Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 25.09.2017

 

Die Nase als Sensor

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Die Nase als Sensor
19.12.2013 - Unangenehme Gerüche in Innenräumen, die von der Bausubstanz oder von der Einrichtung ausgehen, sind oft Anlass von gerichtlichen Auseinandersetzungen. Chemisch-analytische Messverfahren führen nicht immer zu einer Klärung der Ursachen. Der menschliche Geruchssinn ist in vielen Situationen der Laboranalytik überlegen. Für eine gerichtstaugliche Anwendung muss die sensorische Geruchsprüfung aber systematisch und nachvollziehbar ablaufen. Der AGÖF-Leitfaden "Gerüche in Innenräumen – sensorische Bestimmung und Bewertung" mit Stand 25.9.2013 liefert auf 67 Seiten eine wichtige Handlungsanleitung.

Der Mensch im Mittelpunkt

Das menschliche Geruchsvermögen ist individuell sehr verschieden. Deshalb wird die Geruchsbestimmung bei wichtigen Anlässen von mehreren Personen, sogenannten Panels, durchgeführt. Das Panel wird von einem Fachmann für Innenraumschadstoffe geführt. Die Mitglieder sind geschult und ihre Riechfähigkeit ist durch verschiedene Tests nachgewiesen. Wichtig sind Geruchsempfindlichkeit und die Fähigkeit, ähnliche Gerüche voneinander zu unterscheiden. Mit zunehmendem Training wird sich bei den Prüfern das Geruchsgedächtnis immer mehr verbessern. Die Anzahl der Prüfer kann je nach Aufgabenstellung drei bis zehn und noch darüberhinaus betragen.

Deshalb wird das Geruchspanel gerufen

Bei gerichtlichen Ausseinandersetzungen ist das Streitobjekt oft die Qualität der Innenraumluft. Ursachen können bauliche Maßnahmen oder der Kauf neuer Möbel sein. Das Geruchspanel muss anhand nachfolgend definierter Kriterien entscheiden, ob der Geruch dem "üblichen" entspricht oder ob ein Mangel vorliegt. Ein weiterer Einsatzpunkt für Panels ist die Quellensuche von Gerüchen und die Kontrolle nach einer erfolgten Sanierung.

Kriterien für die Geruchsprüfung

Der AGÖF-Leitfaden schlägt zur Beurteilung der Geruchsqualität folgende Kriterien vor: Die Prüfung der Geruchsintensität mittels Kategorieskalen unter Hinzuziehung eines Kalibrierstandards. Die Kategoriestufen bewegen sich von Null = geruchlos bis fünf = sehr starker Geruch. Dazwischen sind Abstufungen in 0,25-Schritten möglich. Ein weiteres Kriterium ist die Prüfung der Hedonik. Der Prüfer muss den Geruch zwischen +4 = äußerst angenehm bis -4 = äußerst unangenehm bewerten. Als drittes wird die "Akzeptanz" bewertet, d.h. wie zufrieden ist die Prüfperson mit dem Umgebungszustand eines Raumes, wobei die Nutzungsart und weitere Rahmenbedingungen zu beachten sind. Diese Frage ist mit akzeptabel oder nicht akzeptabel zu beantworten. Aus allen Einzelbeurteilungen wird die Gesamtbeurteilung erarbeitet. Sollte das Ergebnis nicht eindeutig sein, sind weitere Prüfungstermine mit dem Panelteam durchzuführen oder die Anzahl der Teilnehmer zu erhöhen.

Kostenloser Download des AGÖF-Leitfadens

Der AGÖF-Leitfaden zur sensorischen Geruchsbestimmung ist als kostenloser Download unter folgender Webseite erhältlich:
http://www.agoef.de/orientierungswerte/agoef-geruchsleitfaden.html