Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 15.10.2019

 

Hürden für den Einsatz von ökologischen Dämmstoffen

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- Die Auswahl an natürlichen Dämmstoffen im privaten Hausbau ist gewaltig, wenn man sich die Mühe macht, über Polystyrol und Mineralwolle hinauszudenken. Naturstoffe sind nicht automatisch teurer, wie oft fälschlich angenommen wird. So können Zellulose und Holzfasern für die Zwischenraumdämmung preislich mit synthetischen Dämmstoffen durchaus mithalten. Eine Untersuchung des Baubiologen Herbert Danner in München belegt, dass viele private Bauherr*innen gesundheitsbewusst dämmen wollen. Aus Gesprächen mit Bauwilligen hat er erfahren, dass sie sogar bereit sind, für schadstofffreie Baustoffe mehr zu bezahlen. Aber oft werden sie von unwilligen Planern und Handwerkern in ihrer Euphorie gebremst.

Planer und Handwerker wissen oft zu wenig über Naturdämmstoffe

Danner fand bei seinen Gesprächen heraus, dass im Geschosswohnungsbau und bei Mehrfamilienhäusern die synthetischen Baustoffe dominieren. Die Annahme des günstigen Preises sitzt fest im Kopf der Ausführenden. Vielfach wird die Preisdifferenz zu Naturstoffen gar nicht geprüft. Auch bringen manche Handwerker zu wenig Erfahrung im Umgang mit alternativen Stoffen mit oder verwenden sogar das falsche Werkzeug. In einem anderen Fall behauptete der Planer, dass für ein Dämmsystem unter der Fußbodenheizung keine ökologische Alternative existiere. Der Bauherr erkannte die Falschaussage erst später, nachdem der synthetische Schaumstoff schon verlegt war. Wie wohl das Entsorgungsproblem in dreißig Jahren zu lösen sein wird?

Technische Normen setzen der Verwendung von Naturfaserstoffen Grenzen

Ökologische Baustoffe benötigen genauso wie synthetische Stoffe eine bauaufsichtliche Zulassung, soweit sie nicht genormt sind. Für bestimmte Aufgabenstellungen sind natürliche Faserdämmstoffe gänzlich außen vor. Dazu gehört die Dämmung gegen Erdreich und diejenige im Außenbereich eines Flachdaches. Eine weitere Hürde stellen die Forderungen des Brandschutzes dar. Dämmstoffe aus Naturfasern sind hauptsächlich in der Klasse B2 zu finden. Die Klasseneinteilung beruht auf der DIN-Norm 4102-1. Klasse A1 und A2 gilt als "nicht brennbar", Klasse B1 bedeutet "schwer entflammbar", B2 ist "Normal entflammbar" und B3 "leicht entflammbar". Die Landesbauordnungen regeln, für welchen Gebäudeklassen und für welche Funktion der jeweilige Baustoff zugelassen ist. Zur Gebäudeklasse 1 gehören freistehende Einzelhäuser bis sieben Meter Höhe und maximal 400 Quadratmetern Wohnfläche. Hier können Naturfaserstoffe mit bauaufsichtlicher Zulassung für die Dämmung der obersten Geschossdecke und für die Dämmung von Dachschrägen in unbewohnten Dachgeschossen eingesetzt werden. Für die Fassadendämmung durch Wärmedämmverbundsysteme gelten Sonderregelungen. Ohne fachliche Beratung sollte der private Bauherr im Bereich Fassadendämung nicht tätig werden.

Die Stadt München fördert Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

Das Münchner Förderprogramm Energieeinsparung "FES" kommt ausschließlich den Bewohner der Stadt zugute. Unter anderem werden in der Rubrik "nachwachsende Rohstoffe" die langfristig im Gebäude verbauten Kohlenstoff speichernden Baustoffe mit 0,20 Euro je Kilogramm gefördert. Zusätzlich müssen Holzwerkstoffe und Dämmstoffe mit einem Mindestanteil von 80 Prozent nachwachsender Rohstoffe entweder einen regionalen Bezug aufweisen oder eine Zertifizierung (FSC, PEFC, Naturland oder Natureplus) besitzen. Eine Besonderheit der Stadt München ist die Innovationsprämie. Dabei werden realisierte Maßnahmen gefördert, die einen Beitrag zur Energie- und CO2-Einsparung leisten, innovativ sind und eine Impulswirkung für andere erzielen können. Es lohnt, das gesamte Konzept einmal näher zu betrachten.

Weitere Links zum Thema Dämmstoffe

muenchen.de Leitfaden Dämmstoffe 3.0
fnr.de Broschuere Daemmstoffe 2016
Dämmstoff-Check von CO2-Online
ipeg-institut.de/ Sieben hoch-effiziente Dämmtipps für Hausbesitzer
baunativ.de Webshop für Dämmstoffe







 


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