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Bayreuth, 18.11.2017

 

Die Bestrahlungsstärke in Sonnenstudios ist zu hoch

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23.09.2007 - Die Deutschen sind Europameister bei der künstlichen Besonnung. Rund 12 Millionen Bürgerinnen und Bürger nutzen Solarien. Doch die Bestrahlungsstärke in deutschen Sonnenstudios ist zu hoch. Astrid Klug, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, kündigte daher gestern ein gesetzliches Nutzungsverbot von Sonnenstudios für Kinder und Jugendliche an und forderte die Betreiber von Sonnenstudios auf, ihre Einrichtungen nach den Kriterien des Bundesamtes für Strahlenschutz zertifizieren zu lassen.

Ausserdem muss die Bestrahlungsstärke der Geräte an den neuen europäischen Grenzwert angepasst werden (0,3 W/m2). „UV-Strahlung erhöht das Hautkrebsrisiko. Daher begrüßen wir jede Initiative, die dazu beiträgt, die UV-Belastung der Menschen zu verringern“, sagte Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe.

Die UV-Strahlung, der Besucher von Sonnenstudios ausgesetzt sind, stellt ein zusätzliches Gesundheitsrisiko zur natürlichen UV-Strahlung der Sonne dar. „Kinder und Jugendliche haben in Sonnenstudios nichts zu suchen. Gerade Kinder sind besonders anfällig für die negativen Wirkungen der UV-Strahlung.

Durch die Exposition im Kindes- und Jugendalter wird das Risiko, später an Hautkrebs zu erkranken, stark erhöht. Deswegen wollen wir im neuen Umweltgesetzbuch den Solarien-Besuch für Kinder und Jugendliche verbieten“, sagte Staatssekretärin Astrid Klug. Zugleich sollen europaweite einheitliche Grenzwerte für die UV-Strahlung in Höhe von 0,3 W/m2 in neuen und alten Solarien umgesetzt werden.

Aus Sicht der Deutschen Krebshilfe besteht dringender Handlungsbedarf: „Die Zahl der Hautkrebsfälle steigt in Deutschland kontinuierlich an: Mit derzeit ca. 140.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Hautkrebs die häufigste Krebserkrankung“, so der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, Gerd Nettekoven. „Wir informieren die Bevölkerung gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention daher umfassend über die Möglichkeiten, sich vor der UV-Strahlung zu schützen, um das individuelle Krebsrisiko nicht zu erhöhen.“

Ein „Geprüftes Sonnenstudio“ nach den Kriterien des Bundesamts für Strahlenschutz bietet seinen Kunden eine Beratung und die Einhaltung von Hygienevorschriften sowie die Begrenzung der Bestrahlungsstärke von Solarien. Das freiwillige Zertifikat ist ein erster Schritt auf dem Weg zu mehr Schutz im Sonnenstudio.

„Doch das Zertifikat ist kein Freibrief“, warnt Professor Dr. Eckhard Breitbart von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). „Nach wie vor raten wir – so wie alle Strahlenschutz-Experten weltweit – dringend davon ab, künstliche UV-Strahlung zu kosmetischen Zwecken zu nutzen.“

Bundesweit startet heute eine Initiative, um die Sonnenstudio-Betreiber zu motivieren, ihre Studios nach den Kriterien des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zertifizieren zu lassen. Unter Beteiligung der Verbände der Solarienindustrie werden Informationsmaterialien an alle Betreiber verschickt. Begleitet wird diese Aktion von einer Umfrage, denn bislang war das Interesse der Betreiber an der freiwilligen Zertifizierung gering: von 2003 bis 2007 haben sich nur etwa 100 von den insgesamt 7.500 Sonnenstudios um das Zertifikat bemüht. Die Ergebnisse der Umfrage werden bei einem internationalen Kongress im Oktober in Hamburg vorgestellt.

Staatssekretärin Klug: „Schon jetzt sagen wir jedem, der ein Sonnenstudio aufsuchen will:
Besuchen Sie nur die Solarien, die das Siegel ‚Geprüftes Sonnenstudio’ tragen und entsprechend zertifiziert sind.“

UV-Strahlen – ein Dauerbrenner

In Deutschland beginnen bereits 12-Jährige damit, ihre Haut in Solarien zu bräunen. Besonders Mädchen gehen häufig auf die Sonnenbank. Ein gefährlicher Trend, denn UV-Strahlung bewirkt gerade bei jungen Menschen genetische Veränderungen in den Hautzellen, aus denen sich im Laufe des Lebens Hautkrebs entwickeln kann. In deutschen Sonnenstudios sind derzeit Solariengeräte im Gebrauch, deren Bestrahlungsstärke teilweise weit über der natürlichen UV-Intensität der Mittagssonne am Äquator liegt. Auch der neue europäische Grenzwert 0,3 W/m2 entspricht immer noch dem höchsten UV-Index von 12. Für diesen natürlichen UV-Index empfiehlt die WHO den Aufenthalt in Gebäuden. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention setzen sich für eine Zertifizierung von Sonnenstudios ein. Ein Solarienverbot für unter 18-Jährige, wie es z.B. bereits in Frankreich und Spanien gilt, wird jetzt auf den Weg gebracht.

Autor: Deutsche Krebshilfe e.V.

Nachrichtenquelle: http://www.umweltjournal.de/fp/archiv/AfA_gesundheit/13012.php