Baubiologie und Oekologie

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Bayreuth, 17.11.2018

 

Deutschlands erstes Bioenergiedorf

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25.12.2003 - (eco-news)"Bioenergiedorf Jühnde - einmalig in Deutschland" steht am Ortseingang auf einem gelben Schild mit grüner Aufschrift. Das 1000-Seelen-Dorf liegt südlich von Göttingen. Einmalig ist, dass die Einwohner von Jühnde schon in wenigen Jahren ihren gesamten Strom- und Wärmebedarf aus nachwachsenden Rohstoffen gewinnen wollen.

Der 43-jährige Betriebswirt Volcker Ruwisch vom Interdisziplinären Zentrum für Nachhaltige Entwicklung an der Universität Göttingen ist Leiter des Jühnder Projektes. Er sagt: "Wir wollen beweisen, dass es nicht nur technisch möglich ist, dass ein ganzes Dorf einen Energiebedarf selbst aus nachwachsenden Rohstoffen herstellt, sondern dass das Projekt auch durchsetzbar ist, wenn die ganze Bevölkerung dahinter steht."

Der SPD-Bundestagsabgeordnete und langjährige Chef des Wuppertal Instituts Ernst Ulrich von Weizsäcker hat die Patenschaft für das Projekt übernommen. Zunächst einmal haben sich viele Dorfbewohner über die Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen schlau gemacht. Jetzt kann man ihnen kein x mehr für ein u vormachen.

Das Vertrauen zwischen Fachleuten der Uni Göttingen, den Bauern und Dorfbewohnern von Jühnde und den Handwerkern ist nach einer schwierigen Anfangsphase heute sehr gut. Geplant ist eine Biogasanlage, die mit 10.000 Kubikmetern Gülle und mit 2.200 Tonnen Trockenmasse im Jahr laufen wird. Auf 150 Hektar sollen Energiepflanzen angebaut werden. Die Biogasanlage wird mehr Strom erzeugen als im Dorf gebraucht wird.

Das mit Biogas angetriebene Blockheizkraftwerk wird etwa 60 Prozent des Wärmebedarfs in das Fernwärmenetz einspeisen. Im Winter wird dann noch zusätzlich ein Holzhackschnitzelkraftwerk arbeiten. Für nur wenige ganz kalte Tage steht dann noch ein Ölkessel in Reserve.

70 Prozent der Haushalte von Jühnde haben bereits zugesagt, ihre Wärme aus dem Wärmenetz zu holen. Volker Ruwisch rechnet vor, dass sich die neue Wärmeenergie auch wirtschaftlich lohnt. Drei Millionen Euro von 4,5 Millionen Gesamtkosten will die Dorfgemeinschaft selbst aufbringen - es soll "ihre" Bioversorgung werden.

Alles aus einer Hand: Modell des Bio-Kraftwerks Jühnde

Die Bauern liefern Rohstoffe an die Silageplatte (1) und die Vorgrube für Gülle (2). Der Fermenter (3) - Fassungsvermögen etwa 2.600 Kubikmeter - vermischt mit einem senkrecht stehenden Rührwerk das Substrat. Hier wird es etwa 40 bis 50 Tage im mesophilen Bereich bei rund 35 bis 38 Grad vergoren. Während das Substrat als hochwertiger Dünger in den zwei Behältern (5) zwischenlagert wird, sammelt sich das Gas im Gasspeicher (4) über Nachgärbehälter, ehe es in dem Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einer Leistung von 500 Kilowatt (6) verstromt wird. Im Trafohäuschen (7) wird der Strom ins Netz gespeist.

Den erhöhten Wärmebedarf im Winder deckt ein Holzhackschnitzel-Heizwerk (8) ab. Die 600-kW-Anlage mit einem Jahresnutzungsgrad von 83 Prozent braucht etwa 500 Tonnen Schnitzel im Jahr. Die werden von einem Jühnder Waldbesitzer direkt in die angrenzende Lagerhalle (9) geliefert. Für besonders kalte Tage steht neben dem Holzhackschnitzel-Heizwerk ein Ölkessel mit einem Öllager in Reserve.

Artikel von Dr. Franz Alt in Eco-News







 


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