Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 19.11.2017

 

Isocyanate in OSB-Platten als k.o. Kriterium ?

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Isocyanate in OSB-Platten als k.o. Kriterium ?
10.11.2009 - Isocyanate sind eine Grundsubstanz zur Herstellung von Polyurethanharzen. Sie sind hochtoxisch und werden als krebserregend eingestuft. In OSB-Platten ist Polymeres Diphenylmethandiisocyanat (PMDI) ein häufig eingesetztes Bindemittel für die Holzspäne. So wird vorwiegend in der Mittelschicht PMDI eingesetzt und in den Deckschichten MUF- bzw. MUPF-Klebstoffe. Das polymerisierte Diphenylmethandiisocyanat gehört chemisch zu den Polyisocyanaten, MDI ist neben TDI eines der am meisten hergestellten Isocyanate.(wikipedia.de)

OSB-Platten sind mittlerweile im Holzständerbau weit verbreitet. Neben Wandplatten werden sie auch als Boden- und Deckenplatten eingesetzt. OSB (oriented strand board) sind Mehrschichtplatten, die aus langen, schlanken Spänen (strands) bestehen. Die Späne werden bei der Herstellung mit Klebstoff benetzt und anschließend gepresst.

Bis einige Jahre nach der Einführung galten OSB-Platten als ökologische Alternative zu den formaldehydhaltigen Spanplatten. In letzter Zeit gehen kritische Architekten zunehmend auf Distanz zu isocyanathaltigen Baustoffen.

Der Gütesiegelhersteller Naturplus stuft OSB-Platten als unbedenklich ein und begründet dies damit, dass in Prüfkammerversuchen bisher kein Isocyanat in OSB-Platten nachzuweisen war.
In einem Auszug aus einem Protokoll der natureplus-Kriterienkommission ist zu lesen:
„… dass die geäußerten Bedenken von Bedeutung sein würden, sofern in den Holzwerkstoffen tatsächlich noch Isocyanate enthalten wären. Dies ist aber nach allen gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht der Fall. So kann man den "Richtwerte für die Innenraumluft - Diisocyanate, Bundesgesundheitsblatt 2000" auf der Seite 258 wörtlich entnehmen: "...Es liegen keinerlei Hinweise dafür vor, dass nach Beendigung des Aushärteprozesses mit einer Daueremission monomerer oder polymerer Diisocyanate zu rechnen ist..." In dem selben Artikel ist auch beschrieben, dass es aufgrund der hohen Reaktivität der Diisocyanate nicht sinnvoll war (und ist) RW I bzw. RW II Innenraumrichtwerte zu erstellen.“
http://www.natureplus.de/uploads/media/natureplus_Hearing_090728.pdf vom 28.7.09

Unverändert kritisch setzt sich das Institut für Baubiologie und Ökologie Neubeuren (IBN) mit dem Thema Isocyanate in OSB-Platten auseinander: „… Isocyanat ist ein starkes Gift und Allergen. Die Anbieter von isocyanathaltigen Produkten behaupten häufig, Isocyanate würden 100 %-ig gebunden. Die toxische Problematik bei Isocyanaten liegt aber darin, dass diese mit den heutigen Messmethoden zwar oft nicht in der Raumluft, aber als Isocyanat-spezifische Antikörper im menschlichen Organismus nachweisbar sind. Offenbar ist der Mensch empfindlicher als die derzeitigen Messverfahren. Baubiologen sollten grundsätzlich darauf bestehen, dass neue zweifelhafte Produkte erst dann auf den Markt kommen, wenn nach hinreichender toxikologischer und auch ökologischer Untersuchung nicht die geringsten Bedenken bestehen.“ http://www.baubiologie.de/site/fragenundantworten/2910iso.php

Die zwei im folgenden genannten Kernfragen werden weiterhin zu überprüfen sein:

1. Binden Isocyanate bei der Fertigung von Holzwerkstoffen wirklich vollständig ab und entstehen keine Folgeschadstoffe ?

2. Bestehen gesundheitliche Beeinträchtigungen unterhalb der messtechnischen Nachweisgrenze insbesondere für Allergiker und andere Risikogruppen ?

Hier tut sich ein lohnendes Forschungsgebiet für das Verbundsystem von Baubiologen, Ärzten und Umweltverbänden auf.

Weitere interessante Links zu dem Thema:

http://www.baubio-logisch.de/pdf/Stephan%20Streil%20-%20Schadstoffe-Isocyanate-W+G%20120.pdf
http://biade.itrust.de/biade/lpext.dll/Infobase/uberschrift47182?f=templates&fn=main-h.htm&2.0
http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=27606;bernr=01;co= (Stand: 2001)
https://www.xing.com/net/wohngesundheit/innenraumbedingte-krankheitsbilder-zusammenhange-228821/osb-und-losemittel-13761205/

Nachtrag: Ab 05/2014 ist eine aktuelle Studie abrufbar unter http://www.baubiologie.de/downloads/ibn-code/Isocyanate_und_Polyurethane.pdf

Joachim Weise