Baubiologie und Oekologie

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Bayreuth, 23.11.2017

 

Das Leben ohne Auto im Freiburger Stadtteil Vauban hat sich bewährt

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Das Leben ohne Auto im Freiburger Stadtteil Vauban hat sich bewährt
11.11.2003 - Die Studie vom Forum Vauban, Öko-Institut e.V und DLR zeigt Vorteile, aber auch Schwachstellen des Verkehrskonzepts auf.

Wie bewährt sich das Verkehrsprojekt im Freiburger Stadtteil Vauban in der Praxis? Was funktioniert schon sehr gut, wo müssen noch Schwachstellen behoben werden? Antworten auf diese Fragen gibt eine neue Studie, die sich das Leben ohne Auto in dem Freiburger Stadtteil angesehen hat und die jetzt veröffentlicht wird.

Fazit der Studie: Der Erfolg des Verkehrskonzepts ist deutlich zu spüren und durch die Ergebnisse im Rahmen der vorliegenden Studie auch wissenschaftlich belegt. Im Freiburger Stadtteil Vauban wurde ein lebenswertes und familienfreundliches Wohnumfeld geschaffen.

Das Forum Vauban hat die praktische Arbeit vor Ort vom Juli 2001 bis zum Juli 2003 vorgenommen. Zudem haben das Öko-Institut e.V. in Freiburg und das Berliner Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) mitgearbeitet. Das Projekt wurde finanziell von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit rund 52 000 Euro gefördert.

Der Hintergrund der Untersuchung: "Die Entscheidung im Freiburger Gemeinderat für ein Konzept, das den Autoverkehr im Stadtteil Vauban reduziert, fiel sehr knapp aus", erinnert Jörg Lange vom Forum Vauban. "Bis heute werden grundsätzliche Bedenken gegen das Verkehrskonzept laut ", sagt auch Willi Loose, Leiter des Arbeitsfelds Verkehr im Öko-Institut. Die Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass das Konzept funktioniert.

Zu den wichtigsten Ergebnissen gehört:

Das Straßenbild in den Wohnstraßen des Vauban ist geprägt von spielenden Kindern. Dies konnte nur erreicht werden, weil der Motorisierungsgrad nach Berechnungen des DLR bei lediglich 150 Pkw pro 1000 Einwohnern liegt. Zum Stichtag im Frühjahr 2003 lebten 3300 Einwohner in dem Stadtteil. In ganz Freiburg liegt die Motorisierungsquote bei 446 Pkw pro 1000 Einwohner (Stand: Januar 2000).

Bei den meisten BewohnerInnen des Stadtteils hat mit beziehungsweise kurz vor dem Einzug in Vauban eine einschneidende Änderung ihres Mobilitätsverhaltens stattgefunden. Denn es handelt sich bei den BewohnerInnen in Vauban nicht etwa überwiegend um Familien, die schon seit langem kein Auto mehr besitzen. Bei einer im Mai 2002 vom DLR vorgenommenen Befragung gaben 57 Prozent der Haushalte ohne Auto an, dass sie ihr Auto erst mit dem Einzug in Vauban abgeschafft haben. Weitere 16 Prozent sagten, dass sie in einer Zeitspanne von bis zu fünf Jahren vor dem Einzug das Auto abgeschafft haben. Der Ansatz, autofreie Haushalte bewusst zu fördern, in dem unter anderem finanzielle Entlastungsanreize gegeben werden, hat sich damit bewährt. Das Car-Sharing-Angebot wird überdurchschnittlich gut angenommen: In 39 Prozent der vom DLR befragten Haushalte sind eine oder mehrere Personen Nutzer dieses Angebots. Für rund 350 bis 400 Haushalte im Vauban stehen heute zwölf gut ausgelastete Car-Sharing-Autos zur Verfügung.

81 Prozent der befragten 208 Personen in autofreien Haushalte geben auf einer fünfstufigen Skala an, dass ihnen die Organisation des Alltags ohne eigenen Pkw sehr leicht oder leicht fällt.

Die Schwierigkeiten liegen eher im Detail:

Es gibt bisher noch keine geeignete Lenkung für Besucher, die mit dem Auto anreisen. Die vergleichsweise wenigen öffentlichen Stellplätze sind in den Zeiten, in denen sie nicht bewirtschaftet werden (beispielsweise nachts), oft von Bewohnern belegt. Probleme bereitet das Verkehrskonzept vor allem den Bewohnern mit einem Pkw. So geben nur zwölf Prozent der Autobesitzer an, gar keine Schwierigkeiten zu haben.

Größtes Problem für die Autobesitzer ist der weite Weg zu den Parkgaragen am Eingang des Stadtteils. Hier liegen nach Einschätzung der Wissenschaftler auch deutliche Verbesserungspotentiale für zukünftige Projekte. Es sollten kleinere, näher gelegene automatische Parkgaragen gebaut werden, so die Empfehlung.

Der ausführliche Projektbericht sowie zahlreiche Informationen rund um das Vauban hat das Forum Vauban e.V. jetzt auf einer CD-Rom zusammengestellt. Die auf der CD vorliegende Dokumentation möchte inspirieren und zum Nachahmen sowie zu eigenen Experimenten anregen.

Am Verkehrsthema interessierte BürgerInnen sowie Verkehrsinitiativen, MitarbeiterInnen öffentlicher Verwaltungen, Stadt- und Verkehrsplaner sowie politische Mandatsträger finden eine Vielzahl von Hinweisen auf Beispiele und Ideen. Sie stehen alle unter dem Motto: Wie sich Mobilität vor Ort anders organisieren lässt und gleichzeitig zu mehr Lebensqualität führen kann.

Dabei wird auf zahlreiche Dokumente im pdf-Format verwiesen, die sich, wie der Schlussbericht ebenfalls auf der CD-Rom befinden. Eine aufgezeichnete Radiosendung "Länderzeit" vom 4. Juni 2003 über den Stadtteil Vauban im mp3-format rundet das Informationsangebot auf der CD ab.

Die CD kann ab sofort gegen Rechnung für 15 Euro zuzüglich Versandkosten bestellt werden beim: Forum Vauban e.V., Alfred-Döblin-Platz 1, D-79100 Freiburg, , Fax: 0761/45 68 71-39, E-Mail: post@forum-vauban.de, www.forum-vauban.de

Der Forum Vauban e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit derzeit rund 300 Mitgliedern und als Träger der erweiterten Bürgerbeteiligung für das Vaubangelände von der Stadt Freiburg anerkannt. Mit seinen Projekten trägt der Verein entscheidend dazu bei, dass sich die BewohnerInnen im Quartier wohlfühlen und Vauban als "Nachhaltiger Modellstadtteil" im In- und Ausland auf große Resonanz stößt.

Das Öko-Institut e.V. ist das führende Umweltforschungsinstitut im Bereich der angewandten Ökologie. Es erstellt wissenschaftliche Gutachten und berät PolitikerInnen, Umweltverbände, Institutionen und Unternehmen. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Ansprechpartner:
Jörg Lange, Forum Vauban e.V., post@forum-vauban.de


http://www.forum-vauban.de