Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 23.09.2017

 

Fünf Bohrlöcher für tausend Euro

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Fünf Bohrlöcher für tausend Euro
19.06.2017 - Der Baubiologe Oliver Zenkel schaut verwundert auf die Löcher in der Wand, die wenige Zentimeter über der Sockelleiste frisch gebohrt sind. Zusammen mit Susanne Planer*) steht er im Wohnzimmer der Kundin. Sie hatte den Fachmann gerufen, weil sich an mehreren Stellen in den Wandecken Schimmel bildete. Zenkel sollte eine Luftkeimsammlung durchführen und anschließend die Nährböden im Labor untersuchen lassen. Im Zuge der Probenahme erzählte die Kundin, wie es zu den Löchern in der Wand gekommen war. "Über tausend Euro hätte diese Aktion gekostet", so Frau Planer.

Eine Sanierungsfirma für Feuchteschäden war am Werk

Bevor die Bewohnerin den Baubiologen einschaltete, hatte sie eine Sanierungsfirma für Feuchteschäden damit beauftragt, die Wand zu untersuchen und eine Lösung anzubieten. Ein Mitarbeiter des Unternehmens traf eine Woche nach dem Telefonat ein und untersuchte die Wand. Frau Planer erhielt die Auskunft, dass Teile der Wand feucht seien und saniert werden müssten. Die Problemlösung stand kurzer Hand bereit: eine chemische Flüssigkeit wurde in fünf Bohrlöcher injekziert.

Die Kontrollmessung konnte keine aufsteigende Feuchtigkeit feststellen

Baubiologe Zenkel untersuchte die Innenwand noch einmal gründlich mit seinem elektronischen Feuchtemessgerät und kam zum Ergebnis, dass in der Wand keine aufsteigende Feuchtigkeit zu erkennen war. Der relativ geringe Schimmelbefund hatte andere Ursachen: eine Innendämmung war an dem Natursandstein-Mauerwerk unsachgemäß angebracht. Zusätzlich sorgte eine dichte Tapete über der Gipskartonplatte dafür, dass der eingedrungene Wasserdampf nicht ablüften konnte. Der Baubiologe schlug vor, die Tapete abzulösen, die defekte Innendämmung durch ein geeignetes Material zu ersetzen und anschließend die Oberfläche mit einer Kalkfarbe zu streichen. Die Mauerinjektion erwies sich in diesem Fall nicht als die richtige Methode.

Begutachtung und Sanierung in einer Hand als Nachteil für den Kunden

Sanierungsfirmen locken in ihren Werbeanzeigen gerne mit dem Angebot, bei Schimmelbefall eine kostenlose Bestandsaufnahme durchzuführen. Darin liegt das Risiko für den Kunden. Der Berater vor Ort hat hohes Interesse an dem lukrativen Auftrag. Der Gedanke liegt nahe, dass die Feuchtemessung Ergebnisse zeigt, die im Sinne der Sanierungsfirma liegen. Diesen Ablauf bestätigt auch Frau Planer: "Der Monteur kam in die Wohnung, führte einige Messungen durch und erklärte dann der Kundin, dass man da etwas machen müsse …". Einige Tage später lag das Angebot auf dem Tisch. Nachdem die Kundin den Auftrag erteilt hatte, standen kurz darauf die Bohrungen an und anschließend die Mauerinjektion.

Die Messprotokolle sollten schriftlich vorliegen

Der Kunde muss darauf bestehen, dass die Messungen dokumentiert werden. Ansonsten ist die Auftragserteilung abzulehnen. Auf dem Protokoll ist zu vermerken, wo gemessen wurde, welches Verfahren Anwendung fand und wie hoch der Durchfeuchtungsgrad der Wand ist. Eine Kontrollmessung nach Durchführung der Sanierung liefert die Basis dafür, ob die vorgeschlagene Maßnahme das Schimmelproblem des Kunden erfolgreich gelöst hat. Neben der eigentlichen Messung sind auch die objektbezogenen Randbedingungen festzuhalten, z.B. Baukonstruktion, Regelquerschnitt, Homogenität des Baumaterials. Es liegt auf der Hand, dass diese wichtige Bestandsaufnahme nicht in wenigen Minuten erfolgen kann.

Link

http://bss-schimmelpilz.de/experten/

*) Name geändert

Bildquelle: shutterstock.com