Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 25.05.2017

 

Navigation im Baustoffdschungel am Beispiel von Dämmstoffen

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Navigation im Baustoffdschungel am Beispiel  von Dämmstoffen
16.12.2009 - Wer sich als privater Hausbauer auf die Suche nach einem kostengünstigen ökologischen Dämmstoff begibt, muss schon einige Zeit für Recherchen mitbringen. Das Materialangebot ist vielfältig und verwirrend. Jeder Hersteller hat mindestens ein Gütesiegel im Angebot und will dem geplagten Bauherren damit Sicherheit beim Kauf suggerieren. Die bekanntesten Gütesiegel sind Blauer Engel, RAL, Natureplus und Öko+. Dazu kommen die Hinweise auf positive Testergebnisse bei Stiftung Warentest oder der Zeitschrift Ökotest.

Gleich vorweg gesagt: Auf ein bestimmtes Gütesiegel oder eine einzelne Testreihe würde sich der Autor nicht verlassen! Querprüfungen und Grundlagenforschung sind unbedingt wichtig.

Als Einstieg in die Problematik eignen sich die Basisinformationen der neuen Datenbank Wecobis unter dem Gliederungspunkt „Dämmstoffe“: http://wecobis.de

Dort findet der Anwender übersichtlich erklärt, in welche Kategorien die Dämmstoffe eingeteilt werden. Einen weiteren Schritt in Richtung Transparenz bringt die Webseite www.positivlisten.info mit sich, welche von der Arge kdR betrieben wird. Die Webseite unternimmt den Versuch, anhand einer Volldeklaration der Inhaltsstoffe das gesundheitliche Risiko aufzuzeigen. Dieser Ansatz ist unbedingt zu begrüßen.

Der Haken ist, dass darin bisher nur wenige Produkte bewertet wurden. Eine Querprüfung mit der Ökotestausgabe zu Dämmstoffen hat zudem ergeben, dass ein Korkprodukt bei kdR als unbedenklich eingestuft wurde, während bei Ökotest die starke Geruchsbildung und die Schimmelpilzanfälligkeit bemängelt wurden. Bei Ökotest lassen sich online für 2,00 EUR die Testergebnisse gezielt abrufen. Allerdings sind auch dabei Querprüfungen unvermeidlich. Beispielsweise wurden die Dämmstoffe „Schafwolle“ und „Schilfrohr“ in der Zeitschrift überhaupt nicht in die Bewertung einbezogen.

Versorgt mit den theoretischen Grundlagen folgt der Praxistest beim Baustoffhändler. Wer nahe einem der rar gesäten Ökobaumärkte wohnt, kann schon mit gezielter Beratung rechnen. Dann bleibt als wichtige Aufgabe, die Angebote vergleichbar zu machen. Als Richtwert dient der vorgegebene Dämmstandard des Architekten oder Energieberaters, der normalerweise als U-Wert angegeben wird. Die Dämmstoffstärken sind je Materialart unterschiedlich. Hier kann die Erfahrung des Baustoffhändlers weiterhelfen, welcher die Herstellerangaben kritisch bewerten muss.

Die gesundheitlich unbedenklichen Dämmstoffe sind schließlich mit den Anschaffungskosten zu bewerten. Nicht zu vergessen ist der Aufwand für den Einbau, der je nach Materialbeschaffenheit unterschiedlich groß sein kann. Preisspannen von 20 bis 30 EUR je Quadratmeter Material lassen den Häuslebauer berechtigterweise ins Grübeln kommen.

Autor: Joachim Weise, Baubiologe (IBN)

Fotoquelle: alchimea.de