Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 21.08.2017

 

Elektrosmog kein Thema beim Projekt Oberleitungs-LKW

Share on Facebook Share on Twitter Share on Google+
Elektrosmog kein Thema beim Projekt Oberleitungs-LKW
16.02.2017 - Ein innovatives Projekt braucht einen kernigen Namen. Die Siemens AG bezeichnet ihre Entwicklung mit den strombetriebenen Lastkraftwagen per Oberleitung als "eHighway". Bereits seit 2011 lassen die Siemensingenieure Brummis auf einer Teststrecke in der Uckermark unterhalb einer Stromleitung fahren. Die Technik ist nun soweit ausgereift, dass die Hybridfahrzeuge auf zwei Autobahnabschnitten unter realen Verkehrsbedingungen getestet werden sollen. Je sechs Kilometer Fahrtstrecke in Schleswig-Holstein und in Hessen erhalten innerhalb der nächsten zwei Jahre Oberleitungen auf der rechten Fahrspur in beiden Richtungen. Bei aller Technikeuphorie wurde bisher jedoch in keiner Veröffentlichung das Thema "Elektrosmog im Führerhaus" angesprochen.

Zusammenfassung der Projektidee

Das Bundesministerium für Umwelt unterstützt das Projekt aus dem Fördertopf "Erneuerbar Mobil". Bereits 2014 hatte die Bundesregierung beschlossen, im Rahmen des Aktionsprogramms Klimaschutz einen Feldversuch mit Oberleitungs-LKW (O-LKW) durchzuführen. Eine Teststrecke wird auf der A1 zwischen Rheinfeld und Lübeck eingerichtet; der zweite Abschnitt soll auf der A5 zwischen Darmstadt-Nord und der Anschlussstelle Zeppelinheim/Cargo City Süd des Frankfurter Flughafens verlaufen. Die gesamte Strecke umfasst jeweils 25 Kilometer, davon sechs Kilometer mit einer Oberleitung. Die Strecke ohne Oberleitungen sollen die Transporter mit einem Akku zurücklegen oder auf einen Dieselmotor zurückgreifen.

So ist die Stromzufuhr technisch gelöst

Siemens zeigt auf seiner Webseite mit einem Video sehr schön auf, wie der Strom von der Oberleitung zum LKW gelangt. Im Gegensatz zur Eisenbahn mit ihren Stahlrädern und den leitenden Schienen muss der Lastwagen den Hin- und Rückfluss des Stroms in der Oberleitung bewerkstelligen. Die Spannung ist zwar geringer als bei der E-Lok, beträgt aber immerhin 600 Volt. Der seitlich verschiebbare Stromaufnehmer aus Aluminium fährt bei Bedarf aus und berührt die Oberleitung. Der ganze Dachaufbau macht ständig leichte Bewegungen nach links und rechts, damit sich die Kohleleiste unter dem gespannten Fahrdraht gleichmäßig abnutzt. Setzt der Fahrer des Lastwagens vor dem Überholen den Blinker, zieht die Elektronik den Stromaufnehmer ein, schaltet den Akku ein oder startet den Dieselmotor. Der Strom fließt hinter dem Führerhaus hinab zum Elektromotor, der sich hinter dem Verbrennungsmotor zwischen den Achsen befindet. Der Energiefluss treibt nicht nur den Motor an, sondern lädt auch die darüber liegende Batterie auf.

Das Arbeitsschutzgesetz lässt extrem hohe Grenzwerte für magnetische Wechselfelder zu

Sobald Strom durch einen Leiter fließt, entstehen magnetische Wechselfelder. Je mehr Strom fließt, desto höher sind die Magnetfelder. Die Ingenieure des eHighway-Projekts sollten deshalb darauf achten, dass die Kabel für den Hin- und Rückfluss vom Stromabnehmer zum Elektromotor so dicht wie möglich zusammen liegen, um das magnetische Feld zu minimieren. Inwieweit die Führerkabine durch spezielle Metalle abgeschirmt ist, geht aus den bisher bekannten Veröffentlichungen nicht hervor. Bisher sind nicht einmal Messwerte aus dem Fahrerraum bekannt. Zugute kommen den Projektverantwortlichen die extrem hohen Grenzwerte für elektromagnetische Felder in Deutschland. Am Arbeitsplatz darf die magnetische Flussdichte über einen Zeitraum von acht Stunden betrachtet von 424.000 Nanotesla (nT) nicht überschritten werden. Dies ist ein unverständlich hoher Wert im Hinblick auf aktuelle Forschungsergebnisse. Denn die Forschungskommission zu elektromagnetischen Feldern am Arbeitsplatz im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales kam zu völlig anderen Ansätzen. Der Abschlussbericht aus dem Jahr 2011 sah vor, dass der untere Auslösewert im Frequenzbereich zwischen 25 Hertz und 1000 Hertz bei 660 Nanotesla liegen sollte, der obere Auslösewert bei 1.920 Nanotesla. Die Richtwerte für Bildschirmarbeitsplätze fallen noch niedriger aus. Die TCO-Norm sieht einen Richtwert von 200 Nanotesla vor.

Links

Projekt "eHighway"
Animation einer LKW-Fahrt mit Oberleitung
Projekt O-LKW des Bundesministerium für Umwelt
Vorstellung der Verbundstudie StratON
Forschungsbericht zu elektromagnetischen Feldern am Arbeitsplatz
Grenzwerte für EMF am Arbeitsplatz

Bildquelle: Siemens AG www.siemens.com/press/de/feature/2015/mobility/2015-06-ehighway.php?content[]=MO Vorstellung