Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 19.11.2017

 

Schimmelpilze im Wohnbereich - Tagung der TU München am 26.6.02

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10.03.2002 - Die Projektgruppe "Umwelt und Gesundheit" des Instituts für Toxikologie und Umwelthygiene brachte in München Experten verschiedener Disziplinen zusammen, um dem sehr komplexen Thema der "Schimmelpilze im Wohnbereich" zu begegnen.

Es wurden dabei neben der medizinischen Seite bauphysikalische, mess- und bewertungstechnische sowie wohnrechtliche Probleme erörtert.

Am Ende der Tagung mit insgesamt neun Referaten und anschliessender Diskussion konnte folgendes Fazit gezogen werden:

· Die Beschwerden sind in den meisten Fällen äußerst diffus: Atemnot, Gedächtnisstörungen, Müdigkeit, allergische Reaktionen, Bronchitis, Lungenerkrankungen.

· Folgende Risikogruppen sind besonders gefährdet: Kinder, Transplantierte, Menschen mit Immunschwäche, alte Menschen.

· Schimmelpilze können andere Allergien verstärken.

· Schimmelpilze in der Wohnung sind in erster Linie auf Baufeuchte zurückzuführen: Neubaufeuchte plus dichte Fenster, Wärmebrücken, schlechte Kellerisolierung, unzureichendes Lüften.

· Schimmelpilze brauchen optimale Wachstumsbedingungen: neben einem geeigneteten Nährboden ist eine relative Raumluftfeuchte von größer 75 % und einer bestimmten Raumtemperatur notwendig. Bauphysiker des Fraunhofer Instituts untersuchten mit sog. Isoplethensystemen die Koordinaten von Luftfeuche und Temperatur um die optimalen Wachstumsbedingungen herauszufinden.

· Aufgrund von rund 100.000 Schimmelpilzarten sind die folgenden Mess- und Analysemethoden mit grossen Unsicherheiten behaftet: Klebefilmabriss-Präparate, Abklatschverfahren, Material-, Staub- und Luftproben, Petrischalen, Direkte Filtration.

· Für Gerichtsgutachten werden genormte Messverfahren und anerkannte Richtwerte benötigt.

· Sichtbarer Schimmelpilzbefall sollte immer entfernt werden. Neben klassische Haushaltsreiniger eignet sich 80%iger Alkohol. Die Verwendung von Essigprodukten führt eher zu einer Verschlechterung. Bei allen Sanierungsaktivitäten sind Schutzmassnahmen zu beachten (Augen-, Mund- und Handschutz).

Eine ausgezeichnete Broschüre zum Thema "Schimmelpilze in Innenräumen - Nachweis, Bewertung, Qualitätsmanagement" wird vom Landesgesundheitsamt Stuttgart im Internet veröffentlicht und steht unter www.landesgesundheitsamt.de zum Download bereit.

Herrn Prof. Mücke vom Institut für Toxikologie und Umwelthygiene sei für die optimale Organisation der Veranstaltung gedankt.

Joachim Weise, Baubiologe (IBN)


http://www.gesundheitsamt-bw.de/oegd/Seiten/startseite.aspx