Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 23.07.2017

 

Radioaktivität in Baustoffen

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01.03.2010 - Baumaterialien enthalten eine mehr oder weniger große Menge an natürlich vorkommenden radioaktiven Stoffen. Die Konzentration der Radionuklide variiert sowohl nach Art des Baustoffs wie auch innerhalb gleichartigen Materials.

Maßgebend dafür sind die Zusammensetzung, die Herkunft und das Herstellungsverfahren. Gesteine wie Granit, Tuff und Bims können im Einzelfall überdurchschnittlich radioaktiv sein. Dagegen enthalten Sand, Kies, Kalkstein und Naturgips im allgemeinen nur geringe Mengen an Radioaktivität.

In Einzelfällen kann die Glasur bei Fliesen radioaktive Stoffe enthalten, wenn zur Farbgebung uranhaltige Pigmente verwendet werden. Maes (Stress durch Strom und Strahlung) weist daraufhin, dass z.B. alte Glasuren, Leuchtziffern oder Antiquitäten für extrem hohe Strahlenbelastung verantwortlich sein können. Ebenfalls sollte der Einbau von Industrieabfällen, Aschen oder Schlacken ohne vorherige Prüfung vermieden werden.

Eine generelle Zuweisung des Radioaktivitätsgehalts zu bestimmten Baustoffen ist nicht möglich. Deshalb sollte bei den oben erwähnten Beispielen im Zweifelsfall eine baubiologische Untersuchung erfolgen.

Zu beachten ist auch, wie viel von dem Baustoff verbaut wurde und wie lange die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Bewohner im Raum ist. Bewertet wird die äußere Belastung des Baustoffes durch Gammastrahlung und das frei gesetzte Radon in der Raumluft.

Leningrader Summenformel

Zur Bewertung von Baumaterialien unter dem Gesichtspunkt der Radioaktivität wird vielfach die Leningrader Summenformel herangezogen. Diese wurde 1970 von der nationalen Kommission für Strahlenschutz der UdSSR als Berechnungsformel für die maximal zulässige Radioaktivität von Baustoffen festgelegt.

Aus strahlenbiologischer Sicht sind vor allem die Isotope Kalium-40 (K-40), Radium-226 (Ra-226) und Thorium-232 (Th-232)von Bedeutung. Hinsichtlich der Frage, ob ein bestimmtes Material aus strahlenbiologischer Sicht als Baumaterial eingesetzt werden sollte oder nicht, wird vielfach empfohlen, nur solche Baustoffe zu verwenden, deren sogenannte Bewertungszahl B kleiner als 1 ist.

Diese Bewertungszahl B wird wie folgt berechnet:

B = R/370 + T/259 + K/4810

Dabei ist für K die Aktivität von K-40, für R die Aktivität von Ra-226 und für T die Aktivität von Th-232 im betreffenden Baustoff in Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg) einzusetzen.

Unabhängig davon sollte bei der Auswahl von Baustoffen darauf geachtet werden, dass ihr Radioaktivitätsgehalt so niedrig wie möglich ist. Insbesondere sollten keine Materialien verwendet werden, deren Ra-226-Aktivität über 100 Bq/kg liegt.

Verwendete Maßeinheiten

Das Becquerel Bq (früher Curie) ist das Maß der Aktivität. 1 Bq = 1 Zerfall pro Sekunde. Das Sievert Sv (früher Rem) ist das Maß für die biologische Wirkung (auch Äquivalenzdosis) der ionisierenden Strahlung. 1 Sv = 1 J/kg.

Baubiologen messen die Radioaktivität

Die häufigste Messaufgabe ist die Gammastrahlung. Mithilfe eines Gammaspektrometers erfolgt die Nuklidanalyse direkt vor Ort. Bei der Sanierung ist zu ermitteln, wieviel Abstand von der Strahlungsquelle einzuhalten ist, ob eine Abschirmung möglich ist oder ob das Baumaterial entfernt werden muss.

Ergänzend dazu messen Baubiologen die Konzentration an Radongas im Raum mittels einer Langzeitaufnahme über 24 bzw. 36 Stunden. Radon ist ein radioaktives Gas und ein starker Alphastrahler. Es entweicht aus radiumreichen Materialien oder aus dem Erdinneren und reichert sich in der Raumluft an. Ein Messgerät zur Radongasmessung mit einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis ist der “DoseMan” von der Dresdner Firma Sarad.

Welcher Baubiologe oder welche Baubiologin Radioaktivitätsmessungen durchführt, ist dem Firmenverzeichnis von Baubiologie Regional zu entnehmen.

Joachim Weise