Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 26.09.2017
Kategorien:
Frage und Antwort:
Wie ermittelt sich die effektive Sendeleistung von Mobilfunkbasisstationen ?

Antwort:

Überall dort wo Vertreter von Mobilfunkbetreibern auftreten, ist von der geringen Sendeleistung der Mobilfunksender die Rede. Oft wird die angeblich geringe Wattstärke sogar mit der Leistung einer Glühbirne verglichen. Es handelt sich hierbei um eine schlimme Irreführung der ahnungslosen Bevölkerung durch die Betreiberseite.

Die Eingangsleistung von 10 Watt bei modernen GSM-Sendern bzw. 20 Watt bei UMTS-Stationen ist korrekt und würde es auch bleiben, wenn die Sendeantenne gleichmässig in alle Richtungen in Form einer Kugel (isotrop) strahlen würde. Tatsächlich wird die Sendeleistung bei Mobilfunksektorenantennen stark gebündelt in einem Winkel von 120 º abgestrahlt.

Zur Beurteilung der tatsächlich abgestrahlten Leistung ist die äquivalente Sendeleistung (EIRP = effective isotropically radiated power) zu ermitteln. Der EIRP-Wert gibt an, mit welcher Sendeleistung man eine in alle Richtungen gleichmässig aussendende Antenne versorgen müsste, damit sie in einer bestimmten Entfernung die gleiche Leistungsflussdichte erzeugt wie eine Richtantenne in ihrer Hauptsenderichtung.

Die entscheidende Grösse ist der Antennengewinn bezogen auf einen isotropen Strahler. Dieser Wert ist vom Typ der Antenne abhängig und variiert zwischen 14 und 19 dBi. Der Antenngewinn ist der Regulierungsbehörde (RegTP) bekannt. Mit folgender Formel lässt sich der EIRP berechnen:

EIRP = G * P = 10 (g/10) * P [W]

g = Antennengewinn (dBi), G = Antennengewinnfaktor, P = Summe der Sendeleistungen

Anmerkung zu "P": Die Summe der Sendeleistungen hängt von der Anzahl der genehmigten Kanäle ab. Bei GSM 900 sind es im Normalfall 4 Kanäle je Sektor.

Beispiel: 10 Watt je Kanal mal 4 Kanäle = 40 Watt Eingangsleistung. Antennengewinn ist 17 dBi

1) Ermittlung des Antennengewinnfaktors: G = 10 (17/10) = 50,12
2) Ermittlung der äquivalenten Sendeleistung: EIRP = G * P = 50,12 * 40 = 2004,8 Watt

Aus diesem Beispiel ist ersichtlich, wie aus 10 Watt Eingangsleistung je Kanal ca. 2000 Watt Sendeleistung EIRP je Sektor werden können. Rechnet man noch die Antennen anderer Betreiber dazu, dann können bis zu 10.000 Watt äquivalente Sendeleistung zusammenkommen.


W. Maes: Artikel in W+G Nr. 114



 
Eine Seite zurück
Aktualisiert: 28.09.2009