Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 14.12.2017

 

Prinzipien des Strohballenbaus

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02.12.2002 - Architektin Sabine Rothfuss aus Theilenhofen hat mit dem Umbau eines alten Bauernhauses einschließlich Scheune und Stallung Erfahrung im Strohballenbau gesammelt. Im Vorfeld hatte sie sich intensiv im Internet umgesehen, hat mit einigen Strohballenbauern gesprochen unter anderem mit Herrn Gruber vom Österreichischen Strohballennetzwerk (www.baubiologie.at ) und hat den Architekten Bönisch aus Windeck-Werfen besucht. Ihre eigene Erfahrung im ökologischen Bauen hat ein wenig geholfen, und auch die ausführende Zimmererfirma, die Firma Kerschbaum aus Steinsfeld (www.kerschbaum.de) hat durch bohrende Fragen und ihre Bedenken dazu beigetragen, daß das Ganze Hand und Fuß bekommen hat.

Standardlösungen kamen nicht zum Zug

Dennoch kamen die bekannten Lösungen nicht in Frage, da es sich um einen Umbau handelte, und vielerlei Dinge zu beachten sind. Angefangen von den Gestaltungswünschen der Kommission für ländliche Entwicklung, bis zum erhöhten Brandschutz, bedingt durch den schmalen Durchgang zwischen der alten Fachwerkscheune und dem Wohnhaus.

Frage-1: Welche Ballen nimmt man am besten

Die Standard-Ballen von 37 cm Breite kamen nicht in Frage, die Wände wären für die Westseite zu dick geworden. Zudem sind die großen Ballen schwerer. Also suchte ich nach einer geeigneten Presse, und einem geeigneten Bauern, der Interesse an der Sache hatte. Ich wurde fündig bei Biobauer Lüdke aus Windsfeld bei Gunzenhausen. Er hat die kleine Presse, und den nötigen Ehrgeiz, die Ballen langsam und genau zu pressen, was eben auch nicht jeder Bauer macht. Zudem empfohl er Dinkelstroh, das weicher und fester zu pressen ist als Weizenstroh. Die Ballen werden senkrecht, auf die Halme gestellt eingebaut. Wegen der durchdachten Konstruktion waren nur zwei Ballengrößen erforderlich.

Frage-2: Wie können die Ballen trocken und schnell eingebracht werden?

Die Wände sollten, wie im Ständerbau üblich, vorgefertigt werden. Sie brauchten Aussteifung und- Wind- und Wetterschutz. Nach einigem hin und her entschieden wir uns für eine Konstruktion aus 6/30 cm BSH-Balken mit einer äußeren Beplankung aus Fermacellplatten, doppellagig, 2 x 12,5 mm
Dies schlägt drei Fliegen mit einer Klappe: Aussteifung Windschutz, Wetterschutz, und F 60 Brandschutz. Der einzige Nachteil: Fermacell muß wiederum verkleidet werden, und darf nicht der Witterung, wohl aber der Außenluft ausgesetzt werden. Im Giebelbereich wurde das Fermacell gleich mit einer hinterlüfteten Lärche-Schalung versehen, und im EG wird es mit einer hinterlüfteten Heraklith- Putzträger-Schale, die verputzt wird. Das Fermacell hat den weiteren Vorteil, daß der Dampfdiffusionswiederstand nicht höher ist als der von Kalkputz.
So wurden die Elemente gefertigt, an den Koppelstellen wurden jeweils zwei Pfosten vorgesehen, so dass etwas Spiel in der Konstruktion war, und die Pfostenabstände von 63 bzw. 76 Zentimeter eingehalten wurden.

Durchgehende Dämmung

Die Dämmung geht vom Sockel bis unter die Dachschalung durch, ohne von Deckenbalken oder sonstigen dicken Balken unterbrochen zu werden. Nur Schwellhölzer, 30/6 cm trennen die Geschosse. Die Höhe der Gefache war so ausgerechnet, daß vor dem Einbau des letzten Ballens das Stroh per Wagenheber zusammengedrückt wurde, und dann der letzte Ballen genau oben hineinging, das Ganze also auf Spannung eingebracht wurde. Auch seitlich waren die Ballen ca 4 cm länger als die Breite der Gefache, und so wurden sie beim Einbau stark zusammengedrückt. Sie klemmen damit sehr fest in den Fächern. Ballen mußten nicht geteilt oder geschnitten werden. Einige ganz wenige Stellen mußten von Hand gestopft werden.
Für die Giebeldreiecke wurden Ballenwinzlinge gepresst von 30 Zentimetern Länge, die in die Dreiecke hineingequetscht wurden. Breite und Dicke sind von der Presse vorgegeben, die Länge kann man einstellen. Das Stroh für 160 qm Außenwand wurde daher an einem Wochenende von der Großfamilie eingebaut.

Frage-3. Wie wird die Konstruktion absolut brandsicher?

Laut einem Gutachten, das für einen Einzelfall von der deutschen Prüfstelle für Baustoffe erstellt wurde, ist Stroh in Ballenform B2 und entspricht somit der Zellulose-, Flachsdämmung, etc. Mit der 2,5 cm starken Fermacellbeplankung außen und 2,5 -3 cm Innenputz innen ist eine Sicherheit im Brandfall gegeben, die meines Erachtens die Sicherheit zugelassener reiner Holzkonstruktionen übersteigt. Das Fermacell wurde auch außen in den Fensterlaibungen aufgebracht, wurde also außen um die ganze Konstruktion gezogen. Solange das Stroh offen war, habe ich sehr streng auf ein absolutes Rauchverbot innerhalb des Gebäudes geachtet.

Punkt-4: Die Ballen dürfen außer beim Verputz nicht nass werden, und sollen schnell wieder trocknen

Die Außenwände werden innen mit Traßkalkputz verputzt, nicht mit Lehm, denn dieser braucht sehr lange zum Trocknen. Dafür werden die Innenwände mit Lehm verputzt. Während des Verputzens läuft die Wandheizung und ein Raumluftrockner, der das Wasser aus der Luft holt.

Punkt-5. Wenn man die Ballen innen direkt verputzen will, muss die Konstruktion völlig dampfdiffusionsoffen sein.

Der Dampfdiffusionswiderstand des Innenputzes ist gleich dem der Fermacellplatten – und zwar sind beide sehr gering. Damit kann anfallende Feuchte nach außen abtrocknen. Auf Risse im Putz innen muss man allerdings achten, und sollte sie falls sie auftauchen sollten, gleich mit Farbe abdichten.

Wandaufbau von innen nach außen

- Kalkputz, zweilagig, 2,5-3 cm
- 30 cm Dinkelstroh, stehend, zwischen BSH Holzständer
- doppelte Beplankung mit Fermacellplatten, versetzt ausgeführt, 2.5cm
- 3 cm Hinterlüftung
- Heraklithplatten, verputzt, unten, oben Lärcheschalung

Den gesamten Bericht zum Strohballenbau findet man auf der Webseite von Sabine Rothfuss.


http://www.architektur-con-terra.de