Baubiologie und Oekologie

Gesundes Bauen und Wohnen

Bayreuth, 27.07.2017


Bauen für Allergiker

Frischluft-
zufuhr
Oberflächen-
temperatur
Elektrostatische
Aufladungen
Raumluft-
feuchte
Baustoffe und
Wohnklima
Holz und
Lehm


Die Natur als Lehrmeister

Jeder umbaute Raum stellt nur einen Kompromiss dar im Vergleich zur natürlichen Umgebung.
Die Stärkung des Immunsystem kann am ehesten durch Bewegung in freier Natur, vorzugsweise in waldreicher Landschaft oder am Meer erfolgen. Frische Luft, Helligkeit und Sonnenwärme sind neben gesunder Ernährung und einem harmonischen sozialen Umfeld wichtige Garanten für die Gesundheit.

Die Baubiologie wirkt mit an der Aufgabe, den umbauten Raum so weit wie möglich an die natürlichen Verhältnissen anzupassen. Das Ergebnis allen Planens und Wirkens ist die Schaffung eines gesunden Raumklimas.

Wie erreichen wir ein gesundes Raumklima?

Die Klimatologie ist eine der schwierigsten Bereiche der Wissenschaft. Luft, Temperatur und Elektroklima beeinflussen sich wechselseitig mehr oder weniger - und diese werden wieder von Baustoffen, Bauart und Elektro-Installation geprägt.
Die einzelnen Komponenten des Raumklimas werden nachfolgend isoliert voneinander besprochen.

Frischluftzufuhr

Sauerstoffreiche Luft ist für körperlich und geistiges Wohlbefinden sehr wesentlich. Das natürliche Verhältnis zwischen Sauerstoff (O2) und Kohlendioxid (CO2) beträgt 21% O2 und 0,03% CO2. Der Anteil des CO2 an der Luft soll 0,07 % nicht übersteigen. Der Frischluftbedarf hängt ist in erster Linie von der Größe des Raumes und der Anzahl der darin befindlichen Personen ab: jeder Organismus atmet je Stunde 60 g Wasserdampf und ca. 4% CO2 aus.

Ebenso steigt die Anzahl der häufig gesundheitsschädlichen Mikroorganismen (Bakterien, Vieren, Pilze) mit der Wohndichte und fällt mit der Luftwechselrate. Bei guter natürlicher Belüftung und Sonneneinstrahlung werden die Krankheitskeime abgetötet bzw. reduziert. Für einen 3-Personenhaushalt ist ein erforderlicher Luftwechsel von 0,5 je Stunde zur Feuchteabwehr errechnet worden. Diese Kennzahl sagt aus, dass alle zwei Stunden ein Luftwechsel erfolgen soll. Dies wird am besten durch Stoßlüftung erreicht.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Innentemperatur eines Raumes. Je höher die Raumtemperatur, umso größer ist die Schadstoffkonzentration.

Hohe Oberflächentemperaturen

Die Umgebungsflächen der Räume, d.h. Fußböden, Wände und Decken sollten zur Verhinderung von Zugluft die gleiche Temperatur aufweisen wie die Raumluft. Luftbewegung beeinflusst die als behaglich geltende Temperatur. Eine Differenz zwischen Oberflächen- und Raumlufttemperatur von 2° C verursacht eine Luftbewegung von 20 cm/s. Das Optimum liegt bei 10 cm/s.

Genügend hohe Oberfächentemperaturen verhindern Kondens- und Tauwasserbildung, die als Nährboden für Schimmel- und Schwammbildung gelten.
Durch folgende baulichen Maßnahmen wird ein Absinken der Oberflächentemperatur vermieden: Winddichte Fassade, optimal dimensionierter Wandaufbau, Wärmedämmung, Vermeidung von Wärmeleitung in Längs- und Querrichtung, Fenster mit einem Mindest-K-Wert von 1,1, Einbau der Fenster mit Anschlag zur Vermeidung von Zugluft, Geringe Materialfeuchte, z.B bei Holz unter 15%.

Relativ hohe Oberflächentemperaturen werden durch Strahlungswärme erreicht. Neben der direkten Sonneneinstrahlung kann die Erwärmung durch Wandheizungen oder Kachelöfen erreicht werden.

Elektrostatische Aufladungen

Eine der Natur entsprechende schwache und ausgeglichene Luftelektrizität und eine hohe harmonische Luftionisation machen ein gesundes Erholungsklima aus: gemäßigte luftelektrische Feldstärken von unter 100 Volt pro Meter und eine günstig hohe Luftionenzahl von über 1.000 pro Kubikzentimeter, natürlich aufgeteilt in etwa 500 plus- und 500 minusgeladene Ionen.

Künstliche elektrostatische Ladungen zerstören das Raumklima. Allergene und Staub vervielfachen sich durch die Verladung und Polarisation. Elektrostatik ist ein guter Gastgeber für Feinstaub. Der natürliche Reinigungseffekt der Luft funktioniert nicht mehr.

Am einfachsten lässt sich Elektrostatik durch Verzicht auf synthetische Baustoffe und künstliche Oberflächen bei allen Einrichtungsgegenständen vermeiden. Synthetische Gardinen, Tapeten und Teppiche sollten aus allen Zimmern entfernt werden.
Nähere Infos unter www.elektrosmog-messen.de

Raumluftfeuchte

Die optimale relative Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 40% und 60%.

Eine relative Luftfeuchtigkeit unter 30% bringt folgende Nachteile mit sich:
Der Staubanteil nimmt zu. Elektrostatisch aufgeladene Raumoberflächen sorgen für eine extrem einseitig positiv ionisierte Raumluft.

Eine relative Luftfeuchtigkeit über 70 % führt zu Wachstum von Schimmelpilzen, Bakterien, Viren und Hausstaubmilben.

Wodurch entsteht Feuchte im Haus?
a) Kochen oder Duschen ohne Dampfabzug, zuwenig Lüften und Heizen.
b) Kondenswasserbildung durch keine oder zu wenige diffusionsfähige und hygroskopische Oberflächen.
c) fehlender konstruktiver Schutz der Außenwände im Norden und Westen
d) fehlende Sperrschichten im Mauerwerk gegen aufsteigende Feuchtigkeit

Baustoffe und Wohnklima

Welche Ansprüche sind an Baustoffe aus raumklimatischer Sicht zu stellen?

1.   Thermische Eigenschaften
1.1 Wärmespeicherung und Wärmedämmung
1.2 Hohe Oberflächentemperatur insbesondere im Fußbodenbereich

2.   Feuchtigkeitseigenschaften
2.1 Hygroskopizität = Fähigkeit zur Wasserdampfspeicherung
2.2 Erhöhung und Regulierung der Raumluftfeuchte
2.3 Keine Kondenswasserbildung
2.4 Elektrisch neutral

3. Diffusionsfähig = Fähigkeit Gasaustausch im Konzentrationsgefälle zwischen Innen- und Außenluft bis zum Gleichgewichtszustand zu ermöglichen.

4. Absorptionsfähig = Fähigkeit zur Bindung und Neutralisierung gasförmiger Giftstoffe der Luft.

5. Keine Abgabe toxischer Gase und Dämpfe.

Holz und Lehm als natürliche Baustoffe

Der Baustoff Holz hat folgende Vorteile:
Er ist ein nachwachsender Rohstoff, er hat eine hervorragende Energiebilanz, besitzt eine hohe Oberflächentemperatur, ist statisch belastbar, diffusionsfähig, hygroskopisch, absorptionsfähig, riecht angenehm, gibt im unbehandelten Zustand keine Giftstoffe ab und lädt sich elektrostatisch nicht auf.

Die Vorteile von Lehm sind:
Er ist nahezu unbegrenzt vorhanden, hat eine hervorragende Energiebilanz, ist diffusionsfähig und hygroskopisch, ist in hohem Maße absorptionsfähig, d.h trägt zur Entgiftung der Raumluft bei, riecht angenehm und lädt sich elektrostatisch nicht auf.

Weiterführende Informationen

Baubiologie Regional stellt zu drei wichtigen Themenbereichen Mailinglisten zur Verfügung: Lehm, Holz und Elektrosmog. In den verschiedenen Listen können Sie diskutieren, Seminare und Events ankündigen, eigene Projekte vorstellen, Teilnehmer für Workshops suchen, Praktikumsstellen erfragen und last but not least Fragen zum Thema stellen oder selbst Ihr Fachwissen zum besten geben. Mailing-Listen und weitere kostenlose Angebote

Literaturhinweise:

Dr. Anton Schneider: Verschiedene Schriften. IBN-Verlag, Neubeuern.
Wolfgang Maes: Stress durch Strom und Strahlung. IBN-Verlag, Neubeuern.