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Bayreuth, 20.01.2018

 

Messung und Bewertung tieffrequenter Geräusche wird neu geregelt

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Messung und Bewertung tieffrequenter Geräusche wird neu geregelt
08.06.2013 - Tieffrequente Geräusche nehmen eine Sonderstellung in der Lärmbewertung ein. Maßgeblich für die Messung und Bewertung ist die DIN 45680, deren letzte gültige Fassung aus dem Jahr 1997 stammt. Das Bewertungsverfahren beruht bisher auf der Beurteilung von besonders hervortretenden tonalen Komponenten. Im Laufe der vergangenen 15 Jahre kamen jedoch immer mehr Geräte auf den Markt, die ein breitbandiges tiefes Geräusch abgeben, beispielsweise Wärmepumpen oder Motoren in Blockheizkraftwerken und Biogasanlagen. Dieser Entwicklung konnte das alte Bewertungsverfahren nicht mehr gerecht werden. Der Normenausschuss stellte die Überarbeitung der DIN 45680 im Jahre 2012 vor. Inzwischen wurden rund 800 Einwändungen bearbeitet. Mit einer endgültigen Verabschiedung der DIN-Neufassung wird in Expertenkreisen Anfang 2014 gerechnet.

Merkmale tieffrequenten Schalls

Das menschliche Gehör empfindet Töne unterschiedlicher Frequenz als unterschiedlich laut. Deshalb werden die Schallsignale im Messgerät so gefiltert, dass die Eigenschaften des menschlichen Gehörs nachgeahmt werden. Man spricht dann von einer sogenannten A-Bewertung, kurz dB(A). Die Dezibel-Skala ist logarithmisch aufgebaut. Null dB(A) entspricht der Hörschwelle, 130 dB(A) der Schmerzgrenze. Bei der dB(A)-Beurteilung werden Töne mit niedriger Frequenz unterbewertet. Aus Untersuchungen ist bekannt, dass die Wahrnehmung und Wirkung tieffrequenter Geräusche deutlich von der Wahrnehmung und Wirkung mittel- oder hochfrequenter Geräusche abweicht. Tieffrequente Geräuschimmissionen können schon dann zu Belästigungen führen, wenn die Wahrnehmungsschwelle für tiefe Frequenzen nur geringfügig überschritten wird.

Die Problematik der A-Bewertung zeigt sich an folgendem Beispiel: ein Ton mit der Frequenz von 20 Hz und einem Schallpegel von 68 dB liegt unter der Wahrnehmungsschwelle; dagegen ein Ton mit Frequenz von 80 Hz und einem Schallpegel von 40 dB deutlich über der Wahrnehmungsschwelle. Beide Töne haben jedoch denselben A-bewerteten Schallpegel von 17,5 dB. Im Frequenzbereich von 20 Hz bis etwa 60 Hz sind die Geräusche bei entsprechenden Pegeln hörbar, jedoch ist die Tonhöhenempfindung nur sehr schwach ausgeprägt. Der Frequenzbereich unter 20 Hz wird als Infraschall bezeichnet. Hier besteht keine ausgeprägte Hörempfindung mehr, weil die Tonhöhenempfindung fehlt. Jedoch ist Infraschall, im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung, nicht prinzipiell unhörbar.

Wichtige Unterschiede zwischen alter DIN-Norm und dem Entwurf der neuen DIN 45680

• der Frequenzbereich lag bisher zwischen 10 Hz und 80 Hz. Die neue DIN untersucht die Terzbänder mit einer Mittenfrequenz zwischen 8 Hz und 125 Hz.
• anstelle der Hörschwelle tritt nun die Wahrnehmungschwelle
• Einzelton- und Breitbandverfahren werden nun zu einem Bewertungsverfahren zusammengefasst
• Gemessen werden jetzt der 5%-Terz-Überschreitungspegel und der maximale Schalldruckpegel für jedes Terzband während der lautesten Stunde
• Die Differenz zwischen C-bwertetem und A-bewertetem Schallpegel wird nur noch für eine Vorbewertung zugelassen und gilt nicht mehr als Ausschlusskriterium. Bisher wird eine Differenz von mindestens 20 dB als Kriterium für tieffrequenten Schall herangezogen. Die Differenz wird in DIN-neu auf 15 dB herabgesetzt. Zudem ist das Terzbewertungsverfahren anzuwenden.

Maßgeblicher Messort

Das tieffrequente Geräusch wird innerhalb des Wohngebäudes in dem am stärksten betroffenen schutzbedürftigen Raum bei geschlossenen Fenstern und Türen und üblicher Raumausstattung gemessen. Maßgeblich ist der Ort mit der höchsten Belastung im am stärksten betroffenen Raum, indem sich Personen regelmäßig aufhalten. Dabei ist an mehreren Messpunkten zu messen, bis die höchste Belastung ermittelt wird. In der Raummitte ergeben sich normalerweise zu niedrige Werte. Am lautesten ist es erfahrungsgemäß im Abstand von 0,5 Metern von den Wänden. Die höchste Belastung ergibt sich, wenn die halbe Wellenlänge mit Gebäudeteilen in Resonanz geht. Eine Messung im Außenbereich führt zu falschen Ergebnissen.

Messtechniker, die Schallpegelmessungen durchführen, finden sich im Firmenverzeichnis von baubiologie-regional.de






 


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