Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 14.12.2017

 

Renommierter Umweltmediziner beklagt Behinderungen bei der Erforschung von Mobilfunkstrahlung

Share on Facebook Share on Twitter Share on Google+
25.03.2006 - "Erkenntnisse zu Langzeiteffekten über zehn Jahre verzögert"

Rainer Frentzel-Beyme, Umweltmediziner an der Universität Bremen, beklagt eine enge Verbindung zwischen Mobilfunkkonzernen und dem Staat. Eine unabhängige Erforschung der Wirkung von Funkstrahlung sei daher nur schwer möglich und würde seit über zehn Jahren verzögert. "Die staatlichen Stellen sind derartig mit den Betreibern verbunden, dass ich da nicht genau trennen kann", sagte Frentzel-Beyme im Interview mit de.internet.com.

So sei der Experte zwar zu verschiedenen Anhörungen bei Landtagen und auch im Bundestag eingeladen worden, diese hätten aber eher eine Ventilfunktion erfüllt. Konsequenzen wie die Einrichtung eines Moratoriums für die Aufstellung neuer Antennen, wie es in der Schweiz, Frankreich und Spanien der Fall war, oder eine ernsthafte Förderung der Forschung habe es in Deutschland nicht gegeben, so der Professor.

Derzeit arbeitet der Wissenschaftler an einer Studie zur Wirkung der elektromagnetischen Strahlung auf Kinder. Die Durchführung eines solchen Projektes sei zuvor verzögert worden. "Nachdem einschlägige Anträge vorlagen, wurde zunächst behauptet, das Thema hätte aufgrund einer Umfrage bei Wissenschaftlern keine Priorität", sagte Frentzel-Beyme.

Dann sei eine Studie an Autoren vergeben worden, die bereits Publikationen zugunsten der Mobilfunkbetreiber verfasst hatten. "Das lässt Fragen offen, wie unabhängig die Forschung sein kann, wenn sich eine eindeutige Selektion lässt", sagte er weiter.

"Echte Unabhängigkeit erfordert ohnehin, dass staatliche Forschungsförderung völlig unabhängig von Mitteln aus der Industrie erfolgt. Da das Mobilfunkforschungsprogramm zur Hälfte durch die Betreiber der Technik finanziert wird und diese nachweislich bei der Vergabe von Studienförderung Einspruch erheben können, sind die Weichen schon vor ernsthaften objektiven Ansätzen gestellt", sagte Frentzel-Beyme.

Das zeigt sich bereits seit Anfang der 90er Jahre. "Mein erster Antrag an die Betreiber, im Deutschen Krebsforschungszentrum eine 10-prozentige Stichprobe der 800.000 C-Netzbenutzer mit D-Netzbenutzern mittels einer epidemiologischen Studie vergleichend zu untersuchen, wurde durch die Firma Mannesmann und später auch durch die Forschungsgemeinschaft Funk abgelehnt", sagte er.

Auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) habe sich nicht in der Lage gesehen, die 1993 konzipierte Studie zu fördern. "Damit wurden Erkenntnisse zu Langzeiteffekten über zehn Jahre verzögert", beklagte der Wissenschaftler.

Als 2002 ein Mobilfunkmast im Ortskern von Flachsmeer (Friesland) aufgestellt wurde, erhoffte sich der Umweltmediziner Erkenntnisse über Schlafstörungen bei der dort ansässigen Bevölkerung. Mannesmann (heute Vodafone) habe sich aber geweigert, die Anlage gemäß einer Versuchsplanung abzuschalten, erklärt der Experte.

Trotz anfänglicher Zusage war demnach auch die Deutsche Telekom später nicht mehr bereit, die Studie zu unterstützen. "Die Telekom zeigte sich erst an der methodisch einwandfrei geplanten Untersuchung interessiert, musste dann aber wohl auch zurückstecken und zog die auf einer Bürgerversammlung gegebenen Förderungsangebote wieder zurück", so der Experte. (ck/as)

Copyright 2006 Jupitermedia Corporation. All Rights Reserved.
http://de.internet.com/index.php?id=2042126§ion=Topstories
Quelle: Newsletter Omega