Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 19.08.2017

 

Hohe Mikrowellenbelastung durch Radarsender

Share on Facebook Share on Twitter Share on Google+
Hohe Mikrowellenbelastung durch Radarsender
11.03.2017 - Zweihundert Mal höher als ein Mobilfunksender strahlt der Radarsender am Döbraberg im Frankenwald. Die große graue Kugel wölbt sich deutlich sichtbar in den Horizont, wenn man vom Parkplatz aus in Höhe des Städtchens Naila nach Südwesten schaut. Der Vergleich mit einem abgeschnittenen Fußball drängt sich auf. Noch bedrohlicher wirkt der Anblick in unmittelbarer Nähe der Senders. In der Ortschaft Döbra im Landkreis Hof leben die Menschen in wenigen hundert Metern entfernt von der Monsteranlage. Die Radarstation dient der Bundeswehr als Teil eines Netzwerkes zur gesamten Luftraumüberwachung in Deutschland.

Der Messwert beträgt 200.000 Mikrowatt je Quadratmeter in fünfhundert Meter Entfernung

Die Radaranlage Döbraberg sendet im L-Band im Frequenzbereich um 1300 Megahertz mit einer Wellenlänge von ca. 23 Zentimetern. Der relativ niedrige Frequenzbereich ermöglicht es Baubiologen, mit einem üblichen Spektrumanalysator bis zu drei Gigahertz die elektromagnetische Immission zu ermitteln. Die gemessenen Werte in fünfhundert Metern Entfernung vom Döbraberg entfernt lassen schnell erkennen, dass hier andere Dimensionen als bei Mobilfunksendern anzutreffen sind. 200.000 Mikrowatt je Quadratmeter (µW/m²) zeigt das Messgerät an diesem Messpunkt an und im Abstand von zwei Kilometern immerhin noch 18.000 µW/m². Diese extremen Werte sind nur bei vollgepackten Mobilfunksendern in kurzer Entfernung zu erwarten. So ergeben sich im Stadtzentrum von Bayreuth an der ungünstigsten Stelle 15.000 µW/m². Im ländlichen Raum sind Messwerte über 2.000 µW/m² bereits als überdurchschnittlich einzustufen.

So arbeitet eine Radaranlage

Die sichere zivile Luftfahrt wäre ohne das Radar kaum denkbar. Es überwacht die Positionen der einzelnen Flugzeuge und sorgt am Flughafen für ein sicheres Abheben und Landen. Beim Radar werden periodisch gepulste Radiowellen ausgesendet, welche von Objekten im Luftraum reflektiert werden. Das System sendet also ein Signal aus und wartet dann auf das "Echo", welches es mit einem Detektor aufnehmen kann. Da sich die Radiowellen mit Lichtgeschwindigkeit bewegen, lässt sich aus der vergangenen Zeit seit dem letzten Aussenden und wieder Eintreffen des Signals der Abstand zum Objekt berechnen. Die Abkürzung für "Radar" lautet Radio Detecting and Ranging. Auf deutsch bedeutet dies "Funkermittlung und Entfernungsmessung". Je nach Auswertungsmethode kann das Radar neben Richtung und Entfernung auch die Höhe, Größe und Geschwindigkeit der umgebenden Objekte erkennen. Die Radarantennen auf dem Döbraberg drehen sich sechsmal pro Minute.


Radaranimation
Animation einer Radaranlage (Bild anklicken)

Wanderer steigen trotz Radarwellen auf den Döbraberg

Der grauen Kugel auf dem Berggipfel sieht man die Gefährlichkeit nicht an. Deshalb verwundert es nicht, dass Wandergruppen den höchsten Berg des Frankenwaldes erklimmen. Auf dem achtzehn Meter hohen Aussichtsturm reicht der Blick nach Norden bis ins Erzgebirge und zu den Höhen des Thüringer Waldes. Wenn Besucher jedoch dem Sender zu nahe kommen, zieht der Standortkommandant die Reißleine. Wie die Lokalpresse berichtete, wurden beim angemeldeten Besuch einer Gruppe von Hofer Kommunalpolitkern die Antennen kurzfristig außer Betrieb genommen, um "ein gesundheitliche Risiken zu vermeiden".

Links

Radarwissen auf Wikipedia
Bilder von der Radaranlage
Technische Daten zur Luftraumüberwachung
Anzahl von Flugsicherungsanlagen in Bayern
Besuchergruppe auf dem Döbraberg