Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 23.11.2017

 

Kann sich Asbest aus Dächern und Fassaden freisetzen?

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Kann sich Asbest aus Dächern und Fassaden freisetzen?
17.05.2013 - Obwohl asbesthaltige Produkte in Deutschland seit zwanzig Jahren nicht mehr hergestellt und verkauft werden dürfen, taucht das Problem im Bewusstsein der Bevölkerung sporadisch auf. Wer neben einem Gebäude mit asbesthaltigen Fassaden- oder Dachbekleidungen lebt, fragt sich, ob durch Verwitterung eine Faserfreisetzung erfolgen kann und welche Konzentrationen in der Luft vorliegen könnten.

Sehr viele Studien gibt es zum diesem Thema nicht. Eine Arbeit des Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) aus dem Jahre 2005, allerdings finanziert von der Firma Eternit AG, stützt sich auf 45 Messungen in drei Objekten mit Asbestzementdächern. Folgende Worstcase-Betrachtung liegt dem Konzept zugrunde: gemessen wurde nur an trockenen Tagen, an denen die höchste Faserfreisetzung zu erwarten war. Das gesundheitliche Risiko liegt erfahrungsgemäß in der Faseraufnahme über die Atemorgane.

Keine Panik bei festgebundenen Fasern

Das Ergebnis zeigte, dass alle Messungen unter der Nachweisgrenze von 100 LAF/m3 lagen (Anm. LAF = lungengängige Fasern). Zum Vergleich dazu sind an normalen Arbeitsplätzen bis zu 1.000 LAF/m3 erlaubt. Eine panikartige Entfernung von alten Dächern oder Fassadenplatten mit festgebundenem Asbest und einem Faseranteil von maximal 15% ist somit nicht geboten. Kritisch wird es allerdings, wenn an den Bauteilen gesägt oder geschliffen wird. Dann ist mit einer hohen Freisetzung zu rechnen. Asbestrückbau und -entsorgung darf nur von einer Fachfirma durchgeführt werden.

Erhöhtes Risiko bei schwach gebundenem Asbest

Produkte mit nur schwach gebundenem Asbest, die einen Faseranteil von 60 % und mehr besitzen und diese leicht wieder abgeben, sind sehr kritisch einzustufen. So erfolgte der Abriss des 1973-1976 errichteten Palastes der Republik in Ostberlin vor allem wegen der Gesundheitsschädlichkeit des bei seinem Bau eingesetzten schwach gebundenen Spritzasbests, bei dem – im Gegensatz zum Asbestzement – eine Innenraumbelastung durch freigesetzte Fasern wahrscheinlicher und oft auch tatsächlich gegeben war. (Quelle: wikipedia.org/asbest). Spritzasbest wurde insbesondere zur Ummantelung von Rohren verwendet.

Aufregung in Köln

Kürzlich berichtete der Kölner Stadtanzeiger von den Befürchtungen der Interessengemeinschaft Humboldt-Gremberg. Drei Recyclingbetriebe werden verdächtigt, die Luft gesundheitsgefährdend mit Metall- und Asbestteilchen zu verschmutzen. Ärzte hätten durch Vergleichsmessungen mit anderen Praxen festgestellt, dass Patienten in der Nähe der Recyclingbetriebe überdurchschnittlich oft an allergischem Asthma leiden würden. Die Unternehmen bestreiten dies. Nun soll das Landesamt für Umwelt in NRW Luftmessungen durchführen. Quelle: www.ksta.de/kalk/umwelt-luft-wird-auf-asbest-untersucht,15187508,22801184.html

Immer noch aktuell: Asbest in Importprodukten

In Europa und in den meisten Industrieländern wird Asbest als krebserregend eingestuft und nicht mehr verwendet. Manche Entwicklungs- und Schwellenländer produzieren Asbest aber noch tonnenweise, z.B. Russland 1 Mio in 2011, China 0,4 Mio t, Brasilien 0,3 Mio t im Jahr. Der Grund liegt darin, dass Asbest wesentlich billiger ist als mögliche Ersatzprodukte. In folgenen Produktgruppen kann Asbest bei Importen enthalten sein: Faserzementprodukten, Dichtungsringen, Isolierkannen oder Elektrogeräten.

Bildquelle: fotalia.com #42518797 © axepe

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