Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 24.10.2017

 

Brummgeräusche werden zur Chefsache

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Brummgeräusche werden zur Chefsache
13.04.2017 - Rainer von Ryssel wohnt in Dresden-Blasewitz und leidet unter einem tieffrequenten pulsierenden Geräusch, das regelmäßig in Sekundenabständen besonders nachts zwischen ein Uhr und fünf Uhr auftritt. Daneben gibt es begrenzte Zeiten, in denen es in der Wohnung total still ist. Dies beweist, dass der Brummton kein "persönliches Empfinden" ist, um es etwa mit Tinnitus zu erklären. Die Briefe an Kommunalpolitiker, Landtagsabgeordnete und die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks blieben bisher unbeantwortet. Anfang Januar 2017 nutzte von Ryssel die Internetplattform http://direktzu.de und schrieb an Kanzlerin Angela Merkel. Er erhielt tatsächlich eine Antwort. In erster Linie wird darin auf das Forschungsvorhaben "Ermittlung und Bewertung tieffrequenter Geräusche in der Umgebung von Wohnbebauung" verwiesen, welches das Umweltbundesamt (UBA) in Auftrag gegeben hat. Es soll die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen untersuchen und einen Handlungsleitfaden liefern. Weiterhin ist das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) angehalten, die Norm DIN 45680 "Messung und Bewertung tieffrequenter Geräuschimmissionen in der Nachbarschaft" zu überarbeiten und in Verkehr zu bringen.

Umweltbundesamt stellt das aktuelle Forschungsprojekt vor

Am 14. März 2017 hat das Umweltbundesamt (UBA) in Berlin im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung die Zwischenergebnisse des Forschungsvorhabens "Tieffrequenter Lärm in Wohngebieten" sowie einen Handlungsleitfaden vorgestellt. Weiterhin wurden die Fortschritte bei der Überarbeitung der Norm DIN 45680 und bereits verfügbare Hinweise zur Minderung der Lärmbelastung präsentiert. Die empfehlenswerten Vorträge sind als pdf-Datei abrufbar (siehe Link unten)

Das Augenmerk liegt auf Wärmepumpen und Mini-Blockheizkraftwerken

Nicht zu zufrieden waren anwesende Brummtonbetroffene mit dem Projektziel. Denn das Hauptaugenmerk liegt auf der Reduzierung von Geräuschen, die von Wärmepumpen oder Blockheizkraftwerken ausgehen. Das Auffinden von sonstigen störenden Brummtönen, die aus dubiosen unbekannten Quellen hervorgehen, liegt nicht im Aufgabengebiet des Forschungsprojektes.
Dennoch setzt eine erste wichtige Maßnahme bei den Herstellern von Wärmepumpen und den Handwerkern an. Alle Schalldämpfungsmaßnahmen sollen ausgeschöpft werden. Bei der Montage der Wärmepumpen ist besonders auf Schalldämpfung zu achten. Ein erstes Fachseminar für Betriebe der Heizungsinnung findet im Mai 2017 in München statt. Die beabsichtigten Maßnahmen zum Lärmschutz haben aber einen großen Haken: Alle Handlungen sind freiwillig. Die gesetzlichen Vorschriften und sonstige Druckmittel fehlen nach wie vor.

Die Überarbeitung der DIN 45680 pendelt in der Endloswarteschleife

Die DIN 45680 regelt den Umgang mit tieffrequenten Geräusch im Frequenzspektrum unter 90 Hertz. Seit dem Jahr 2005 gibt es Anläufe, die seit 1997 gültige Norm zu verbessern. Im Jahr 2013 glaubten einige Mitglieder der Arbeitsgremien, wie zum Beispiel Prof. Rainer Kubiczek aus Dresden, eine reife Fassung vorzufinden. Die Hörschwelle sollte niedriger angesetzt werden und ein neues Bewertungskonzept zum Ansatz kommen. Kubiczek schulte 2014 bereits Behördenmitarbeiter mit dem Entwurf der neuen DIN 45680. In seinem Vortrag beim Umweltministerium in Berlin stellte Professor Detlef Krahe fest, dass die DIN-Norm praktisch wieder von neuem aufgerollt wird. Diskutiert wird unter anderem eine G-bewertete Kurve für tiefe Frequenzen, in Anlehnung an die schon bestehende A- und C-Bewertung. Die neue Norm soll auch folgende nicht gelöste Probleme angehen: die Prognose von tieffrequenten Geräuschen und die Messung im Außenbereich. Fachleute wissen, dass die aktuell gültige DIN 45680 eine Messung im Innenraum erfordert und dass tiefe Frequenzen bei Ausbreitungsberechnungen von Schallwellen nicht gesondert bewertet werden.

Geheimnisvolle Brummtöne, die andere Ursachen haben müssen

Rainer von Ryssel hält sich öfters in Amerika auf. Er hat dort in einem Tal Brummtöne wahrgenommen, die nicht von den oben erwähnten Gerätschaften stammen können. Als Ursache zieht von Ryssel Mobilfunk- oder WLAN-Sender in Betracht. In Amerika sind immense Entfernungen zwischen den Stationen zu überbrücken. Deshalb vermutet von Ryssel, dass die Versorgung der Funkanlagen über Satelliten erfolgt. Wie dadurch Brummtöne entstehen können, hat der Dresdner aber noch nicht herausfinden können.

Links

Eingabe an die Kanzlerin von Rainer von Ryssel
Links zu den UBA-Vorträgen
Rechtsgutachten zu tieffrequentem Lärm in Wohngebieten
Bearbeitungsstand der DIN 45680
Brummtonforum

Bildquelle: shutterstock.com ID: 410431990