Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 21.11.2017

 

Gibt es lösemittelfreie Farben und Lacke ?

Share on Facebook Share on Twitter Share on Google+
Gibt es lösemittelfreie Farben und Lacke ?
09.11.2010 - Lösemittel werden bekanntlich in Grundierungen, Klebern, Lacken und Farben eingesetzt. Je nach Stoffzusammensetzung gasen sie unterschiedlich lange aus. Leichtflüchtige Lösemittel haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie stinken und die Schleimhäute reizen können. In konventionellen Lacken sind zwischen 50% und 70% Lösemittel enthalten.

Inzwischen ist die Industrie auf der Suche nach einem weniger auffälligen Lösemittel fündig geworden und setzt zunehmend auf Glykol.

Nahezu geruchlos

Glykole haben einige Eigenschaften, die sie für die Verwendung als Lösemittel in Wasserlacken besonders attraktiv machen: im Unterschied zu den "klassischen" Lösemitteln wie Toluol, Xylol oder Testbenzin mischen sie sich in der Regel leicht mit Wasser. Das ist für einen Lack, in dem Wasser das Hauptlösemittel darstellt, von besonderer Bedeutung, zumal die in Wasserlacken enthaltenen Bindemittel sich eigentlich nicht in Wasser lösen.

Glykole verdampfen nur langsam, so dass die Raumluftkonzentrationen beim Verstreichen niedriger liegen als bei Verwendung von konventionellen Lösemitteln. Sie riechen nur schwach und dazu noch ganz anders als beispielsweise Toluol und Testbenzin.

Glykole müssen nicht als Lösemittel gekennzeichnet werden

Besonders vorteilhaft für die Hersteller: Aufgrund einer Änderung im Regelwerk Nr. 610 der TRGS (Gefahrstoffverordnung), müssen Chemikalien mit einem Siedepunkt über 200 Grad Celsius nicht mehr als Lösemittel gekennzeichnet werden. Es geht noch weiter: Sind in Wasserlacken nicht mehr als 10% Glykolverbindungen enthalten, wird für das Produkt ein allseits bekanntes Umweltzeichen vergeben.

Eine Reihe von Glykolverbindungen hat sich im Tierversuch als embryotoxisch erwiesen. Da die giftigen Abbauprodukte dieser Substanzen nach der Aufnahme nur langsam aus dem Organismus ausgeschieden werden, können sie sich bei langandauernder Exposition im Körper anreichern. Einige Verbindungen stehen im Verdacht, das Blutbild sowie Leber und Nieren zu schädigen.

Sekundärkontaminationen

Ähnlich wie die Holzschutzmittel Lindan und Pentachlorphenol schlagen sich Glykole als Sekundärkontamination auf bisher unbelasteten Wänden, Fußböden und Einrichtungsgegenständen nieder. Eine Sanierung ist langwierig und kostspielig.

Krankmachender Arbeitsplatz

Lösemittel sind in vielen Fertigungsprozessen und an zahllosen Arbeitsplätzen vertreten. Oft ist der Schutz unzureichend, und nach einer Weile treten gesundheitliche Beschwerden auf. Es müssen keine hohen Konzentrationen erreicht werden, damit bestimmte Lösemittel sensibilisieren oder Schäden am Nervensystem verursachen. Auf Dauer wirkt sich stetiger Kontakt im Niedrigdosisbereich ähnlich aus. [Quelle: www.csn-deutschland.de/blog/2008/04/21/chemikaliensensitivitaet-durch-loesemittel/]

Inhaltsstoffe schriftlich bestätigen lassen

Gesundheitsbewusste Verbraucher lassen sich vom Händler die Sicherheitsdatenblätter für das gewählte Produkt aushändigen. Wenn Lösemittel nicht ausdrücklich deklariert sind, liegt der Verdacht nahe, dass Ersatzstoffe verwendet wurden.

Weitere Informationen zu Innenraumschadstoffen finden sich unter

http://agoef.de/agoef/schadstoffe/voc_svoc_mvoc.html