Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 19.11.2019

 

Bei der Schadstoffmessung auf die Jahreszeit achten

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- Erfahrene Baubiologen kennen die Sachlage. Wer im Sommer die Konzentration von Holzschutzmitteln oder Formaldehyd in der Raumluft misst, erhält höhere Werte als bei einer Messung in der kalten Jahreszeit. In seinem Vortrag anlässlich der 12. AGÖF-Tagung in Hallstadt untermauerte Dr. Wigbert Maraun vom Arguk-Umweltlabor in Oberursel den Sachverhalt mit statistischen Zahlen. Er verglich die Mittelwerte je Monat bei den Substanzen Lindan, Formaldehyd, Essig- und Ameisensäure über das gesamte Jahr. Bei allen chemischen Stoffen ergab sich im Juni der höchste Wert. Beim niedrigsten Wert war die Tendenz nicht einheitlich. Lindan und Formaldehyd wiesen im Januar, Ameisen- und Essigsäure im April die niedrigsten Konzentrationen auf. Dr. Maraun führte dies auf die fortschreitende Auskühlung der Gebäudesubstanz von Holzständerbauwerken von Januar bis April zurück. Grob betrachtet, kann man von dem doppelten Wert im Sommer im Vergleich zum Winter ausgehen.

Temperatur der Gebäudesubstanz ist entscheidend

Bei der Probenahme darf man sich nicht von der Raumtemperatur irritieren lassen. Entscheidend für die Schadstoffabgabe ist die Temperatur der Hüllflächen. Eine aufgeheizte Südfassade gibt mehr Schadstoffe in die Raumluft ab, als eine verschattete Nordwand. Der Referent befürwortet als Messgröße die Gebäudesubstanz-Temperatur, als Mittelwert über alle Bauteile. Er weiß aber, dass die Bestimmung dieser Messgröße sehr aufwändig ist und in der Praxis eher nicht durchgeführt wird. Im Bericht zur Gebäudeuntersuchung dürfen die klimatischen Bedingungen aber nicht fehlen. Zum Beispiel sollte vermerkt werde, wie lange die Fassade einer hohen Sonneneinstrahlung ausgesetzt war.

Klimawandel und gut gedämmte Gebäude erhöhen den Schadstoffeintrag

Dr. Jörg Wohlgemuth, Chemiker bei der Firma Competenza in Darmstadt, hat jahrelange Erfahrung mit der PCB-Sanierung. Er sieht neben der Klimaerwärmung eine weitere Tendenz bei der Schadstoffdiskussion. Die Bauteiltemperatur von Häusern im Bestand erhöht sich, wenn die Fassade nachträglich gedämmt wurde. Dr. Wohlgemuth nannte in Hallstadt folgendes Beispiel: An ein älteres Schulgebäude wurde nachträglich eine Wärmedämmung angebracht, ohne die PCB-belasteten Fugen zu entfernen. Der Schadstoff war erst zu einem späteren Zeitpunkt ausfindig gemacht worden. Die Raumluftmessung ergab einen relativ hohen Winterwert von 4.000 ng/m³. Dr. Wohlgemuth hätte aufgrund der voran gegangenen Materialuntersuchung und des hohen Chlorierungsgrades der Fugenmassen mit einem niedrigeren Wert gerechnet. In einem anderen Fall verglich der Fachmann die PCB-Sekundärbelastung einer Beton-Rohdecke vor und nach einer durchgeführten Wärmedämmmaßnahme. Ohne Dämmung betrug der Wert 11 mg/kg, nach der energetischen Sanierung ergab sich ein Laborwert von 120 mg/kg.

Literatur

12. Fachkongress der AGÖF (Tagungsband) www.agoef.de







 


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