Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 16.12.2017
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Frage und Antwort:
Wie lassen sich geringere Immissionen durch GSM-Basisstationen erreichen ?

Antwort:

Netzübergreifendes Roaming

Bisher baut jeder Netzbetreiber sein eigenes Mobilfunknetz mit von ihm gewählten Standorten der Basisstationen auf und optimiert es nach seinen eigenen Gesichtspunkten. Durch uneingeschränktes Roaming zwischen den Netzbetreibern ergäben sich folgende Vorteile:

· Wegfall der überflüssigen Mehrfachversorgung mit Basisstationen
· die Gesamtkapazität der bestehenden Netze würde gemeinsam besser genutzt

Die Verpflichtung der Netzbetreiber zum netzübergreifenden Roaming wäre eine politische bzw juristische Massnahme.

Immissions-minimierte Netzplanung

Die Netzbetreiber optimieren ihre Mobilfunk-Netzplanung nach technischen Kriterien für eine möglichst lückenlose Abdeckung der zu versorgenden Gebiete, d. h. überall Einhaltung bzw. Überschreitung eines Mindestpegels. Eine immissions-minimierte Netzplanung achtet dagegen darauf, dass der mittlere Hochfrequenzpegel im zu versorgenden Gebiet möglichst niedrig liegt, so dass eine flächendeckende Versorgung zwar gegeben ist, aber keine unnötig hohen Pegel auftreten - vorallem in Wohngebieten mit sensibler Nutzung. Desweiteren sollen die Immissionen räumlich möglichst gleichmässig verteilt sein, ohne grössere lokale Spitzen.

In der Gemeinde Gräfelfing bei München wurde eine immissions-minimierte Netzplanung bei einem externen Dienstleister in Auftrag gegeben. Die Graphik macht die niedrigere durchschnittliche Leistungsflussdichte in den Wohngebieten deutlich.

Verzicht auf Indoor-Versorgung

Die Basisstation teilt dem Mobilteil während des Telefonats ständig mit, wie stark es senden muss, um von der Basisstation noch gut empfangen zu werden.

Wird die Leistung auf der Strecke zwischen Basisstation und Mobilteil z.B. durch ein Gebäude gedämpft, so muss das Mobilteil eine wesentlich höhere Sendeleistung erbringen. Dämpfungsfaktoren von Gebäuden liegen üblicherweise zwischen 10 dB und 20 dB, in tief gestaffelten Bauten, z.B. in Kellern oder Tiefgaragen können bis zu 30 dB erreicht werden.

10 dB entsprechen bezüglich der Strahlungsdichte dem Faktor zehn, 20 dB dem Faktor 100 und 30 dB dem Faktor 1000. Bei Verzicht auf Indoor-Versorgung könnte dementsprechend die Sendeleistung von Basisstationen um den Faktor 100 bis 1000 verringert werden.

[ Dr.-Ing. Martin H. Virnich, Mönchengladbach ]


 
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Aktualisiert: 30.04.2003