7.06, Ralf Müller