Baubiologie und Oekologie

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Bayreuth, 25.05.2018

 

Lärm verursacht Herzrhythmusstörungen

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Lärm verursacht Herzrhythmusstörungen
10.05.2018 - Eine Langzeitstudie der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz zeigte einen Zusammenhang zwischen steigender Lärmbelästigung und Vorhofflimmern, einer der häufigsten Herzrhythmusstörungen. Die Forscher befragten 15.000 Frauen und Männer aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz und dem Landkreis Mainz-Bingen im Alter zwischen 35 und 74 Jahren über einen Zeitraum von sechs Jahren. Von allen Lärmquellen stellte Fluglärm die stärkste Belastung dar: im Raum Mainz-Bingen fühlten sich 60 Prozent Menschen davon belästigt. Weit weniger stark nimmt der Lärm von der Straße, Eisenbahn, Industrie oder Nachbarschaft Einfluss.

So ermittelten die Forscher die Daten

Teilnehmer der Studie durchliefen eine 5-stündige standardisierte Basisuntersuchung einschließlich Datenerhebung zu Lebensstilinformationen, Exposition gegenüber Umweltfaktoren, psychosozialer Situation, kardiovaskulären Risikofaktoren, laborchemischen Parametern und klinischen Daten. Alle Arbeiten werden von geschultem Fachpersonal und in Übereinstimmung mit Standardarbeitsanweisungen durchgeführt. Für die Zwecke der vorliegenden Analysen wurden Teilnehmer, die keine vollständigen Informationen über die Lärmbelästigung zur Verfügung stellten, ausgeschlossen. Der Grad der Lärmbelästigung war anhand einer 5-Punkte-Skala von "nicht" bis "extrem" zu bewerten. Die Fragestellung lautete: "wie genervt waren Sie in den vergangenen Jahren durch ... während des Tages oder während der Nacht?" Vorhofflimmern wurde über eine selbst berichtete Anamnese und / oder Dokumentation von Vorhofflimmern im Elektrokardiogramm der Studie beurteilt.

Die wichtigsten Ergebnisse

Von der Studienkohorte mit 15.010 Personen beantworteten insgesamt 14.639 Teilnehmer die Fragen zur Lärmbelästigung, von denen 18% (n = 2.704) eine Diagnose auf Vorhofflimmern hatten (EKG-Dokumentation n = 2297, Anamnese n = 200, beide n = 207). Die Studie ergab, dass mit steigender Lärmbelästigung eine starke Zunahme der Häufigkeit von Vorhofflimmern einhergeht. Diese wuchs bei extremer Lärmbelästigung bis auf 23 Prozent an; ohne Lärmbelästigung lag dieser Wert bei nur 15 Prozent. In diesem Zusammenhang ließ sich zeigen, dass Fluglärm den größten Anteil an extremer Lärmbelästigung hat: 84 Prozent tagsüber und 69 Prozent während des Schlafens.

Das Nachtflugverbot von 23 Uhr bis 5 Uhr ist nicht ausreichend

Da Fluglärm die Hauptursache für (extreme) Belästigung in der Bevölkerung war, untersuchten die Forscher die Einführung eines Nachtflugverbots durch Vergleich der Belästigung vor und nach Oktober 2011. Interessanterweise waren die Belästigung von Fluglärm während des Tages und des Schlafes sowie die Gesamtlärmbelästigung nach der Einführung des Verbots signifikant höher. Die Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Einführung des Nachtflugverbots nicht wirksam war, um die Belästigung zu reduzieren. Das Verbot geplanter Bewegungen zwischen 11:00 Uhr und 5:00 Uhr morgens ist wahrscheinlich nicht ausreichend, um eine positive Wirkung auf die Belästigungsraten zu gewährleisten. Dies könnte unter Umständen daran liegen, dass trotz des Nachtflugverbotes insgesamt die Zahl der Flugbewegungen nicht abgenommen hat und man die Flugbewegungen mehr in den Randstunden von 22 bis 23 Uhr und 5 bis 6 Uhr konzentriert hat. Die Konsequenzen wären unter anderem eine Ausdehnung des Nachtflugverbotes von aktuell 23 bis 5 Uhr morgens auf 22 Uhr bis 6 Uhr morgens, und damit auf einen Zeitraum, der in der Länge dann dem gesetzlich definierten Nachtzeitraum entspricht.

Links

https://idw-online.de Pressemeldung von Unimedizin Mainz
International Journal of Cardiology: Originalstudie in Englisch zum kostenlosen Download






 


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