Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 27.07.2017

 

Chloranisole als Ursache für schimmlig-muffigen Geruch

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Chloranisole als Ursache für schimmlig-muffigen Geruch
09.01.2012 - Wenn es im Haus schimmelig oder muffig riecht, sind nicht immer Pilze oder Bakterien die Ursache. Bewohner von Fertighäusern aus den siebziger Jahren und früher können ein Lied davon singen: der typische Geruch ist manchmal so penetrant, dass er in der Kleidung und an Einrichtungsgegenständen hängen bleibt. Erst in jüngerer Vergangenheit sind Analytiklabors auf das Phänomen der Chloranisole gestoßen. Bewohner älterer Fertighäuser fragen sich zurecht, ob der unangenehme Geruch aufgrund von Chloranisolen mit einer Gesundheitsgefährdung einhergeht.

Wie unterscheiden sich Chloranisole?

Die wichtigsten Vertreter im Bereich des Bauens und Wohnens sind Trichloranisol (TCA), Tetrachloranisol (TeCA) und Pentachlorphenol (PCA). Sie unterschieden sich chemisch durch die Anzahl der Chloratome.
Bekannt geworden ist TCA vor zwanzig Jahren als bedeutender Verursacher des Korkgeschmacks im Wein. Von der Geruchsintensität her wirkt TCA am stärksten, dann TeCA und am wenigsten intensiv riecht Pentachloranisol. Bisher wurden Geruchsschwellenwerte von Chloranisolen wenig untersucht.
Das AGÖF-Institut hat in einem Eigenversuch folgende Geruchsschwellen ermittelt: TCA = 2, TeCa = 100 und PCA = 200.000 ng/m3. Damit wird deutlich, dass für den typischen "Fertighausgeruch" am wenigsten Pentachloranisol verantwortlich sein kann. In Studien wurde festgestellt, dass die Verursacher eine Kombination von TCA und TeCA sind, wobei Tetrachloranisol in größeren Konzentrationen gefunden wurde.

Wie entstehen Chloranisole?

In Innenräumen werden diese Stoffe nicht direkt eingesetzt, können aber aus chlorierten Verbindungen wie Phenolen, Chlorphenolen oder Chlorbenzolen in Verbindung mit mikrobieller Aktivität entstehen. Schimmelpilze der Gattung Penicillium und Trichoderma oder Bakterien sind daran oft maßgeblich beteiligt. Der Abbau von Pentachlorphenol (PCP) durch eine Pseudomonas-Bakterienart wurde durch Watanabe (1973, nach Fiedler et al. 1996) beschrieben. Auch Trichoderma-Stämme sind bekannt, PCP abzubauen - insbesondere Trichoderma virgatum fördert die Methylierung von PCP zu Pentachloranisol. (Quelle: agoef.de)

Chloranisole geben Hinweise auf Holzschutzmittel

Die Chloranisolgerüche sind häufig in Gebäuden zu finden, in denen Spanplatten des Typs V100G verbaut wurden. Spanplatten mit der Bezeichnung V100 können einem maximalen Feuchtegehalt von 15-18% widerstehen. Der Zusatz "G" weist auf die Verwendung von Holzschutzmitteln im Plattenmaterial hin, die den Einbau bei einer Feuchte von größer 18% ermöglichen. Bei den früher eingesetzten Holzschutzmitteln handelte es sich überwiegend um chlororganische Stoffe wie zum Beispiel Tetra- und Pentachlorphenol (PCP), Lindan (g-Hexachlorcyclohexan), Chlornaphthaline und Dichlofluanid. PCP wirkt fungizid, d.h. pilzhemmend und Lindan ist ein Insektizid.

Probennahme und Analytik

Chloranisole können auf Polyurethanschaum (PUF) adsorbiert, mit Aceton desorbiert, aufkonzentriert, mittels SPE-Technik aufgereinigt, ein Aliquot mittels Kapillar-Gaschromatographie und Elektroneneinfang- bzw. Flammenionisations-Detektor (GC-ECD/FID) analysiert und der Gehalt der interessierenden Substanzen gegen externe Standards quantitativ bestimmt werden. Aufgrund der zu erwartenden geringen Raumluftkonzentrationen muss die Bestimmungsgrenze des analytischen Verfahrens sehr niedrig sein, um eine zuverlässige Detektion im Bereich der Geruchsschwellen zu gewährleisten. Mit dem von Agöf angewandten Verfahren wird eine Bestimmungsgrenze von 0,1 ng/m³ realisiert.
Holzschutzmittel wie PCP oder Lindan werden vorwiegend über den Hausstaub analysiert. Frischstaub von 7 Tagen wird typischerweise mit dem Staubsaugen aufgenommen. Die PCP-Richtlinie sieht folgende Richtwerte vor: Liegt der PCP-Gehalt dieses Frischstaubes unter 1 mg PCP/kg Staub, kann die Verwendung PCP-haltiger Holzschutzmittel sicher ausgeschlossen werden. Sogenannter Altstaub gilt als belastet, wenn mehr als 5 mg PCP/kg Staub festgestellt wird.
Als Vorsorgewert in der Innenraumluft wird weniger als 1 Mikrogramm pro Kubikmeter empfohlen Einen entsprechenden Wert nennt die Innenraumlufthygiene-Kommission des Umweltbundesamtes: Sie empfiehlt eine Sanierung, wenn die Raumluftkonzentration im Jahresmittel über 1 Mikrogramm PCP pro Kubikmeter liegt. Als Sanierungsziel werden Werte unterhalb von 0,1 Mikrogramm PCP pro Kubikmeter genannt.

Gesundheitsgefährdung

PCP ist krebserzeugend und wurde von der MAK-Kommission in die Kategorie 2 eingestuft. In diese Kategorie fallen Stoffe, die als krebserzeugend für den Menschen anzusehen sind und für die Hinweise vorliegen, dass sie einen nennenswerten Beitrag zum Krebsrisiko leisten. Die Herstellung und Verwendung von PCP ist seit 1989 in Deutschland verboten.
Im Zusammenhang mit den Leidensgeschichten von Holzschutzmittelgeschädigten werden folgende Gesundheitsbeschwerden berichtet: Dauerschnupfen, häufiges Nasenbluten, geschwollene Lymphdrüsen, Schwächung der Abwehrkräfte, Leberveränderungen, Herzrhythmus-Störungen, Depressionen, ständige Müdigkeit, Gedächtnisausfälle usw.
Über eine direkte Gesundheitsgefährdung durch Aufnahme von Chloranisolen ist bisher nichts bekannt.

Weiterführende Literatur: