Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 14.11.2018

 

Schutz vor Elektrosmog durch abgeschirmte Kabel, Netzabkoppler oder Flächenabschirmung

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Schutz vor Elektrosmog durch abgeschirmte Kabel, Netzabkoppler oder Flächenabschirmung
21.02.2014 - Künstlich erzeugte elektrische Felder treten in jeden Haus auf. Verursacher ist die Netzspannung, die die in Stromleitungen und elektrischen Geräten anliegt, auch wenn das angeschlossene Gerät nicht in Betrieb ist. Die Netzspannung beträgt in Privathäusern 230 Volt, in Mittelspannungsanlagen 20 Kilovolt (kV) und in Hochspannungsanlagen 110, 220 oder 380 kV. Elektrische Felder können unsere Gesundheit beeinträchtigen. Sie sind deshalb so weit wie möglich zu reduzieren. Welche Schutzmaßnahmen der private Bauherr ergreift, hängt vom Status des Hauses ab: Altbau, Neubau, Mehrfamilienhaus, Vermietung oder Eigennutzung.

Feldreduzierung im Neubau

Hier stehen alle Möglichkeiten offen. Empfehlenswert ist die Verwendung von abgeschirmten Kabeln und geschirmten Schalterdosen. Das Prinzip der Feldreduzierung beruht auf der Umhüllung der dreiadrigen Kabel mit einer leitfähigen Aluminiumfolie und der Mitführung eines zusätzlichen Drahtes, welcher mit der Aluminiumfolie in Kontakt steht. Der Beidraht und der Schutzleiter werden im Schaltkasten zusammengeführt und an den Erdpotentialausgleich angeschlossen. Geschirmte Steckdosen sind besonders in Ruhezonen des Hauses zu empfehlen, z.B. im Schlaf- und Kinderzimmer oder an der Leseecke im Wohnzimmer. In Holzhäusern sollten die Steckdosen lückenlos in das Abschirmkonzept einbezogen werden. Es wird empfohlen, den Schaltkasten ebenfalls zu erden. Die Mehrkosten sind grob mit 3.000 EUR für ein Einfamilienhaus mit 130 m2 Wohnfläche zu veranschlagen.

Feldreduzierung in bestehenden Wohnungen

Die Qualität der Elektroinstallation kann je nach Baujahr des Hauses sehr unterschiedlich sein. Bis Ende 1980 wurden noch Stegleitungen verwendet. Durch die breitadrige Anordnung der Leitungen wurden hohe Feldstärken erzeugt, welche sich über Wände und Decken auch in andere Stockwerke übertrugen. Auch nicht abgeschirmte Standardkabel erzeugen elektrische Felder im oberen Stockwerk, wenn sie direkt in der Decke verlegt wurden. Im Idealfall ist ein Austausch veralteter Leitungen durch abgeschirmte Kabel möglich, wenn die Leitungsschächte einfach zugänglich sind. Andernfalls bleibt für die Bewohner nur die Abschaltung einzelner Stromkreise während der Nachtruhe. Dies kann manuell geschehen, indem der jeweilige Sicherungsschalter umgelegt wird oder eleganter, durch den Einbau von Netzabkopplern, umgangssprachlich Netzfreischalter genannt. Wenn der Netzfreischalter funktionieren soll, darf kein Stromverbraucher aktiv am Stromkreis sein.

Netzabschaltung klappt nicht immer optimal

Der Einsatz von Netzabkopplern kann im Zusammenleben der Bewohner Probleme mit sich bringen. Beispiel: aus der Wohnung im Untergeschoss wird ein elektrisches Feld in das Kinderzimmer im Obergeschoss übertragen. Die Kinder gehen um 19 Uhr zu Bett, die Erwachsenen im Untergeschoss erst um 24 Uhr. Dann sind die Kinder trotz Netzfreischalter während der Hälfte der Nachtruhe dem elektrischen Feld ausgesetzt.

Erst messen, dann Stromkreise abschalten

Wie oben erwähnt, kann ein elektrisches Feld aus benachbarten Zimmern oder Stockwerken übertragen werden. Es genügt dann nicht, nur den Stromkreis des eigentlichen Schlafraumes abzuschalten. Es sind weitere Feldbelastungen zu ermitteln. Dies kann nur einwandfrei durch die Anwendung einer potentialfreien dreidimensionalen Feldstärkemessung erfolgen. Die meisten Elektriker haben diese Ausrüstung nicht. Deshalb ist ein baubiologischer Messtechniker hinzuziehen. Zusammen mit den Hausbewohnern kann dann Stromkreis für Stromkreis durchgemessen werden.

Flächenabschirmungen, wenn das Feld aus der Nachbarwohnung kommt

Kommt der Einbau von Netzabkopplern aus Zwängen des Zusammenlebens nicht in Frage oder entsteht das Feld in der Nachbarwohnung, dann besteht die Möglichkeit, Wände oder Fußböden gezielt großflächig abzuschirmen. Geeignetes Material kann mittlerweile von mehreren Anbietern in Deutschland bezogen werden. Es kommen z.B. Farben für die Wandabschirmung oder Vliese und Kupfergewebe für Böden und Decken infrage. Vor Anbringung der Abschirmung muss geprüft werden, ob die Erdung des Materials praktisch durchführbar ist. Der Elektriker ist gefordert, eine Verbindung vom Abschirmmaterial zum Erdpotential herzustellen. Die Abschirmmaßnahme ist vorher und nachher durch den Baubiologen messtechnisch zu begleiten.

Baubiologische Richtwerte für niederfrequente elektrische Wechselfelder

Für die Beurteilung der potenzialfrei gemessenen Feldstärke gelten folgende Richtwerte mit der Maßeinheit Volt je Meter (V/m):
< 0,3 nicht auffällig,
0,3 - 1,5 schwach auffällig,
1,5 - 10 stark auffällig,
> 10 extrem auffällig
In der Messpraxis von Baubiologen sind Feldstärken von größer 10 Volt/Meter keine Seltenheit. Dann gilt es, intensiv nach Reduzierungsmöglichkeiten zu suchen.

Allgemeine Tipps zur Feldreduzierung

Unabhängig von der Art der Installation und dem Einsatz von Netzabkopplern können im Alltag einige Möglichkeiten genutzt werden, um niederfrequente Felder zu vermeiden:
• Herausziehen von Steckern elektrischer Geräte aus der Steckdose
• Benutzen von Schalterleisten oder Zwischensteckern
• Abstand halten von Radioweckern und Ladestationen
• Abstand halten von Nachttisch- und Schreibtischlampen
• Verwendung einer externen Tastatur bei der Arbeit am Laptop

Mehr Informationen:

Martin Schauer: Feldreduzierung in Gebäuden, Stand 2013, ISBN 978-3-8101-0315-4
http://cloud.danell.de/3.%20H%C3%A4ufige%20Fragen/

Fotoquelle: http://cloud.danell.de/2.%20Produktbilder/2.1%20Installationskabel/






 


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