Baubiologie und Oekologie

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Bayreuth, 25.09.2017

 

Radon nicht nur in Risikogebieten möglich

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Radon nicht nur in Risikogebieten möglich
27.05.2016 - Die Radonkarte des Bundesamts für Strahlenschutz zeigt die Risikogebiete innerhalb Deutschlands an. In braun eingezeichneten Gebieten ist mit Bodenwerten von 100.000 Becquerel je Kubikmeter (Bg/m3) und mehr zu rechnen. In dunkelgelb markierten Bereichen sind Bodenwerte zwischen 40.000 und 100.000 Bg/m3 zu erwarten. Das Erzgebirge und das Fichtelgebirge zählen zu den stark belasteten Gegenden. Wer in diesen Regionen einen Neubau plant oder eine gebrauchte Immobilie erwirbt, sollte in Bezug auf Radongas wachsam sein. Aber wie eine interne Statistik von Umweltmesstechnik Bayreuth zeigt, sind auffällige Werte auch in Gebieten möglich, die laut Radonkarte geringer belastet sind.

Radongas gilt als Gesundheitsrisiko

Radon und seine Zerfallsprodukte werden vom Menschen mit der Atemluft aufgenommen. Während das Edelgas zum größten Teil wieder ausgeatmet wird, lagern sich seine Zerfallsprodukte im Atemtrakt an. Eine Reihe internationaler Studien untersuchte den Zusammenhang zwischen einer langjährigen Belastung durch Radon in Wohnungen und dem Auftreten von Lungenkrebs. Die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK) kommt auf dieser Grundlage zu folgender Bewertung: Die Studienergebnisse in Europa und Nordamerika zeigen einen klaren Anstieg des Lungenkrebsrisikos mit steigender Radonkonzentration. Eine signifikante Risikoerhöhung zeigt sich bei einem Konzentrationsintervall von 100 bis 199 Bq/m3 im Innenraum.

Wie entsteht Radongas?

Radon ist ein radioaktives, farb- und geruchloses Edelgas. Es entsteht aus dem Zerfall von Radium, einem Zwischenprodukt des radioaktiven Zerfalls von Uran. Aus Radium-226 wird Radon-222 gebildet. Radon wiederum zerfällt in radioaktive Schwermetallisotope des Poloniums, Wismuts und Bleis, bis als Endprodukt schließlich stabiles Blei entsteht. Die Gesteine und Erden enthalten seit ihrer Entstehung die natürlichen radioaktiven Stoffe Uran und damit auch Radium, das Mutternuklid des Radons. Die Konzentrationen dieser Stoffe im Boden hängen von den gesteinsbildenden Prozessen, den geologischen Lagerungsbedingungen sowie den physikalischen und chemischen Eigenschaften der Radionuklide ab und weisen deshalb teilweise deutliche Unterschiede auf.

Orientierungswerte für Radongas im Innenraum

Die mittlere Radonkonzentration in Wohnungen beträgt in Deutschland ungefähr 50 Bq/m3. Es gibt jedoch Häuser mit einigen Tausend Bq/m3 in den Wohnräumen. In etwa zehn Prozent der bestehenden Ein- und Zweifamilienhäuser sind Radonkonzentrationen über 100 Bq/m3 in Aufenthaltsräumen zu erwarten. Die Radonkonzentration in der Außenluft liegt in den meisten Gebieten unter 30 Bq/m3. Daher bewirkt ein erhöhter Luftaustausch eine Senkung der Radonkonzentration in Gebäuden. Bei geringen Überschreitungen der natürlichen Verhältnisse genügt die mechanische Lüftung. Sind dauerhaft überhöhte Werte zu messen, wird eine automatisierte Be- und Entlüftung notwendig.

Messung der Radonkonzentration in Gebäuden

Die Radonkonzentration unterliegt zeitlichen Schwankungen. Deshalb sind Messungen über einen längeren Zeitraum erforderlich. Messungen mit Dosimetern erstrecken sich über mindestens drei Monate. Über den gesamten Zeitraum erhält der Auftraggeber einen Summenwert je Messplatz. Bei Immobiliengeschäften sind Entscheidungen in der Regel kurzfristig zu treffen. In diesen Fällen hat sich ein elektronisches Dosimeter bewährt. Baubiologen setzen bevorzugt den "Doseman" der Firma Sarad aus Dresden ein. Die Radonmessung in der Innenraumluft erfolgt durch alphaspektroskopischen Nachweis von Radon und Radon-Folgeprodukten Polonium 212 bis Polonium 218. Die Messdauer sollte mindestens vier Tage betragen. Die erfassten Daten werden in einem Computerprogramm weiterverarbeitet. Der Interessent erhält nicht nur einen Summenwert, sondern auch einen zeitlichen Verlauf der Messwerte.

Zusammenfassung

In Risikogebieten gemäß Radonkarte ist vor dem Immobilienkauf oder dem Neubau eine Radongasmessung dringend zu empfehlen. In Gegenden mit mittlerem Belastungsrisiko dient die Radonuntersuchung als Vorsorgemaßnahme. Die Kosten für die Messung sind im Verhältnis zum Aufwand für eine spätere Sanierung verschwindend gering.

Links

Radonkarte BfS
Basiswissen Radon BfS
Radonmessung in der Bodenluft
Bauwerksabdichtung und Radonschutz