Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 18.11.2017

 

Gelungener Umbau eines Wohnhaus aus den späten fünfziger Jahren

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06.05.2003 - Rüdenau, eine der kleinsten Gemeinden Unterfrankens mit rund 800 Einwohnern, liegt geschützt am Ende eines kleinen Tales in der Nähe von Miltenberg am Main. Diese von Verkehr, Lärm und anderen unangenehmen Umwelteinflüssen verschonte Umgebung muss damals im Jahre 1957 die Familie Fritz aus Frankfurt dazu bewogen haben, ein kleines, typisches 60er Jahre Ferienhaus am Ortsausgang zu errichten. In dieser Randlage wurden dazu auf den rund 4.500 qm großen Grundstück standortgerechte Baumpflanzungen vorgenommen. Das Ferienhaus wurde im Jahre 1990 ein erstes Mal zum Einfamilienhaus umgebaut. Man stellte jedoch fest, dass noch vieles fehlte, was der baubiologisch ausgerichteten Bauherrschaft ein Bedürfnis war. Sie beauftragte daraufhin Architekt Jürgen Kubitza, die gewünschten Veränderungen vorzunehmen. Nicht nur das Gebäude, sondern auch der großzügige Gartenbereich sollte verändert werden.

Ein Ort der Idylle und Entspannung entsteht

Grundsatz der Entwurfsplanung war der Erhalt des ursprünglichen Konzeptes aus den späten fünfzigern. konzeptionell wichtig war uns die Ergänzung der "Innenecke" des Gebäudes zur Optimierung des Außenflächen – Volumen – Verhältnisses. Hier würde der große hölzerne Glasanbau entstehen, welcher zum einen die Erweiterung des Ess- und Wohnbereiches darstellt und im unteren Geschoss der Ruhe- und Meditationsbereich der Eigentümerin wird.

Innenraum oder Außenraum oder beides?

Dem besonderen Etwas des Gebäudes und seinem Anbau gelten ein paar besondere Worte: im Wohn- und Essbereich gibt es zwischen Alt und Neu ein verglastes Atrium mit Wasserbecken und Bambuspflanzung, gerahmt von einem Holzrost. Eine zusätzliche Klimazone, welche sich im Sommer als Ruheraum zum Liegen, Kaffeetrinken oder Fußbaden ausserordentlich eignet, aber auch, um den daran anschließenden großzügig verglasten Wohnbereich zu klimatisieren, d. h. kühlere Abendluft hinein zu lassen.

Mediterane Atmosphäre

Dem Untergeschossbereich wurde ebenfalls ein Wasserbecken zugeordnet. Mit seinen Lichtreflexen taucht es den Raum spielerisch in eine besondere, fast mediterane Atmosphäre. Es sind manchmal nur kleine Dinge, welche aber zusammen genommen einen anhaltenden und positiven Effekt ergeben.

Plätze zum Ruhen und Entspannen

Das Atrium, das sonnenbeschienene Wasserbecken mit dem Lavendelbecken - wohlgemerkt nicht protzig groß - aber in Proportion angenehm und ausreichend, das quadratische japanische Pflanzbeet mit den Spitzahornbäumen, eingesäumt von einem U-förmig angelegten Douglasierost, die Frühstücksterrasse über der großen Mainsandsteinmauer aus heimischen Material mit dem Blick auf den kleinen Teich, wo sich heimische Fischarten tummeln, die dann und wann vom Graureihern in ihrer Population beschränkt werden.

Eine klare, geradlinige Formensprache beherrscht die Innenräume.

Es müssen nicht immer die von der Natur gegebenen Rundungen sein, um zu einer baubiologischen Lebensform und Weise zu gelangen. Es gilt das wesentliche in seiner Form, seinem Material, Charakter und dessen Farbigkeit zu ergründen und es oft einfach "sein" zu lassen. Jeder Mensch hat hierzu seine eigene Empfindung und seinen Weg.

Ein Appell des Architekten

"Wir sollten uns in erster Linie mit unserem Auftrageber verständigen und seine Bedürfnisse weitestgehend versuchen zu verstehen und umzusetzen." Ein Beispiel hierfür ist die knallrote Wand an der Innenseite der nördlichen Außenwand des Esszimmers. Diese dient zusätzlich als Isolierung und Speichermasse für Wärme im Winter. Sie wurde aus massiven Klinkern handwerklich gemauert und mit Lehm verputzt. Dieser wurde dann mit Biolack endbehandelt." In dieser Wand sind drei Nischen, ausgekleidet mit geöltem Eichenholz und von oben beleuchtet, "hineingestanzt". Objekte der jeweiligen Jahreszeit werden so inszeniert. Nur ein Beispiel für die Möglichkeiten der Raumgestaltung.

Gelungene Integration des Anbaus

Bei der Gesamtkonzeption war es zum einen wichtig, die Integration des neuen Anbaus in die Natur des Grundstückes sinnvoll an den bestehenden Gebäudeteil zu vollziehen, d.h. einen nicht "störenden" Eingriff durchzuführen und eine Selbstverständlichkeit zu schaffen. Sinnvoll ergänzt heißt auch, die Senkung des Gesamtenergiekostenverbrauchs durch kostenlose Wärme mittels großzügiger Verglasung und Verbesserung des A/V-Verhältnisses.

Auswahl der Baumaterialien nach baubiologischen Kriterien

Die Hauptkonstruktion besteht aus einer vorgetrockneten Holzkonstruktion aus heimischen Hölzern komplett mit Wärmeschutzglas ausgefacht. Diese wurde auf eine konventionell erstellten, minimiert bewehrten Bodenplatte gestellt. Erforderliche Entwässerungsleitungen wurden PVC-frei verlegt. Die Zwischendecke wurde als Ziegelelementdecke ausgeführt und auf die Tonziegelwände aufgelegt. Die Dachdämmung besteht aus Zellulosefaserdämmung, borsalzfrei, mit Weichfaserplatte paraffiniert. Die Fußböden sind mit Lagerhölzern und Zellulosedämmung konstruiert und mit heimischen Kastaniendielen belegt, anschließend geölt. Die Innenräume des Anbaus wurden homogen mit Lehmputz ohne Anstrich mit starker Kellenstruktur ausgeführt.

Abgeschirmte Elektroinstallation

Wie der Rest des gesamten Gebäudes ist die gesamte Installation mit abgeschirmten Kabeln und Netzfreischaltern ausgestattet. Der nächste Schritt wird wohl die große Solaranlage auf der Südseite des Daches sein, denn die Leitungen liegen bereits. Auch ein Schwimmteich wird hoffentlich bald seinen Platz in Verbindung mit dem vorhandenen Biotopteich finden.

Dipl.-Ing. (FH) Architekt Jürgen Kubitza aus Kleinheubach führt alle Arbeiten auf dem Gebiet der Architektur, Denkmalpflege und Städtebau aus. Als Baubiologe (IBN) leitet er eine Beratungsstelle für gesundes Bauen und Wohnen. Zudem ist als Energieberater tätig.