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Bayreuth, 19.11.2017

 

Der elektromagnetische Schnitt - Quer durch Niedersachsen

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Der elektromagnetische Schnitt - Quer durch Niedersachsen
02.10.2009 - Über Niedersachsen wird Anfang Oktober ein Helikopter mit einem großen, merkwürdigen Gerüst im Schlepptau seine Bahnen ziehen. Eine 2 km breite und 150 km lange durchgehende Trasse von der Nordsee bis zum Mittelgebirge wird beflogen. Diese Aktion ist Teil eines großflächigen geophysikalischen Projektes zur Grundwasserforschung des Leibniz-Instituts für Angewandte Geophysik (LIAG, Hannover).

Im Auftrag des Instituts führt eine dänische Firma die Messungen durch. Die Messtrasse tangiert unter anderem folgende Orte: Esens, Wiesmoor, Apen, Barßel, Saterland, Friesoythe, Lastrup, Quakenbrück, Ankum und Westerkappeln - siehe auch Lageplan - Anlage.

Das Ziel

Diese elektromagnetische Vermessung des Untergrundes ermöglicht neue geowissenschaftliche Einblicke bis in ca. 200 m Tiefe. Die dabei entstehenden dreidimensionalen Informationen sind vielfältig nutzbar und von großem Wert für Forschung und Landesplanung. Vorrangiges Ziel der Messungen ist ein klareres Verständnis der Grundwasserverhältnisse und die Abgrenzung zwischen Salz-/Süßwasser im Untergrund. Auch die Schutzfunktion des Bodens gegen Grundwasserverschmutzung kann quantifiziert werden. Für Niedersachsen soll erprobt werden, mit welchem Kenntnisgewinn das Erkundungsverfahren in der norddeutschen Geologie eingesetzt werden kann.

Das Messverfahren

Ein Hubschrauber trägt an einer Stahltrosse ein 30 m langes und 20 m breites, sechseckiges Fluggerüst in dem sich eine Sendespule befindet. Sie sendet elektromagnetische Impulse aus, die im Untergrund kurzzeitig sehr schwache elektrische Ströme erzeugen. Eine hochempfindliche Empfängerspule, die ebenfalls am Fluggerüst angebracht ist, nimmt die Wirkung dieser Ströme im Untergrund wahr. Langsam und in geringer Höhe wird das Messgebiet beflogen.

Als Ergebnis erhalten wir zunächst Informationen über die elektrische Leitfähigkeit des Untergrundes, manchmal sogar bis in Tiefen von mehreren hundert Metern. Die Ergebnisse werden weiter ausgewertet und geben dann gute Hinweise auf Grundwasser führende Sande oder auf wasserundurchlässige Tone und Mergel. Durch die elektrische Leitfähigkeit lässt sich auch süßes Trinkwasser von versalztem Wasser unterscheiden. Das Messverfahren heißt "Transienten Elektromagnetik - TEM". Und weil es aus der Luft eingesetzt wird es "SkyTEM" genannt.

Das Mess-System "SkyTEM" wurde von Wissenschaftlern an der Universität Århus entwickelt. In Dänemark wird es bereits erfolgreich zur Erkundung von Grundwasservorräten eingesetzt. Häuser und Stallanlagen werden nicht überflogen. Von der Technologie gehen keine Gesundheitsgefahren aus; das durch die Spule erzeugte Magnetfeld ist um ein Vielfaches kleiner als, z.B., das durch die Stromleitungen der Eisenbahn erzeugte Feld. Die Messungen erfolgen im Einvernehmen mit dem Niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie.

Die vollständige Pressemeldung des Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik, Stilleweg 2, 30655 Hannover ist unter folgendem Link abrufbar:

http://idw-online.de/pages/de/news336370