Baubiologie und Oekologie

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Bayreuth, 11.12.2017

 

BayMess-Studie - Von Unabhängigkeit keine Spur

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17.08.2003 - (Marktheidenfeld) Bayerns Verbraucherschutzminister Eberhard Sinner (Lohr) nennt die auf 650 000 Büro veranschlagte Bay-Mess-Studie ein Mobilfunk-Pilotprojekt. Doch die „Studie", für die der Minister 130000
Euro Steuergelder locker machen will, ist offenbar nichts anderes als Teil einer Pro-Mobilfunk-Kampagne.

Wie hoch ist die Belastung des Burgers durch hochfrequente Strahlen? BayMess soll Bürgern und den Mobilfunk-Netzbetreibern endlich mehr Durchblick verschaffen, sagt Verbraucherschutzminister Eberhard
Sinner. Wie am Freitag und Samstag berichtet, soll die in Marktheidenfeld (Lkr. Main-Spessart) ansässige Funk Management Anlagenbau Consult GmbH (FMA) den Auftrag für BayMess erhalten. Finanziert werden soll BayMess von vier Mobilfunk-Anbietern und dem Ministerium mit jeweils 130 000 Euro.

Sinner lobt das Konzept der FMA zur Messung elektromagnetischer Felder und zur Information der Bevölkerung „im Sinne einer effektiven Vorsorge" überzeugend. Geschäftsführer Peter Dumig preist die FMA-Technik gar als „revolutionär".

BayMess scheint demnach ein löbliches Vorhaben zu sein. Denn das Milliardengeschäft Mobilfunk und die Ängste wegen des allgegenwärtigen Elektro-Smogs stehen un voreingenommener Information im Weg. Jeder
Gutachter, der entwarnt, wird bezichtigt, gekauft zu sein, jeder Kritiker als Technikfeind stigmatisiert. Da klingt es verlockend, wenn FMA-Geschäftsführer Peter Dümig davon spricht, auf der vorgesehenen Internet-Plattform BayMess würden die Messwerte den „verängstigten" Mobilfunknutzern „fachlich qualifiziert mit allen
Vor- und Nachteilen" dargestellt.

Eine um Objektivität und Ausgewogenheit bemühte Messung und Darstellung sollte im Interesse von Verbraucherschutzminister Sinner sein. Die sei aber von der FMA kaum zu erwarten, sagt der parteilose
Landtagsabgeordnete Volker Hartenstein (Ochsenfurt, Lkr. Würzburg), nachdem er die Internet-Seiten der FMA und ihrer Tochter infraTEC-Consult gesehen hat.


So zählt die FMA zu ihren Kernkompetenzen die Anwerbung von möglichen Standorten für Mobilfunksendeanlagen für die Netzbetreiber. Geschäftspartner sind unter anderem E-Plus und O2. Noch deutlicher wird die einseitige Ausrichtung bei der infraTEC Consult. Zu deren Angebotspalette gehören „Pro-Mobilfunk-Kampagnen" und die „informelle Lobbyarbeit mit Meinungsmultiplikatoren". Für die Mobilfunkbetreiber
analysiert infraTEC die „Meinungssituation der lokalpolitischen Entscheider" und späht Bürgerinitiativen aus.

Unverblümt wird propagiert, das Image der Mobilfunker verbessern zu wollen. „Die Branche muss aus der gegenwärtigen Defensive heraus."

Volker Hartenstein hält das verantwortliche Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz wegen dieser einseitigen Orientierung beider Firmen für gut beraten, die Zusammenarbeit und die finanzielle
Unterstützung aufzukündigen.

BayMess ist nach Hartensteins Auffassung eine Steuerverschwendung, weil die Mess-Ergebnisse im Voraus bekannt seien. „Sie unterschreiten die in der Bundesrepublik geltenden viel zu hohen Grenzwerte im
Allgemeinen deutlich."


„BayMess ist BayMist". Mit dieser liberalen Kurzformel bezieht Marianne Blank (Dittelbrunn), umweltpolitische Sprecherin der FDP Bayern und Landtags-Spitzenkandidatin für Unterfranken, Position gegen Minister Sinner. Die CSU wolle die Bürger glauben machen, dass die Mess-Ergebnisse eine Aussagekraft hatten. Dies sei angesichts der „viel zu hohen" deutschen Grenzwerte eine Augenwischerei und werde den Sorgen der Bürger über „unzählige ungewollte" Mobilfunkmasten in den Ortschaften nicht gerecht.

Im vor einem Monat verabschiedeten Umweltpapier der CSU vermisst FDP-Frau Blank ein konkretes Wort zum Mobilfunk. Nun schiebe die CSU BayMess nach, um den Eindruck zu erwecken, dass man sich um die Sorgen
der Burger kümmere.

Stutzig macht Blank der „Stallgeruch von CSU-Seilschaften", den das Projekt ausströme. Wie berichtet, hat die infraTEC den CSU-Abgeordneten Wolfgang Bötsch als Berater engagiert. „Er hat uns gesagt, „ wie man am besten auf die Ministerien zugeht", erlautert FMA- und infraTEC-Geschäftsführer Peter Dümig.

Tilman Toepfer, Mainpost
Nachricht erhalten von Herrn Rudolph, BI Omega