Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 21.08.2017

 

Null Toleranz bei Holzschutzmitteln

Share on Facebook Share on Twitter Share on Google+
Null Toleranz bei Holzschutzmitteln
10.03.2015 - Die Versuchung ist groß. Eine junge Familie in Nordbayern findet ein schönes Haus in günstiger Lage mit passendem Grundriss zu einem bezahlbaren Preis. Das Holzfertighaus stammt aus den siebziger Jahren. Manuela Brenneisen hat schon von Problemen bei diesen Haustypen gelesen und lässt vor dem Kauf eine Staubprobe durchführen. Die Laboranalyse ergibt einen Wert von 1 mg Pentachlorphenol (PCP) je Kilogramm Hausstaub. Wie ist das gesundheitliche Risiko zu bewerten? Soll die Familie das Haus kaufen?

Pentachlorphenol ist ein pilztötendes Holzschutzmittel

PCP wurde bis Anfang 1980 als pilztötendes Mittel massiv im Innenbereich eingesetzt. Besonders statische Konstruktionen, wie Holzständerwerk und Dachstühle, sollten vor holzzerstörenden Pilzen geschützt werden. Aber auch nichttragende Bauteile wurden vorbeugend behandelt, u.a. Treppenläufe, Deckenverkleidungen, selbst Tür- und Fensterrahmen.

Ein schwerflüchtiger Innenraumschadstoff

PCP ist ein schwerflüchtiger Innenraumschadstoff im Niedrigdosisbereich. Die Chemikalie verdampft sehr langsam aus dem behandelten Holz in die Raumluft und lagert sich als Sekundärkontamination an Wandoberflächen, Möbeln und Gebrauchsgegenständen an. Menschen nehmen den Schadstoff über Hautkontakt und die Atmung auf. Das bayerische Landesamt für Umwelt listet eine Tabelle mit gemessenen Werten in Forsthäusern auf: die Spannweite reicht dabei von 0,2 mg/kg bis zu 1.400 mg/kg.

Gesundheitliche Risiken

Pentachlorphenol gilt als krebserregend und ist in Kategorie 2 der MAK-Werte-Liste eingestuft. Holzschutzmittelgeschädigte berichten von Nervenschmerzen, Konzentrationsschwäche, Schlaflosigkeit, Nachtschweiß, Antriebslosigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen. Die Bewohnerin eines belasteten Pfarrhauses berichtete von häufigen Infekten, langanhaltenden Erholungsphasen, Augen reizen und Verringerung der Leukozyten.

Analytik und Bewertung

Die Analytik erster Wahl ist die Probennahme von Frischstaub. Nach einer Grundreinigung der zu untersuchenden Flächen ist nach zehn bis vierzehn Tagen per Staubsauger Hausstaub aufzunehmen und labortechnisch zu analysieren. Zur Stabilisierung der Analytik sollten mindestens zwei bis drei Staubproben untersucht werden. Bei auffälligem Befund der Staubprobe werden von verschiedenen Holzteilen Materialproben zur Quellenforschung genommen. Der Probenumfang variiert von fünf bis zwanzig Proben, je nach Größe des Objektes. Ergänzend ist eine Raumluftmessung vorzugsweise in der kalten Jahreszeit durchzuführen.
Bei der Bewertung von Frischstaub stuft die PCP-Richtlinie ein Ergebnis von größer 1 mg/kg als auffällig ein. Die abzuleitenden Maßnahmen sind Quellensuche und Raumluftmessung. Raumluftwerte von größer 0,1 µg/m3 gelten als auffällig. Für Materialproben trifft dies bei einem Wert von größer 5 mg/kg zu.

Sollte die Familie das Holzhaus kaufen?

Der Messwert liegt in einem Grenzbereich, bei dem weitere Analysen das Ergebnis stabilisieren könnten. Grundsätzlich würde der Autor von einem Kauf abraten, da selbst geringe Mengen von PCP auf lange Sicht zu Gesundheitsproblemen führen können. Mit entsprechender Ausdauer wird sich eine Immobilie finden lassen, die kein HSM-Risiko in sich birgt.

Linktipp:

www.lfu.bayern.de/umweltwissen/doc/uw_50_pentachlorphenol_pcp.pdf