Baubiologie und Oekologie

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Bayreuth, 24.09.2018

 

EMF-bedingte Berufskrankheiten

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EMF-bedingte Berufskrankheiten
30.01.2018 - Der Einfluss von niederfrequenten elektro-magnetischen Feldern (EMF) auf Beschäftigte wurde schon mehrfach untersucht. Als Risikogruppen wurden dabei Arbeiter an Starkstromanlagen, Lokführer oder Elektroschweißer ausgemacht. Zwei aktuelle Studien richten nun ihr Augenmerk auf berufsbedingte Krankheitsverläufe im Zusammenhang mit Morbus Alzheimer und amyotropher Lateralsklerose (ALS) allgemein, ohne bestimmte Berufsgruppen herauszuarbeiten. Dazu wurden jeweils systematische Metaanalysen von zwanzig Veröffentlichungen durchgeführt. Ein weiteres Forschungsgebiet beschäftigt sich mit Personen, die in der Nähe von MRT-Geräten arbeiten. Die Studie aus 2011 wertete die Fragebögen von 59 Krankenschwestern in Nordschweden aus. Eine Studie aus dem Jahr 2017 untersuchte das Risiko von Wegeunfällen und (Beinahe-)Unfällen von niederländischen Bildtechnikern für MRT-Anlagen.

EMF und Morbus Alzheimer sowie EMF und ALS

Ziel der iranischen Studie aus dem Jahr 2017 war es, in einer Meta-Analyse den Zusammenhang zwischen beruflicher Exposition bei niederfrequenten Magnetfeldern und dem Risiko für Alzheimer-Krankheit zu untersuchen. Zwanzig Studien wurden im Zeitraum von 1995 bis 2017 von dem Forscherteam Jalilian, Teshnizi, Röösli und Neghab ausgewertet. Der Beachtungszeitraum erstreckte sich auf die Jahre 1950 - 2015 in verschiedenen Ländern.
Als Ergebnis weisen die Autoren ein erhöhtes Risiko für Alzheimer-Krankheit bei Beschäftigten mit einer beruflichen Exposition bei niederfrequenten Magnetfeldern aus (RR 1,63; KI 1,35-1,96). Die Autoren schlussfolgern, dass eine berufliche Exposition bei niederfrequenten Magnetfeldern das Risiko für Alzheimer-Krankheit erhöhen könnte. Allerdings sollten die Ergebnisse wegen der mittleren bis hohen Heterogenität zwischen den Studien mit Vorsicht interpretiert werden.
Ähnlich verhält es sich bei der Studie von Huss, Peters und Vermeulen, welche den Zusammenhang zwischen beruflicher Exposition von niederfrequenten Magnetfeldern und dem Risiko für ALS untersucht hatten. Insgesamt wurde ein leicht erhöhtes Risiko für amyotrophe Lateralsklerose bei Beschäftigten mit einer höheren Exposition von niederfrequenten Magnetfeldern im Vergleich zu einer niedrigeren Exposition (RR 1,14; KI 1,00-1,30) bei Beschäftigten in elektrischen Berufen (RR 1,41; KI 1,05-1,92) beobachtet. Jedoch wurde eine große Heterogenität zwischen den Studien gefunden. Die höchste Expositions-Kategorie zeigte ein erhöhtes Risiko für amyotrophe Lateralsklerose, wenn die Studien die gesamte Berufstätigkeit untersucht hatten (RR 1,89; KI 1,31-2,73; I² 0%).

Die Stärke des Magnetfelds ist bei MRT ein entscheidender Faktor

Eine Fragebogen-basierte Pilotstudie wurde unter allen Krankenschwestern durchgeführt, die routinemäßig mit Magnetresonanztomographen (MRT) im nördlichen Teil von Schweden arbeiteten, um einen Hinweis auf die selbst gemeldete Häufigkeit (Prävalenz) von Gesundheitsbeschwerden im Zusammenhang mit der Arbeit mit MRT-Systemen zu geben. Neunundfünfzig Krankenschwestern (88% Rücklaufquote) mit durchschnittlich 8 (± 6) Jahren Erfahrung mit MRT-Scan-Verfahren, gaben den Fragebogen zurück. Insgesamt gaben neun Pflegefachpersonen (15%) an, regelmäßig mindestens eine der Gesundheitsbeschwerden (1-5% bei spezifischen Gesundheitsbeschwerden) zu erfahren, die durch ihre Anwesenheit im MRT-Untersuchungsraum verursacht oder verschlimmert werden. Die Schichtung der Ergebnisse zeigte, dass die Meldung unerwünschter Symptome nicht mit dem Grad der beruflichen Belastung korrelierte. Die Meldung von Gesundheitsbeschwerden stand jedoch in Zusammenhang mit der Stärke der Magneten, mit denen die Pflegekräfte arbeiteten, wobei 57% der Symptome von Krankenschwestern gemeldet wurden, die mit den stärksten Systemen arbeiteten (sowohl 1,5- als auch 3-T-Scanner in dieser Population). Obwohl diese beschreibende Studie keine Kontrollpopulation umfasste und auf der Selbstmeldung von Gesundheitsbeschwerden beruhte, deuten diese Daten darauf hin, dass die Prävalenz gemeldeter Gesundheitsbeschwerden mit der Stärke des MRT-Systems zunimmt.

Erhöhtes Risiko von (Beinahe-)Unfällen bei MRT-Technikern

Bildtechniker, die mit Magnetresonanztomographie arbeiten, können akute Effekte wie Schwindel oder Benommenheit erfahren, wenn sie exponiert werden. Eine frühere Studie berichtete auch von einem erhöhten Risiko von Unfällen bei MRT-exponierten Mitarbeitern. Ziel der niederländischen Forscher um Anke Huss war es, das Risiko von Pendlerunfällen bei niederländischen Bildtechnikern zu bewerten. 490 (29%) der eingeladenen MRT-Techniker füllten einen Fragebogen aus, der sich mit (Beinahe-)Unfällen beim Fahren oder Radfahren, Gesundheit, Lebensstil und Arbeitspraktiken befasste. Im Ergebnis zeigte die Querschnittsstudie ein erhöhtes Risiko von (Beinahe-)Unfällen, wenn die Techniker im Jahr vor der Umfrage mit MRT gearbeitet hätten (Odds Ratio OR 2,13, 95% CI 1,23-3,69). Bei Personen, die mit MRT häufiger arbeiteten (OR 2,32, 95% -KI 1,25-4,31), waren die Risiken höher als bei Personen, die manchmal mit MRT arbeiteten (OR 1,91, 95% CI 0,98-3,72). Die Wirkung zeigte sich bei den Pendelunfällen, die auf dem Weg von der Arbeit oder zur Arbeit aufgetreten waren, sowie bei Arbeitsunfällen zu Hause. Die Forscher regen an, den Sachverhalt weiter zu untersuchen.







 


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