Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 24.06.2017

 

Fogging ist weiblich

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Fogging ist weiblich
30.03.2017 - Unter Fogging versteht man die geisterhaften Schwarzstaubablagerungen, die teilweise über Nacht in Wohnungen auftreten können. Die öligen, schmierigen Beläge an Wänden und Möbeln lassen sich nur mit großem Aufwand reinigen. Diplomchemiker Martin Wesselmann aus Hamburg sieht bei den Betroffenen eine geschlechtsspezifische Problemgruppe. In 62% der von Wesselmann untersuchten Haushalte wohnten Frauen und in 33% Paare oder Familien. Nur 5% waren reine Männerhaushalte. Die übermäßige Verwendung von Kerzen und Teelichtern sei die Hauptursache für den Schwarzstaub. Die geschlechtsspezifische Zuweisung der Ursachen beruht auf 132 untersuchten Wohnungen.

Nikotin und Weichmacher sind rückläufig

Martin Besselmann vergleicht die Untersuchungsreihen aus dem Jahr 2006 mit denen aus dem Jahr 2016. Auffällig ist ein starker Rückgang von Nikotin und Weichmachern (Phthalate). Nahezu konstant blieben die Paraffine. Die Untersuchung von Wischproben gibt nachweislich Rückschlüsse auf den Gebrauch von Kerzen und Teelichtern in den untersuchten Wohnungen. Obwohl Paraffine auch in Wandfarben und in Oberflächenbeschichtungen von Möbeln vorkommen, lässt sich ein Zusammenhang mit Fogging nicht belegen. Denn dann müssten weit mehr Wohnungen Probleme mit Schwarzstaubablagerungen haben. Besselmann hat in den Haushalten auch eine intensive und häufige Anwendung von Körperpflege- und Reinigungsmitteln vorgefunden. Teelichter wurden nicht selten zusammen mit Räucherstäbchen und Duftölen verwendet.

Es kommt zu foggingrelevanten Partikelgrößen

Durch Verbrennungsvorgänge von Kerzen und Teelichtern entstehen ultrafeine Partikel mit einer Größe von weniger als hundert Nanometern. Diese feinen Partikel verklumpen sich zu größeren Einheiten und verteilen sich durch Luftströme in den Räumen. An den schwarzen Wänden wurden schließlich Partikelgrößen von zwei bis drei Mikrometern (PM2,5) gefunden. Die Begleiterscheinungen für die Ablagerungen sind noch nicht restlos geklärt. Eine bedeutende Rolle spielen unterschiedlich temperierte Räume und unterschiedlich hohe Oberflächentemperaturen der Wände und Decken. Die Temperaturdifferenzen treten auf, wenn Räume nicht gleichmäßig beheizt werden oder wenn ein Raum durch gekippte Fenster im Winter zu stark auskühlt. Kalte Oberflächentemperaturen entstehen zum Beispiel durch eine mangelhafte Wärmedämmung in Altbauten. Teilweise werden Schwarzstaubablagerungen über Heizkörpern beobachtet. Dann besteht die Vermutung, dass in diesen Fällen die Vorlauftemperaturen zu hoch sind.

Quellenangaben

Martin Wesselmann: "Das Phänomen der schwarzen Wohnungen" in AGÖF-Tagungsband 2016, ISBN 978-3-930576-10-4
Zwiener/Mötzl: Ökologisches Baustofflexikon. Verlag C.F. Müller
Bildquelle: shutterstock.com ID 156100877