Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 23.10.2017

 

Schlechte Luft in kleinen Räumen

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Schlechte Luft in kleinen Räumen
19.01.2017 - In kleinen Zimmern konzentrieren sich verhältnismäßig mehr Schadstoffe als in großen Räumen. Bei der Hausplanung sollten Schlafräume und Kinderzimmer deshalb eine Mindestgröße aufweisen, um genug Raumvolumen zu schaffen. Besonders kritisch wird die Luftqualität, wenn die Bewohner das Schlafzimmer mit Billigmöbeln und sonstigem Krimskrams vollstellen. Formaldehyd und Lösemittel reichern sich stark an und erreichen während der Nachtruhe kritische Werte. In den Großstädten sorgen Abgase und Feinstaub für schlechte Luftqualität von außen. Wie oft und wie lange soll dann gelüftet werden? Ein Bericht aus China bringt das Dilemma mit dem Raumklima auf den Punkt. Dort fürchten sich junge Familien besonders vor der Ausgasung von Formaldehyd. Die Angst vor Leukämie bei Kindern aufgrund von Innenraumschadstoffen macht die Runde.

Wenig Fläche und üppige Ausstattung

Chinesen sind es von ihrer Entwicklungsgeschichte gewohnt, mit kleineren Wohnflächen auszukommen. Kleine Wohnungen sind in den Großstädten deshalb auch Standard in China. Wie ecns.cn berichtet, lieben Chinesen aber auch eine üppige Ausstattung. Aus Kostengründen werden wie in Europa anstatt Vollholzmöbel Billigartikel aus Spanplatten oder Hartfaserplatten angeschafft. Und so kommt eins zum anderen: vollgepackte Zimmer in Kombination mit einer geringen Raumgröße sorgen für "dicke" Luft. Formaldehydfreie Möbel gelten auch in China noch als Ausnahme.

Formaldehyd als wahrscheinlich krebserregend eingestuft

Auch Familien in China wissen über die Risikoeinstufung von Formaldehyd Bescheid. Seit 1.1.2016 führt die internationale Krebsagentur (IARC) Formaldehyd in der Gruppe "1B". Dies bedeutet: wahrscheinlich krebserregend. Zudem sorgt in China eine Untersuchung für Unruhe, bei der Ärzte ein viermal höheres Leukämierisiko bei Kindern festgestellt hätten, die in frisch renovierten Räumen aufgewachsen sind. Aufsehen erregte auch die Verurteilung eines Möbelherstellers aus dem Osten Chinas zur Zahlung von Schadensersatz an eine Familie, deren Tochter an Leukämie erkrankt war.
Offiziellen Stellen scheint die Situation bekannt: sie warnen einerseits vor Panikmache, anderseits fordern sie die Bewohner zu einer sparsameren Wohnungseinrichtung auf und raten zu häufigen Luftwechseln. Die Behörden wollen aber auch betrügerischen Möbelherstellern an den Kragen, wenn diese nicht die Vorgaben für die Verwendung von Formaldehyd einhalten.

Trittbrettfahrer bieten fadscheinige Lösungen an

Die Hysterie vor Schadstoffen zieht Scharlatane in Massen an. Versprochen werden entweder billige Messgeräte zur Raumluftanalyse oder Methoden zur Luftreinigung. Es hat sich ein regelrechtes Geschäft von Haustür zur Haustür entwickelt. Firmen klingeln und bieten ihre Dienste an. Hoch im Kurs stehen bei jungen Familien besonders Luftreiniger und Luftventilatoren. In diesem Segment finden sich interessante Parallelen zu amerikanischen Familien. Auch dort boomt das Geschäft mit Luftreinigern. Gerne gekauft werden auch schadstoffabsorbierende Holzkohlestoffe und Unmengen von Zimmerpflanzen, um die Raumluft zu verbessern. Sehr wahrscheinlich wird die zunehmende Luftverschmutzung von außen das Geschäft mit den Heilsbringern für eine gesunde Innenraumluft noch weiter antreiben.

Links

ECNS: Untersuchung zu Formaldehyd in renovierten Wohnungen
Allum: Gesundheitsrisiken Formaldehyd
DGUV: Formaldehyd in der Arbeitswelt
Bildquelle: shutterstock.com / ID:473971648