Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 26.09.2017

 

Geregeltes Bauen mit Lehm

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Geregeltes Bauen mit Lehm
31.07.2016 - Bauen mit Lehm hat etwas Ursprüngliches, Archaisches. Denn Lehm kommt direkt aus der Erde und benötigt keine Kunststoffe zur Weiterverarbeitung. Mit Sand vermischt lässt er sich zu Lehmsteinen, Lehmmörtel oder Lehmputzen verarbeiten. Der Bauherr könnte mit seinem eigenen Lehm solange experimentieren, bis die Mischung der Aufgabe gerecht wird. In einem modernen, arbeitsteiligen Bauprozess hat die Methode von "Versuch und Irrtum" aber längst keinen Platz mehr. Professionelle Lehmhersteller arbeiten nach festen Regeln. Jede Produktgruppe soll die gleiche Zusammensetzung und die gleichen Eigenschaften haben. Deshalb wurden 2013 nach langen Jahren der Vorarbeit drei DIN-Normen für Lehmbauprodukte verabschiedet: DIN 18945 für Lehmsteine, DIN 18946 für Lehmmauermörtel und DIN 18947 für Lehmputzmörtel.

Die Lehmbau DIN-Normen regeln die Herstellung von werkseitigen Produkten

Die Normen gelten nicht für bauseitig erstellte Produkte und regeln auch nicht die Anwendungstechnik. Dagegen sollen sie Standsicherheit und Gebrauchstauglichkeit von werkseitig hergestellten Lehmbauprodukten gewährleisten. Die Normen legen den Herstellern umfangreiche Prüfvorschriften auf. Das Material absolviert Tauch-, Kontakt-, Saug- oder Frostprüfungen. Mit der Übereinstimmungserklärung (ÜH) bestätigt der Hersteller die Übereinstimmung des Produktes mit den deklarierten Eigenschaften. Der Lehmanwender soll sich auf die ÜH verlassen können und muss nicht noch einmal prüfen.

Anwendungsklassen bei Lehmsteinen

Anwendungsklassen zeigen auf, wofür die Steine verwendet werden sollen, z.B. verputztes, der Witterung ausgesetztes Außenmauerwerk, verkleidetes oder anderweitig konstruktiv geschütztes Mauerwerk, Innenmauerwerk oder sonstige trockene Anwendungen. Anwendungsklassen bestimmen die Kriterien für Feuchte- und Frostverhalten oder sind wichtig für die Festlegung von Mindeststegdicken und zulässiger Lochanteile.

DIN 18947 regelt Putzmörtel mit Stärken von drei Millimetern und größer

Der Profi muss wissen, dass die Normen nur für Lehmputze ab einer gewissen Stärke gelten. Nicht unter die DIN 18947 fallen Lehmdünnlagenbeschichtungen oder Lehmfarben. Ebenfalls gilt die Norm nicht für stabilisierte Lehmputzmörtel und für Baustellenmörtel. Lehmputzmörtel sind in zwei Festigkeitsklassen eingeteilt; daraus leiten sich Vorgaben hinsichtlich Druckfestigkeit, Biegezugfestigkeit und Haftfestigkeit ab. Das lineare Trocknungsschwindmaß darf nicht mehr als zwei Prozent betragen.

Lehmputze sind Teil der allgemeinen Putzanwendungsnorm DIN 18550

Aufgrund der DIN 18947 werden Lehmputze nun gleichrangig mit anderen Putzen aufgeführt. Die Anwendungsbeschränkung auf Gebäude mit nicht mehr als zwei Vollgeschosse gilt damit nicht mehr. Die DIN 18550 regelt die Planung, Zubereitung und Ausführung von Innen- und Außenputzen; die DIN EN 13914-2 spezifiziert Vorgaben für Innenputze.

Lehmbauregeln ergänzen die DIN-Normen

Seit der Zurücknahme der geltenden DIN-Normen für Lehmbau im Jahr 1971 gab es in Deutschland keine offiziellen Regeln für die Herstellung und Anwendung von Lehmbauprodukten. Die Wiederbelebung des Lehmbaus ab 1990 führte zur Gründung des Dachverbandes Lehm. Wissenschaftler und Praktiker brachten ihre Kompetenz in den Dachverband ein und veröffentlichten 1999 erstmals die "Lehmbau Regeln". Mittlerweile ist das Grundlagenwerk in der dritten Auflage (2009) erschienen. Die Lehmbauregeln formulieren konkrete Bauvorschriften zum Lehmbau und dokumentieren den aktuellen Stand der Technik. Sie sind von elf Bundesländern bauaufsichtlich eingeführt.
Die Lehmbauregeln schließen die Lücke zu den Lehmbau-DIN-Normen. Anzuwenden sind sie im Produktbereich für bauseits erstellte Erzeugnisse und im Anwendungsbereich. Das Inhaltsverzeichnis der Lehmbauregeln ist auf der Webseite des Dachverbands Lehmbau abzurufen.

Literatur

  • Die DIN-Normen 18947, 18946 und 18947 sind im Beuth-Verlag erhältlich.

  • Lehmbau Regeln Dachverband Lehm, 34,99 Euro, 119 Seiten

  • Lehmbau-Praxis – Planung und Ausführung, Röhlen/Ziegert, 42,00 Euro, 320 Seiten, 2014, ISBN 978-3-410-23942-0

  • Handbuch Lehmbau – Baustoff, Techniken, Lehmarchitektur, Minke Gernot, 38,00 Euro, 220 Seiten, 2009, ISBN 978-3-936896-41-1

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